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Nebulöser Alltag
Nebulöser Alltag
23.05.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach (stj) - Wegen systematischen Schwarzfahrens und Betrugs in insgesamt mehr als 30 Fällen musste sich gestern eine Frau aus Gernsbach vor dem Amtsgericht verantworten. Die vorbestrafte und mehrfach unter Bewährung stehende 49-Jährige wurde zu einer achtmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. "Sie lassen sich gehen, das kann die Gesellschaft nicht hinnehmen", betonte Richter Ekkhart Koch bei seiner Urteilsbegründung.

Zuvor hatte der Vertreter der Staatsanwaltschaft Baden-Baden eine Menge zu tun, als er zu Beginn der Verhandlung die vier Anklageschriften verlas. Über das Jahr 2017 hinweg war die Gernsbacherin viermal in der Stadtbahn (jeweils zweimal in der S 8 und der S 81) ohne gültigen Fahrschein erwischt worden sowie sage und schreibe 28 mal in Zügen der Deutschen Bahn. Darin hat sie meist Ziele im Norden Deutschlands angesteuert, wo sie zwischenzeitlich gearbeitet hat und mit einem Mann liiert war.

Ebenfalls angeklagt war gestern ein Restaurantbesuch in Gernsbach, den die Dame mit EC-Karte bezahlen wollte. Doch für die Rechnung von 23 Euro war ihr Konto nicht gedeckt. Die Ankündigung, kurz beim nächsten Bankautomaten Geld zu ziehen und zum Zahlen zurückzukommen, blieb ohne Erfüllung.

Pflichtverteidiger Mathias Albrecht ging auf die schwierigen und teils tragischen Lebensumstände der 49-Jährigen ein. Ihr inzwischen verstorbener Exmann habe sie jahrelang drangsaliert. "Sie hat in Angst gelebt" und leide nach wie vor unter einer ärztlich attestierten posttraumatischen Belastungsstörung. Bei seiner Mandantin sei ein Selbstwertmangel und ein gewisses Maß an Naivität festzustellen, weshalb sie "ein klassischer Fall für eine Betreuung" sei. Sie lebe einen "nebulösen Alltag, der geordnet werden muss", sagte Albrecht über seine Mandantin. Das könne die Bewährungshilfe alleine nicht leisten. Deshalb hoffte der Rechtsanwalt auf ein mildes Urteil - auch um ihren aktuellen Arbeitsplatz nicht zu gefährden, den sie erst seit ein paar Wochen habe.

Strafvollzug als Chance

Die Staatsanwaltschaft verwies darauf, dass die Bewährungshilfe die Situation bei der Angeklagten als schwierig bezeichne, auch weil sie sich nicht helfen lasse. Zwar habe sie die Vorwürfe gegen sie eingeräumt, aber es handele sich in der Summe doch um "erhebliche Taten", die eine weitere Bewährung nicht rechtfertigten. Deshalb forderte die Anklage acht Monate Gefängnis. "Ich sehe den Strafvollzug für Sie auch als eine Chance", begründete der Vertreter der Staatsanwaltschaft in Richtung Anklagebank.

Ekkhart Koch folgte in seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. "So kann man sich nicht durchs Leben manövrieren", betonte der Amtsgerichtsdirektor. Die Gesellschaft könne ein solches Verhalten nicht dulden, sonst herrsche Anarchie.

Zumal es für die 49-Jährige noch schlimmer kommen könnte: Vor dem Amtsgericht Niebüll (Schleswig-Holstein) ist ein weiteres Verfahren gegen sie anhängig. Auch dabei geht es um Betrug. Die seit einem Gefängnisaufenthalt im Jahr 2015 (ebenfalls wegen Leistungserschleichung und Betrug) unter Bewährung stehende Frau soll dort mehrere Pensionen und Hotels, in denen sie genächtigt hat, geprellt und zudem eine Kosmetikbehandlung nicht bezahlt haben.

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