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Gewaltiges Interesse an "Dorfladen"-Sitzung
Das Thema 'Dorfladen' treibt die Bürger in Reichental um nach der Schließung der letzten Bäckerei Ende 2017. Einige Interessierte müssen sogar stehen.  Foto: Gareus-Kugel
22.05.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach (vgk) - Begeistert über so viel Zuspruch aus der Bevölkerung zeigten sich die Ortschaftsräte und die Initiativgruppe "Dorfladen Reichental". Der Pfarrsaal von St. Mauritius platzte am Abend des Freitags aus allen Nähten. Nicht jeder, der gekommen war, um sich über das Projekt zu informieren, fand einen Sitzplatz.

Dass man ihn brauche, darüber herrsche Konsens im Ortschaftsrat, legte Ortsvorsteher Bernhard Wieland dar. Seitdem die Dorfbäckerei Ende 2017 die Pforten schloss, stehen den Einwohnern nur noch mobile Versorger zur Verfügung. Eine Situation, die nicht beherrschbar ist, finden Ortschaftsrat und Initiativgruppe. Fällt einer der Anbieter aus, gibt es in Reichental überhaupt keine Einkaufsmöglichkeit mehr. Für die Älteren spielt die Nahversorgung eine Rolle. Auch das Gesamtpaket, das Baugebiet Hardt IV und die Versorgung mit Lebensmitteln vor Ort, sei im Auge zu behalten, bekräftigte Gernsbachs Bürgermeister Julian Christ und sagte seine Unterstützung für das Projekt zu. Ebenso appellierte Christ an die Dorfbevölkerung, das Vorhaben aktiv zu unterstützen.

Doch wie hat es jetzt weiterzugehen? Denn die Einrichtung soll Kommunikationszentrum sein, mehr Lebensqualität in den Ort bringen, gut erreichbar sein und die Nahversorgung mit Lebensmitteln sichern. Mit Professor Volker Hahn, geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Nahversorgung-Services, holten sich die Reichentäler - wie schon die Mitbürger in Staufenberg - professionelle Hilfe mit ins Boot.

Heilgersdorf, eine oberfränkische 455-Seelen-Gemeinde, stand 2008 vor einer ähnlichen Situation wie Reichental, berichtete Hahn den interessierten Zuhörern. Dort werde seit einem Jahrzehnt ein von ihm initiierter Dorfladen erfolgreich betrieben. Auch heiße Dorfladen nicht gleich teuer, wie Vergleiche mit Preisen der größten vier Discounter ergeben hätten - und das, ohne die Benzinkosten für die Fahrt zum Supermarkt in die Kosten mit einzurechnen.

Die Gründung eines Dorfladens in Reichental würde die entstandene Versorgungslücke schließen, führte Mitinitiator und Ortschaftsrat Andreas Kozlevcar aus. Zudem würde der Ort zu einem Stück seine Selbstständigkeit zurückerhalten. Es werde mit der Einrichtung eines Ladengeschäfts ein Mittelpunkt und ein Kommunikationszentrum für Alt und Jung entstehen. Auch könne man damit einen Anreiz für Neubürger schaffen, sich in Reichental niederzulassen. Zudem könnte man Wanderern und Durchreisenden Angebote machen. Um einen monatlichen Umsatz von 25000 Euro zu generieren, müssten 66 Prozent der Reichentaler Haushalte 33 Prozent ihrer monatlichen Lebensmittelausgaben im Dorfladen tätigen. Das wären in der Woche 17 Euro pro Person.

Als Rechtsform für das Unternehmen wünscht sich die Initiativgruppe eine Unternehmergesellschaft (UG, Kleine oder Mini GmbH) mit stillen Beteiligten (Bürgerschaft). Unterkommen könnte das Geschäft im ehemaligen Sparkassengebäude. Das Institut habe seine Unterstützung schon zugesagt, führte Guido Wieland aus. Nach vorsichtiger Schätzung gehen die Initiatoren von einem benötigten Betrag von insgesamt 45000 Euro aus. Dabei hoffen sie auf Fördermittel in Höhe von 12000 Euro, aus dem Maßnahmenprogramm der Europäischen Union namens "Leader Plus". Die Ladeneinrichtung könnte mit 40 Prozent gefördert werden, erläuterte Guido Wieland.

180 Haushalte müssen 100 Euro geben

Verblieben 33000 Euro, die über Anteilsscheine finanziert werden müssten. Würden dann noch 15000 Euro aus dem Topf des Dorfjubiläums 2015 in Abzug gebracht, müssten nur noch 18000 Euro eingesammelt werden. Die Mindesteinlage würde 100 Euro betragen. Für Reichental würde das bedeuten, dass 180 von 330 Haushalten 100 Euro geben müssten.

Mehr erfahren wollen die Initiatoren über einen vierseitigen anonymisierten Fragebogen. Dieser wurde am Samstag an alle Haushalte des Gernsbacher Teilorts verteilt und sollte bis zum 8. Juni ausgefüllt sein. Seit Dienstag sind die Fragen auch online auf der Homepage der Stadt Gernsbach zu beantworten. Um die Auswertung kümmert sich das Institut Solution Excellence. Die Zeit drängt, denn bis zum 1. Juli müssen Förderanträge bei "Leader" eingereicht sein. "Wenn es optimal läuft, können wir unseren Dorfladen noch in diesem Jahr eröffnen", zeigt sich Guido Wieland zuversichtlich.

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