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Wenn die Musik erzählt
Der 'gute Freund'' Michael Steininger (links) mit Dirigent Alexander Weber.  Foto: Haller-Reif
30.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Margrit Haller-Reif

Forbach - "Es waren schwierige Zeiten im Jahre 1843", hob die klare Stimme aus dem Off an, "doch damals haben sechs junge Männer mich für sich entdeckt." Der Coup ist geglückt und die Überraschung den Besuchern der proppenvollen, schön dekorierten Forbacher Murghalle ins Gesicht geschrieben: "Die Musik" erzählt in Ich-Form aus ihrer ureigenen Perspektive von den Anfängen des Musikvereins Forbach.

Als personifizierte Chronistin berichtet sie von den historischen Eckpfeilern, die die Entwicklung des Vereins maßgeblich mitbestimmten. Die Gesamtkapelle stellte die zweite Hauptprotagonistin dar, seitlich flankiert von großen Fotos, im Bühnenhintergrund von wechselnden Videoinstallationen. Mit dynamischem Klangreichtum bebilderten 55 hochkonzentrierte Musiker die beiden von Beifall umbrandeten Jubiläumskonzerte zur 175-jährigen Vereinsgeschichte.

"Das große Tor von Kiew", eine Blasmusikadaption von Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung", öffnet sich weit im majestätisch-machtvollen Klang. Im zweiten Satz der Blasorchester-Suite "Tirol 1809" lenken die Trompeten das Ohr und innere Auge auf die Jahre des Umbruchs, den Tiroler Volksaufstand von 1809 und auf die Badische Revolution von 1848/49. Ausdrucksstarke Harmonik verleiht der Toccata und Fuge d-Moll von Bach sakrale Würde. Erfolgte doch am 18. Juli 1891 die Einweihung der katholischen Kirche Forbach, auch "Murgtaldom" genannt. Glockenhell, pointiert in den einzelnen Registern würdigt die Kapelle im Nachhinein diesen besonderen Anlass. Flirrend das hohe Blech, kraftvoll das tiefe, während die Pauke den Puls der Zeit markiert.

Als Beispiel für menschliche Hybris nannte "die Musik" den Untergang des Luxusliners "Titanic" im April 1912. Im MV-Soundtrack wird das dramatische Geschehen wieder lebendig. Die Trompeten trauern, atmosphärisch dicht werden Stimmung und Gefühle intoniert. Wer weiß besser als "die Musik" selbst, dass sie sich immer wieder neu zu erfinden vermag. Die Comedian Harmonists und ihr "kleiner grüner Kaktus" setzten da Zeichen, ebenso die Brecht/Weill'sche Moritat vom bissfreudigen "Haifisch". Michael Steininger glänzt in Vertretung von Max Raabe, auch als "guter Freund", beflügelt von einer kleinen MV-Besetzung. Die Gesamtkapelle verleiht anschließend der Filmmusik zu Steven Spielbergs Monumentalkino "Schindlers Liste" ein teils dramatisches Klanggewand. Doch aus dem berührenden, lyrisch-weichen Solo von Querflötistin Lea Fritz erwächst Hoffnung.

Die Renovierung der alten Forbacher Holzbrücke 1954 nach den Kriegswirren signalisierte Aufbruchstimmung. Ebenso der Erfolgstitel "Über sieben Brücken musst du gehn" der DDR-Rockgruppe Karat aus dem Jahr 1979, von Thomas Steininger am Solosaxofon strahlend warm untermauert. Die Apollo-Mission zum Mond wurde durch die Frank-Sinatra-Version "Fly Me to the Moon" zum Jazz-Evergreen. Auf Swing-Schwingen, dann im Big-Band-Sound flog die MV-Mannschaft mit, begleitet vom leichtfüßigen Trompeten- und Saxofon-Wind. "Girls" brachten frischen Wind in den Musikverein, was dem Klangkörper deutlich anzuhören ist.

In der "80er Kult(tour)" wird in fünf legendären Hits die Erinnerung an die Neue Deutsche Welle geweckt. Und spätestens bei Hubert Kahs "Sternenhimmel" zuckten rhythmisch die letzten Beine. Pulsierende Glücksgefühle beschwört "Joyful" herauf, nicht zuletzt, was die friedliche Revolution beim Fall der Mauer (1989) anging.

Dass die Musik 175 Jahre lang die Geschicke des MV Forbach bestimmte, wird mit der Klangpower von "Music was my first Love" zum eindrücklichen Bekenntnis: Musik ist nicht nur die erste MV-Liebe, sondern auch seine große.

Das gilt auch für die Stimme aus dem Off, die zu Dirigent Alexander Weber gehört, dem Ideengeber und persönlichen Kommentator der Welt- und Musikgeschichte. Sicher führte er seine Mannschaft durch alle Stürme des ebenso gehalt- wie anspruchsvollen Repertoires. Und sie haben bewiesen, dass mit ihrer Liebe zur Musik auch weiterhin zu rechnen ist. "Dazu braucht es Botschafter wie uns und Zuhörer wie Sie", bekräftigte Vorstandsmitglied Marlene Krech das Versprechen. Die Zusage des Publikums erfolgte mit Endlosbeifall und stehenden Ovationen.

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