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"Enthusiastische" Streitschlichter
Die Streitschlichter aus den zehnten Klassen des Albert-Schweitzer-Gymnasiums präsentieren ihre Grundsätze und die Gefühlskärtchen aus ihren Gesprächen.  Foto: Metz
21.03.2018 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gernsbach - "Jetzt ist alles wieder o.k." "Jetzt bin ich erleichtert." "Jetzt hat sich wieder alles eingerenkt." Zücken die Schüler eines der Gefühlskärtchen, dürfen sich die sieben Streitschlichter am Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASG) zufrieden zurücklehnen, denn sie haben ihre Aufgabe gemeistert: Ein Zwist hat sich in Luft aufgelöst.

Die erste Streitschlichter-AG gründete sich 2005 in Gernsbach. Es gab keinen konkreten Anlass. "Damals kam das Thema eben auf", weiß Rektor Stefan Beil und schiebt nach, "für unsere Schule ist es wichtig, solch eine Beratungsinstanz zu haben." Nachdem mit Natalie Schittko die älteste Schlichterin derzeit ihr Abitur macht und die Schule bald verlässt, bedurfte es einer Nachfolgegeneration - und die Gymnasiasten aus der zehnten Klasse brachten sich zu Beginn des neuen Schuljahrs mit Feuereifer ein: Vivien Woszek, Mariam Abboud, Niklas Naumann und Jonas Mörmann sind immer noch voller Elan dabei, ja geradezu "enthusiastisch", wie es der Fünfte im Bunde, Jonathan Framhein, ausdrückt.

Entsprechend begeisterten sie sich Ende vergangener Woche für den 17. baden-württembergischen Streitschlichter-Kongress, der 120 Teilnehmer nach Bad Boll lockte. Weil maximal ein Quintett pro Schule teilnehmen darf, war Schulsozialarbeiterin Astrid Klempt "froh", dass Nils Bandleon einen Auslandsaufenthalt absolviert und nicht auch noch die drei Tage zum Erfahrungsaustausch nutzen wollte.

Mörmann fand es besonders "toll", dass an der Evangelischen Akademie die Themen von der "Friedenspädagogik heruntergebrochen wurden auf das, was wir vor Ort machen können. Das Motto lautete so zurecht: ,Wir bewegen was!'" Die Ausgabe von 120 Euro pro Nase rentierte sich nach Ansicht von Framhein schon allein wegen des "Erfahrungsaustauschs". Abboud nahm von den anderen Schulen "neue Ideen mit, mehr Spiele in jüngeren Klassen durchzuführen, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Zudem bilden wir am Schuljahresanfang mit den Lehrern neue Streitschlichter aus", peilen die Zehntklässler eine kontinuierlichere Fortsetzung ihrer Arbeit an und wollen ein "Erbe hinterlassen".

Nun gilt das ASG gewiss nicht als schwerer sozialer Brennpunkt. Es kann vorkommen, dass die Streitschlichter in einer Woche zweimal unterstützend eingreifen - manchmal werden ihre Dienste aber auch wochenlang nicht benötigt. "Schwerwiegende Probleme, die justiziabel sind, haben wir keine", betont Framhein, und Rektor Beil ergänzt: "Das läge dann auch wie schweres Mobbing in Händen der Klassenlehrer." Eher liegen mal Klassen im Clinch, stellt Vivien Woszek fest. Oft geht es um kleinere "Missverständnisse", berichtet Mörmann. "Die können wir als erfahrenere Schüler dann ausräumen", meint Framhein. Jede Partei erhält dabei einen Streitschlichter an ihre Seite, und die vier Personen unterhalten sich eine Stunde lang nach vorgegebenen Regeln (etwa jeder kommt zu Wort, bleibt bei der Wahrheit und hört gut zu, es gibt keine Strafen). Zwei Wochen später folgt das "Nachgespräch". So lassen sich viele Missverständnisse unter den Betroffenen ausräumen - und am Schluss drücken sich im Idealfall die Beteiligten mit den Gefühlskärtchen aus.

Wer ein Problem hat, kann jederzeit einen der Streitschlichter ansprechen. Deren Fotos hängen am Schwarzen Brett aus. Zudem sind sie auch in den Klassen bekannt, weil jede pro Woche eine spezielle Stunde zur freien Verfügung hat, die das engagierte Quintett zu Besuchen nutzt. Bei diesen wollen sie vor allem den Gemeinschaftssinn in den Klassen als Präventivmaßnahme stärken. Um die Ansprech-Hürde vielleicht noch ein bisschen niedriger zu hängen, möchten sich die Streitschlichter außerdem - wie inzwischen in vielen anderen Schulen - bald umbenennen. "Konfliktlotsen klingt weniger negativ behaftet", weiß sich Vivien Woszek einig mit ihren Mitstreitern.

Auf den nächsten Streitschlichterkongress 2019 in Bad Boll sind jetzt schon alle heiß, "weil das Thema Cybermobbing immer mehr zum Problem wird", unterstreicht Framhein ebenso wie Sozialarbeiterin Klempt, laut der sich "Mobbing sehr in die sozialen Medien verlagert hat".

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