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Noch ′ne Runde für die Doppelstunde
24.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Ein Schnellschuss wird es nicht mehr: Seit Anfang des Schuljahrs erprobt das Goethe-Gymnasium das sogenannte Doppelstundenmodell: Fächer werden nicht wie früher einstündig gehalten, sondern zweistündig. Eine Reihe von Vorteilen versprechen sich die Befürworter des Modells. Doch es gibt auch Bedenken. Deshalb wird die Probephase um ein weiteres Schuljahr verlängert.

Neu ist der Ansatz nicht, erläutert Bernhard Krabbe, der stellvertretende Schulleiter. An anderen Schulen sei der Modell bereits etabliert. "Eine Entschleunigung des Schulalltags" verspreche man sich, erläutert Jörg Hainer. Er leistet die Umsetzung der Evaluation.

Für Krabbe hat das Modell einen "Riesenvorteil", der alles andere überlagert: "Man hat Zeit, die Dinge von verschiedensten Seiten mit verschiedenen Methoden zu beleuchten. Dadurch werden Themen intensiver bearbeitet." Hainer erläutert dies mit einem Verweis auf die klassische 45-Minuten-Stunde im Fach Geschichte: "Sie kommen mit einem Koffer voller Material. Bis Sie alles aufgebaut haben, können Sie wieder abbauen." So sieht es auch Julika Kühner im Fach Deutsch: "Ich genieße es, dass wir endlich mal Zeit haben, zum Beispiel ein kleines Theaterstück einzuüben." In der Einzelstunde werde man bei so etwas nach 45 Minuten "ausgebremst". Auch der Unterricht in Naturwissenschaften profitiere: Versuche könnten nicht nur durchgeführt, sondern ausgewertet werden.

Maximal drei Fächer am Vormittag

Krabbe sieht auch die Vereinfachung des Stundenplans als positiv. Die "Rhythmisierung" sei zum einen innerhalb eines Tages zu erkennen: Maximal drei Fächer gibt es pro Vormittag, dabei solle möglichst "ein entspannteres Fach" wie Kunst, Sport oder Religion zwischen klassische Hauptfächer gebettet werden. Die Kinder müssen sich nur auf drei Fächer am Tag einlassen, statt auf fünf oder sechs. Zwei Fremdsprachen nacheinander gelte es allerdings zu vermeiden. Auch die Schulwoche habe nun im Idealfall einen bestimmten Rhythmus. Gleichwohl gibt es Nachteile des Doppelstundenmodells:

"Sprachenlernen ist in kleinen Portionen einfacher, gerade in der Unterstufe", gibt Julika Kühner zu bedenken. Darüber hinaus werde kritisiert, dass die Kontinuität verloren gehe, weil eben ein Fach mehrere Tage hintereinander gar nicht stattfinde.

Zwei Stunden können auch lang sein: Wer erinnert sich nicht an die eigenen verstohlenen Blicke auf den kriechenden Sekundenzeiger, wenn eine sechste Stunde geradezu zum Synonym für die mathematische Unendlichkeit zu werden schien?

Durch die Verlängerung der Probephase könne man für diese Fälle Lösungen erkunden, erläutert Kühner.

Generell ermöglicht eine Doppelstunde nicht nur, verschiedene Lernmethoden und Unterrichtsformen - sie erfordert sie sogar, betont Jörg Hainer. Dies setze allerdings voraus, dass der Lehrer seinen Unterricht gezielt vorbereite. "Aber man kann nicht eine Einzelstunde einfach verdoppeln."

Anders als von manchen befürchtet, gehe mit dem neuen Zeitmodell kein Zeitverlust einher, und auch der Bildungsplan werde erfüllt, versichert Bernhard Krabbe: Trotz intensiven Arbeitens sei sogar ein Zeitgewinn vorhanden. Denn man müsse "nicht jedes Mal neu anfangen".

Mit dem Doppelstundenmodell habe die Schule einen Prozess der Weiterentwicklung gestartet, bilanziert Julika Kühner: "Ein Prozess, der weitergehen wird." "Alles ist im Fluss", formuliert es Bernhard Krabbe und Jörg Hainer meint: "Das Goethe-Gymnasium hat mit dem Doppelstundenmodell exemplarisch einen Qualitätsentwicklungsprozess durchlaufen. Wir haben es durchgeführt und wir haben es evaluiert. Wir werden auf Grundlage dieser Datenbasis wieder Veränderungen vornehmen. Wir sind auf dem Weg zu einer Schule, die sich systematisch weiterentwickeln möchte."

Diese Überlegungen sind für Eltern möglicherweise weniger entscheidend. Das täglich zu kontrollierende Hausaufgabenpensum sei übersichtlicher geworden, berichtet eine Mutter. "Und es gibt weniger Hektik, bei der Ranzenkontrolle, ob alle Bücher und Hefte eingepackt sind."

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