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Die "Wilde Reise durch die Nacht" nach kurzer Stille gefeiert
Freda Winter (von links), Lennart Morgenstern und Florian Kräuter setzen ungewöhnliche wie interessante Utensilien kreativ ein.  Foto: Gareus-Kugel
19.03.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach (vgk) - Mit einem Sinnestrip quer durch das zeichnerische Universum des Gustave Doré haben die Spieler des Puppentheaters Magdeburg noch vor der offiziellen Eröffnung der 30. Gernsbacher Puppentheaterwoche (Bericht siehe unten) am Samstag für Furore in der Stadthalle gesorgt. Die "Wilde Reise durch die Nacht" erhielt nach 90 Minuten begeisterten Applaus.

Die Geschichte kam fast ohne Puppen aus, dennoch gelang den Puppenspielern eine eindrucksvolle Inszenierung voller Überraschungen. Der Maler und Grafiker Gustave Doré, 1832 in Straßburg geboren, machte im 19. Jahrhundert vor allem als Zeichner auf sich aufmerksam. Er war ein gefragter Illustrator. Aus seiner Feder floßen unter anderem Illustrationen für Dantes Alighieris "Göttlicher Komödie", Miguel Cervantes "Don Quijote" und die englische Bibel.

Die Puppenspieler Freda Winter, Florian Kräuter (Bühne) und Lennart Morgenstern (Regie: Nis Sø;gaard; Video-Animation Krauss&Feigl) setzen mit der Erzählung nach Walter Moers in der Todesnacht Dorés an, der 51 Jahre alt wurde. Die Bühnenfassung schrieb Tim Sandweg. Die Darstellungsweise aus Live-Hörspiel, Videoprojektion und kreativem Schattenspiel ist zunächst gewöhnungsbedürftig. Ist diese Hürde genommen, kann es mit dem Genuss und den philosophischen Betrachtungen über das Leben und den Tod losgehen. Während der Aufführung herrschte konzentrierte Stille im Saal - und nach Spielende dauerte es eine kleine Weile, bis das Publikum aus der Faszination erwachte.

Ein Tisch, der frontal zum Publikum steht, eine Bühne voller interessanter Requisiten (von der Geige über Elektro-Bass bis hin zu einiger Elektronik) und eine große Leinwand bilden den Rahmen für eine bizarre Story. Doré begegnet in der Nacht seines Todes nicht nur sich selbst, sondern auch seinen eigenen Illustrationen. Es klingelt, man hört Schritte und den Satz: "Ich bin der Tod." Auf der Leinwand erscheint ein Segelschiff, das in schwere See gerät. Etwas Albtraumhaftes und zugleich Märchenhaftes wohnen den Szenerien inne. Der Tod (Freda Winter) will Dorés (Lennart Morgenstern) Seele. Mit am Tisch, neben Doré, sitzt die wahnsinnige Schwester des Todes, Dementia (Florian Kräuter).

Um sein Leben zu retten, lässt sich Gustav auf die Forderungen des Todes ein. Als Erstes hat er eine Jungfrau vor einem Drachen zu retten. Auch muss er möglichst auffällig durch einen Wald mit missgünstigen Gespenstern reisen. Der Maler hat die Namen von Riesen zu erraten, zudem muss er einem schrecklichen Ungeheuer einen Zahn ziehen. Im Anschluss daran begegnet er sich selbst, auch hat er den Tod auf dem Mond zu besuchen. Die Spieler lassen ihren träumenden Protagonisten aus einer Geschichte in die nächste stolpern.

Jede der Fragen ist eine Anspielung auf Motive, die der Maler im Laufe seines Lebens malte. Das Pferd, mit dem er durch den Wald missgünstiger Gespenster reitet, heißt Pancho Pansa, anlehnend an den guten Freund von Don Quijote. Die Riesen, deren Namen er erraten muss, spiegeln die Abenteuer des Herkules wider. Voller Komik steckt die Begegnung mit dem schrecklichsten Ungeheuer des Universums: einem geflügelten Schwein mit Zahnschmerzen.

Schattenspiele, Videoprojektionen und Dialoge ergänzen sich perfekt und sind von großer Kreativität geprägt. Es werden surreale Bilder entworfen, vieles ist so grotesk, dass es schon wieder komisch wirkt. Es kommen hammerharte Bässe und wimmernde Gitarrensaiten zum Einsatz, ebenso wie ein Theremin, ein Musikinstrument, das bei Berührung Spährentöne von sich gibt. Gleichwohl ergibt sich immer wieder ein Ganzes: eine ohne Pause gespielte 90-minütige Meisterleistung.

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