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Liebe auf den zweiten Blick lässt neue Patchwork-Familie entstehen
Rosemarie Siwik hat sich in symbolistischer Form der Wutachschlucht angenommen und zeigt mehr als Eisvögel und Riesenblätter.  Foto: pr
23.05.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach (wof) - Eine ungewöhnliche Ausstellung sorgt jetzt bis Ende Oktober für eine zusätzliche Attraktion in der Altstadt. Die Quilt- und Patchwork-Gruppe Baden-Baden zeigt im Kreuzgewölbekeller des Alten Rathauses 15 textile Bilder zum Thema "Schwarzwald". Am Freitagabend fand die gut besuchte Vernissage statt.

Die Initiative für die Werkschau ging von Sara Iselin aus, die gemeinsam mit ihrem Mann Rainer das Weingut Iselin im Alten Rathaus führt. Als die gebürtige Amerikanerin vor zwei Jahren erstmals in Kontakt mit der Baden-Badener Künstlergruppe kam, schlug sie spontan eine Ausstellung im Gewölbekeller vor, denn das Quilten besitzt in den USA einen hohen Stellenwert. Die erste Reaktion war skeptisch bis ablehnend, wie die Textilkünstlerin Gabi Julia Weimer bei der Vernissage einräumte: Der große Raum zu dunkel, die Hängungsverhältnisse zu schwierig, lautete die Einschätzung zunächst. Doch dann wurde es Liebe auf den zweiten Blick und es entstand eine Art Patchwork-Familie.

Die leuchtenden Farben der aus unzähligen Stoffteilen zusammengesetzten Bilder kommen in dem historischen Gewölbe auf ganz eigene Art zur Geltung. Auch für die Hängung fand man gute Lösungen mit Lattungen an den Weinregalen und zwei Staffeleien.

Alle Werke sind für diese Ausstellung geschaffen worden. Zum Thema "Schwarzwald" regten die Kuckucksuhren an, die an einer Kellerseite hängen. Auch hier gab es zunächst Skepsis unter den vier beteiligten Künstlerinnen, erzählte Andreas Weimer, der in die Ausstellung einführte: Wird das nicht "zu kitschig und heimattriefend?", wurde kritisch eingewandt. Doch der Schwarzwald hat Konjunktur, wie nicht nur die steigenden Tourismuszahlen, sondern auch verschiedene größere Ausstellungen in Karlsruhe oder Freiburg zeigen, die sich dem Mittelgebirge in den letzten Jahren auf neue und erfrischende Weise näherten.

Dies beweisen jetzt auch die Textilbilder im Alten Rathaus. Bekannte Versatzstücke und Attribute wie Hirsch und Ravennaschlucht, Bollenhut und Tannengrün, Kuckucksuhr und Höllental tauchen als Motive auf, doch statt romantisierend-verflachter Darstellungen einstiger Fremdenverkehrswerbung sind es ironisch gebrochene, figurativ aufgelöste oder stark abstrahierte Arbeiten, die mit den Erwartungen des Betrachters spielen, das Denken in eine andere Richtung lenken und so dazu beitragen, die Reize des Schwarzwalds wieder entdecken zu lernen.

Von Gabi Julia Weimer stammt "Kuckuck auf Brautschau". Der Vogel hat in dieser Patchwork-Arbeit die Uhr verlassen, sitzt auf einem kleinen Ast und bezirzt seine Angebetete. "Damit der Kuckuck nicht ausstirbt", lautete ihr trockener Kommentar. Ihr großformatiges Werk "Drei Grazien" besteht aus lauter blau-grünen Dreiecken, aus denen drei rote herausstechen. Was zunächst an einen Nadelwald erinnert, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Wiedergabe dreier Bollenhut-Trägerinnen.

Rosemarie Siwik hat sich in symbolistischer Form der Wutachschlucht angenommen. Zwischen applizierten Riesenblättern und Eisvögeln treffen in der gepatchten Mitte die Sonnenstrahlen auf den Fluss. Ihre Bollenhutfrau ist auf das Wesentliche reduziert. Unter der Hutkrempe bleibt das Gesicht weiß bis auf die roten Lippen. Um den Hals hängt ein silbernes Herzmedaillon.

Auch Sabrina Wied-Schwertfeger hat sich mit dem Bollenhut auseinander gesetzt. Ihr in einem Bilderrahmen gefasster Hut ist komplett plastisch als dreidimensionale Kopfbedeckung gestaltet, bunte Perlenbänder hängen aus dem Bild heraus. Monika Litsch wiederum hat in einer "Crazy" genannten Verschneidetechnik Stoffquadrate in Rot-, Braun- und Grüntönen zunächst durchgeschnitten und dann neu in einem Quilt zusammengesetzt. Ergebnis ist das abstrakte Textilbild "Durch Feld und Wald", das von seinen Farbimpressionen lebt.

Die Bilderschau ist als "atmende Ausstellung" konzipiert. Im Laufe der Zeit sollen Werke noch ergänzt oder auch ausgetauscht werden. Zu sehen sind die Arbeiten täglich zu den regulären Öffnungszeiten des Weinguts: Montag bis Samstag von 9.30 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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