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Investor: Das ist natürlich schade
28.03.2018 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - Das hat durchaus Seltenheitswert: Da stellt ein namhafter Architekt Pläne für die Brückenmühle vor, die auf uneingeschränkte Zustimmung der Kommunalpolitiker stoßen, und trotzdem wird das Projekt gestoppt, bevor es los gehen kann. Nach der einstimmigen Entscheidung, dem Kaufvertrag für die Brückenmühle das kommunale Einvernehmen zu versagen (wir berichteten), ist weiter völlig offen, wie es mit der großteils denkmalgeschützten Immobilie weitergeht.

Investor Viktor Karp zeigte sich gestern im BT-Gespräch enttäuscht und kündigte an, die Angelegenheit rechtlich prüfen zu lassen, sobald ihm etwas Schriftliches von der Stadt Gernsbach vorliege. Er war am Dienstagmorgen von seinem beauftragten Architekten Urban Knapp über das Geschehen des Vorabends informiert worden.

Der Vorsitzende des BDA (Bund Deutscher Architekten), Kreisgruppe Baden-Baden, Rastatt, Ortenau, hatte die Pläne im Gemeinderat präsentiert und war damit durchaus auf Gegenliebe gestoßen. Seine ersten Entwürfe für die neue Brückenmühle sehen vor, die historischen Gebäudeteile im Wesentlichen zu erhalten und sie anstelle des Silos mit einem Neubau zu ergänzen. Im Untergeschoss (auf Murgniveau) sollen Lagerräume für die kleinteiligen Einzelhandelsgeschäfte entstehen, die sich im Erdgeschoss ansiedeln; darüber ist eine Wohnnutzung im denkmalgeschützten Bereich sowie im Silo vorgesehen. Im dortigen Neubau wäre zudem ein Gastronomiebetrieb vorstellbar - Knapp sprach im Gemeinderat von einer Roof-Top-Bar mit Rund-um-Sicht auf Gernsbach als Alleinstellungsmerkmal.

Der Architekt aus Baden-Baden gab ein Baukostenvolumen von circa drei Millionen Euro für die Brückenmühle an, die eine Nettogeschossfläche von 2000 Quadratmetern aufweise. Mit der Umgestaltung dieser wolle man die "moderne Interpretation eines Stadttors" nach Gernsbach bringen und durch eine Passage den stark frequentierten Fußweg über die Stadtbrücke deutlich aufwerten. "Ich möchte das Projekt gerne realisieren, deshalb sitze ich hier", betonte Knapp.

"Das Konzept ist gut und schlüssig und von einem renommierten Architekten", lobte CDU-Fraktionsvorsitzende Frauke Jung. Dennoch stimmten auch die Christdemokraten geschlossen gegen den Verkauf des stadtbildprägenden Gebäudes an die Deutsche Baukultur Projektholding GmbH, die durch Karp als Investor vertreten wird. Die CDU wolle mit der Entscheidung auch ein Signal setzen, dass man im Gemeinderat "an einem Strang" ziehe.

"Das ist sicherlich keine einfache Entscheidung", ergänzte Uwe Meyer. Der Fraktionschef der Freien Bürger betonte, "dass wir alle hier im Saal wollen, dass sich etwas bewegt" in der Brückenmühle: "Die Bedenken, die wir haben, haben ausdrücklich nichts mit dem Planungsbüro zu tun", sagte er in Richtung Urban Knapp. Die Bedenken rührten ausschließlich vom vereinbarten Kaufpreis her, der mit 1,6 Millionen Euro fast doppelt so hoch ist, wie der gutachterlich ermittelte Verkehrswert der Brückenmühle. "Das ist ein großes Problem", bestätigte Landtagsabgeordneter Thomas Hentschel (Grüne). Die sanierungsrechtliche Genehmigungspflicht bei Bauvorhaben in Sanierungsgebieten ergibt sich aus dem Baugesetzbuch. Ziel ist es, Spekulationen zu verhindern und sicherzustellen, dass die Sanierungsziele der Stadt auch tatsächlich umgesetzt werden. Immer dann, wenn der Kaufpreis deutlich zu hoch ist, sei dies aber in Gefahr, erklärte Guido Wieland (SPD).

"Das ist natürlich schade", reagierte Viktor Karp gestern auf die Nachricht aus der Papiermacherstadt: Vor allem "dass man uns drei Monate hinhält" - und dann so entscheide. Die Chronologie seines Engagements für die Brückenmühle warf auch bei Frauke Jung Fragen auf: "Wir hätten uns gewünscht, früher informiert worden zu sein." Sie reagierte damit auf die Aussage Knapps, dass man ursprünglich schon in der Januar-Sitzung des Gemeinderats über das Vorhaben Auskunft geben wollte - von der Stadtverwaltung aber um Geduld gebeten worden sei.

Diese hat ihre Einspruchsfrist zum Brückenmühlen-Deal (Stichwort: Genehmigungsfiktion) fast bis zum letzten Tag (31. März) ausgereizt. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", betonte Bürgermeister Julian Christ. Er kündigte an, nun in weitere Gespräche mit dem Eigentümer einzutreten. "Wir alle haben ein Interesse daran, dass die Brückenmühle endlich wieder zu einem Schmuckstück unserer Stadt wird."

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