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Bitterböse Sprachkunst, Pathos und Vulgarität - aber bitte mit Stil
Lisa Eckhart. Foto: mhr
30.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Margrit Haller-Reif

Gaggenau - Lisa Eckharts vitale Bühnenpräsenz zog das Publikum unmittelbar in seinen Bann am klag-Samstag. Mit bitterböser Sprachkunst eroberte der neue Stern am deutschsprachigen Kabaretthimmel das dicht gedrängte Publikum ohne ein Wimpernzucken. Und wenn schon Pathos und Vulgarität, dann aber bitte mit Stil!

Ende 2015 hat sich die erfolgreiche Poetry-Slammerin aus Niederösterreich entschlossen zur Jungkabarettistin gewandelt. Mit ihrem inzwischen mehrfach preisgekürten Kabarett-Solodebüt "Als ob Sie Besseres zu tun hätten" hat sie sich in Windeseile einen Namen gemacht. Die Trägerin des Deutschen Kleinkunstpreises 2018 schlug auch den klag-Gästen eine gleichermaßen beeindruckende wie provokante Sternstunde um die Ohren, die mit der ungewöhnlichen, aber unmissverständlichen Begrüßung begann: "Schön, dass ich hier sein kann. Das freut mich für Sie!"

Sie inszeniert ihre Kunstfigur perfekt. Ein schönes, androgyn angehauchtes Wesen, eine auf den Punkt gestylte Erscheinung mit semmelweißem Undercut in hautengem schwarzem Leder auf High Heels. Ihre Körpergröße beeindruckt, erst recht beeindrucken ihre fein geschmiedeten "Verse perverser Verstörung". Beispiel gefällig? "Denn erst wenn der letzte Baum gefällt ist, werdet ihr merken, dass man Veganer essen kann!" Ihre Verse sind geschliffen, der Sprachduktus von Anfang an packend.

Lisa Eckhart ist hochkonzentriert, ganz bei sich, das Publikum eine notwendige Nebensache. "Ich komme aus Österreich, das hört man sofort an meinem Rassismus." So gestaltet sich der Anfang eines nur durch die Pause unterbrochenen, durchkomponierten Monologes über alles und jeden, über Gott und eine düstere Welt. Geistvolles wechselt im Sekundentakt mit Ferkeleien, ihre verbalen Hammerergüsse tränkt sie lächelnd mit Sarkasmus. Der Sprachwitz im Pointenhagel ist präzise, die Boshaftigkeit zielgenau. Nur wenn sie von ihrer Kindheit und dem prägenden Großvater erzählt, blitzt unerwartet Wärme zwischen den Worten auf.

Sprachliche Virtuosität und Schmäh in seiner zynischsten Form gehen bei Lisa Eckhart Hand in Hand. Ihre ausladende, mal weiche, dann wieder theatralische Gestik nimmt den galligen Texten und bitterbösen Reimen ein wenig die Schärfe, wie eine sanfte Melodie. Ihr Landsmann Thomas Bernhard würde sich auf seiner Himmelswolke vergnügt die Hände reiben.

Ihre "Egogeschichten" kreisen um die Abneigung gegen Reisen, Pärchen-Anmache ("Hass ist das einige funktionierende Element einer Beziehung") oder die "christliche Verherrlichung" von Allergien. Von der Laktoseintoleranz zur NSU, vom Schlussverkauf von Waren und Werten zur Religion; auch für Josef, den "Schutzpatron der Rabenväter", hat sie keine Sympathien übrig. Lisa Eckharts Worte geißeln, wie ein Vulkan spuckt sie Themen aus in klugen, verschachtelten Assoziationsketten. Wenn schon lesen, dann das Alte Testament oder die echten Märchen, in denen "jede Hexe satt wurde", und nicht die weichgespülte Disney-Version.

Quentin Tarantino kann einpacken bei der martialischen sprachlichen Bildgewalt dieser Frau. Falco, dem "Rock Me Amadeus"-Star, fühlt sie sich offenbar verbunden. Legte dieser doch zu Lebzeiten dieselbe unglaublich charmante Arroganz an den Tag. Bei einem "spektakulären Begräbnis" im figurbetonten Sarg "einmal unter Falco liegen" lautet daher einer von drei Wünschen für den eigenen Tod. Nicht nur an dieser Stelle bleibt einem das Lachen über knallig-derbe Pointen unweigerlich im Halse stecken.

Ohnehin halten sich Bewunderung und Entsetzen nahezu durchgängig die Waage mit befreiendem Lachen. Bei dem Exkurs über Fernseh-Kochsendungen darf sich das Vergnügen immerhin ungebremst austoben: "Wieso werden da immer traditionelle Geschmäcker bedient? Warum nicht mal mit Asbest?" Kaum besser kommt "Germany's Next Topmodel" davon, die populäre Castingshow im Reality-Format. Nicht zu vergessen ihren Appell am Ende: "Bitte seien Sie keine Faschisten!"

Unnahbarer Vamp, eiskalter Engel, Lisa Eckhart bleibt haften - im Hirn und merkwürdigerweise auch im Herzen. Als ob wir Besseres zu tun gehabt hätten an diesem Abend! Fazit: Lisa Eckhart und ihr aktuelles Programm "Die Vorteile des Lasters" werden bereits sehnsüchtig erwartet.

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