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Herausragendes Schmuckstück von Gernsbach
05.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Cornelia Zorn

Gernsbach - Das Alte Rathaus in Gernsbach ist eines der kunsthistorisch wertvollsten Wohngebäude seiner Zeit in Süddeutschland und das herausragende Schmuckstück der Gernsbacher Altstadt. Die Jahreszahl 1617 ist im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss eingemeißelt, es markiert vermutlich den Baubeginn. Das Jahr 1618 findet sich an der Sonnenuhr am Erker und am Innenportal zum Bürgersaal im zweiten Obergeschoss und deutet auf die Fertigstellung hin. Damit wird das Alte Rathaus 2018 genau 400 Jahre alt.

Das BT nimmt das Jubiläum zum Anlass, über dieses für Gernsbach typische Gebäude und die neuesten Erkenntnisse zur Geschichte und Bauhistorie zu berichten.

Errichten ließ das für seine Zeit außergewöhnlich prächtige Gebäude der Murgschiffer Hans Jakob Kast, ältester Sohn von Jakob Kast "dem Reichen". Der war zwischen 1574 und 1600 vom führenden Murgschiffer zum Großunternehmer mit einer Monopolstellung für den Holzhandel am Oberrhein aufgestiegen und hatte die anderen Murgschiffer in seine Abhängigkeit gebracht. Als er 1615 starb, hinterließ er ein Vermögen im Wert von rund 480000 Gulden.

Haus am Markt war ein Statussymbol Kasts

Das Haus am Markt, Statussymbol dieses Reichtums, war vermutlich schon zu seinen Lebzeiten geplant worden. Noch Jahrhunderte später überragte es die umgebenden Häuser. Geprägt ist es von den Stilelementen der späten Renaissance oder, genauer gesagt, des Manierismus. Zu diesem Stil gehört ein überreicher Fassadenschmuck mit Bändern, Rankenwerk, schneckenförmigen Gebilden und Obelisken. Besonders kennzeichnend ist das optisch wie Schmiedeeisen wirkende steinerne Beschlagwerk. Die Sonnenuhren an der Fassade lagen damals im Trend. Sie signalisierten ein gesteigertes Interesse des Bauherrn an wissenschaftlichen Themen wie beispielsweise Astronomie. Der Architekt ist unbekannt, Stilvergleiche deuten auf Johannes Schoch hin, den Schöpfer des sogenannten Friedrichsbaus auf dem Heidelberger Schloss. Kast ließ also einen damaligen Stararchitekten für sich arbeiten.

Die sorgfältig behauenen roten Sandsteinquader der Schaufassaden waren auch zur Erbauungszeit unverputzt. Steinerne Schmuckelemente der Außenwände wurden im Inneren des Gebäudes wieder aufgenommen. Die 1976 nach Spuren der Original-Bemalung restaurierten Sandsteinportale am Eingang zum Treppenhaus und im Bürgersaal geben einen Eindruck von der ursprünglichen Farbenpracht. Seltsamerweise verlegte der Bauherr aber schon bald nach der Fertigstellung seinen Wohnsitz nach Straßburg, wo er 1623 als Bürger nachgewiesen ist.

Wappen entzaubert Gernsbacher Legende

Dass er wegen seiner aus Straßburg stammenden Ehefrau aus Gernsbach fortzog, ist eine hübsche Legende. Seit 1596 war er mit Maria Vogler aus Heilbronn verheiratet und erst nach deren Tod heiratete er 1627 die Straßburgerin Katharina Berner. Maria Vogler ist wahrscheinlich im Allianzwappen über dem Portal verewigt.

Eines der beiden Wappen zeigt, wie das Wappen der Familie Vogler, als Helmzier über dem Wappenschild einen Vogel, während die Helmzier des anderen Wappens einen steigenden Löwen mit einem Baum in den Pranken darstellt. Dieses Emblem symbolisiert den durch Holz erworbenen Reichtum der noch heute existierenden Familie Kast. Was ursprünglich in den beiden Wappenschilden unter den Helmzieren war, wissen wir nicht. Wahrscheinlich enthielten sie, zumindest bei Hans Jakob Kast, die für die Familie typischen Schifferzeichen, also eine charakteristische Kombination von geometrischen Formen.

Die Schilde wurden nach 1722 umgeändert, als die Stadt das ehemalige Palais als Rathaus nutzte. Passend zur neuen Nutzung meißelte man die Ebersteiner Rose und den Doppelhaken in die Schilde, die Embleme der Stadt Gernsbach. Die Legende besagt, Hans Jakob Kast habe der Stadt das Gebäude bei seinem Wegzug geschenkt, was nicht zutrifft.

1626 führt ein Straßburger Inventar das Palais als Kasts Eigentum auf, und zwar als eine mit 2800 Gulden bewertete "Behausung zu Gernsbach in der Statt uf dem Marckt", gegenüber vom Fürstlich-Ebersteinschen Hof (heute verschwunden), talwärts an der "Allmendt" (heute freier Platz), bergwärts grenzend an das Haus von Hans Haßmanns Witwe (heute Hauptstraße 13). Später kam es in die Hände von Jacob Weiler, von dessen Erben es die Stadt laut Bürgermeisterrechnung von 1722 einige Jahre zuvor gekauft haben muss.

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