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Verwandte aus USA bei Festakt
Die Straßenschilder für die Dr.-Isidor-Meyerhoff-Straße sind bereits installiert.  Foto: Jahn
12.04.2018 - 00:00 Uhr
Gaggenau (red/uj) - Als der Gaggenauer Gemeinderat im Juli 2017 einstimmig beschloss, die Bruchgrabenstraße in Dr.-Isidor-Meyerhoff-Straße umzubenennen, zeichnete er damit einen jüdischen Arzt aus, "der es einfach verdient hat", wie Gerd Pfrommer (SPD) meinte. Ältere Bürger haben immer wieder an sein unermüdliches Engagement erinnert, das nicht an materiellem Gewinn orientiert war, sondern nur an der Hilfe für den Mitmenschen. So wirkte er 32 Jahre unermüdlich, bis die Nazis ihm seine Praxis und sein Haus raubten und die fünfköpfige Familie vertrieben.

Meyerhoff, aus Siegen stammend und in Gießen aufgewachsen, kam am 1. Oktober 1906 nach Rotenfels. Wie sein Vorgänger praktizierte der Arzt zunächst im Wohnhaus des Müllers Nassall. 1917 ließ er sich ein Haus im Villenstil mit Praxisräumen im damals neuen Baugebiet "Großau" bauen. Aus Dortmund kam Frieda Lehmann zu ihm, die er 1907 heiratete. Die Ehe brachte drei Kinder.

Der Mediziner versorgte auch Kranke in Gaggenau und Kuppenheim. Er war der erste Besitzer eines Kraftwagens in Rotenfels, im Volksmund "Doktormobil" genannt. Als tüchtiger und gewissenhafter Arzt war er bei der Bevölkerung beliebt und wurde deshalb nicht wegen seines Wohlstands beneidet. Viele Arme behandelte er kostenlos. Im Ersten Weltkrieg diente er den Deutschen Truppen als Stabsarzt, wobei er selbst zweimal verwundet wurde.

Bis 1938 praktizierte er in Rotenfels - bis die Verfügungen der Nationalsozialisten die Schließung seiner Praxis forderten. Bei einem Patientenbesuch in Michelbach wurde er 1938 misshandelt, seine Praxis wurde bald darauf zwangsweise geschlossen.

Deportation in Internierungslager Gurs

Im selben Jahr übersiedelte er mit seiner Frau Frieda und seiner Tochter Elisabeth nach Mannheim. Dort verstarb er 1940 und wurde auf dem israelitischen Friedhof beigesetzt. Seine Familie wurde in das Internierungslager Gurs nach Frankreich deportiert, kam aber dank der Hilfe ihrer in Paris studierenden Tochter Lieselotte frei. Die Familie wanderte in die USA aus.

Die Bedeutung, die der große Arzt noch heute in der Familientradition hat, zeigt die Tatsache, dass an die 20 Enkel, Urenkel und Ururenkel den langen Weg über den großen Teich machen, um der feierlichen Enthüllung des neuen Straßenschildes am Montag, 16. April, um 10 Uhr durch Oberbürgermeister Christof Florus beizuwohnen. Die Bevölkerung ist dazu eingeladen. Danach findet der zweite Teil des feierlichen Aktes hundert Meter weiter im Hof der ehemaligen Villa Meyerhoff (Murgtalstraße 101) statt, wo der jetzige Besitzer dieses Anwesens, Andreas Spindler, der Vorsitzende des Heimatvereins, Alexander Fitterer, und ein ehemaliger Patient das Wort ergreifen werden. Den musikalischen Rahmen bieten Gerold Stefan von der Musikschule auf der Klarinette und ein Chor der Realschule.

Vorgesehen ist auch eine Fahrt nach Heidelberg und zum jüdischen Friedhof in Mannheim, wo sich das Grab von Dr. Isidor Meyerhoff befindet. Der Aufenthalt der Gäste aus den USA wird beschlossen durch ein Abschiedsessen im Gemeindehaus der Pfarrei St. Laurentius in Bad Rotenfels.

"Erinnerungen an Dr. Isidor Meyerhoff und seine Familie" ist das Thema des Buches, das am Montag, 16. April, ab 18 Uhr im Bürgersaal des Rathauses vorgestellt wird. Es behandelt das Leben des jüdischen Arztes. Die 20 Enkel, Urenkel und Ururenkel Dr. Isidor Meyerhoffs werden Gäste der Lesung sein, zu der auch die gesamte Bevölkerung eingeladen ist. Dem Vortrag des Autoren Ulrich Behne folgt jeweils die Übersetzung ins Englische durch Dr. Susanne Westermann-Herrwerth.

Nach der Lesung wird das Buch mit dem Titel "Remembering Dr. Isidor Meyerhoff and his family" den amerikanischen Gästen übergeben. Bei einem anschließendem Umtrunk könnte es zu lebhaften Gesprächen über den Mann kommen, der noch heute in Bad Rotenfels und den umliegenden Gemeinden einen legendären Ruf genießt.

Interessierte Bürger, die es bedauern, das Buch nicht in deutscher Sprache erwerben zu können, seien auf den November verwiesen, in dem Behne eine Dokumentation über die ehemalige jüdische Gemeinde zu Hörden herausbringen wird, zu der auch die Glaubensbrüder aus Gaggenau und Rotenfels gehörten.

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