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Folgenschwere Spazierfahrt
Folgenschwere Spazierfahrt
30.05.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach/Forbach (stj) - Diese Fahrt werden die drei Beteiligten wohl ihr Leben lang nicht vergessen: Am 31. Mai 2017 begab sich ein heute 22-Jähriger mit seinem "Liebhaberfahrzeug" - einem tiefer gelegten VW Golf II 1,8 GTI Turbo - auf eine "Spazierfahrt" über die Schwarzwaldhochstraße; auf der L 83 zwischen Herrenwies und Schwarzenbach ereignete sich ein folgenschwerer Unfall, als der junge Mann zu schnell in eine Rechtskurve fuhr und frontal mit einem Golf 6 mit zwei Insassen zusammenstieß. Gestern musste sich der aus dem Raum Freudenstadt kommende Unfallverursacher vor dem Amtsgericht Gernsbach verantworten.

50 Tagessätze zu je 35 Euro und eine Führerscheinsperre von weiteren drei Monaten lautete das Urteil von Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch. Verglichen mit den Folgeschäden des Unfalls ist dies eine Kleinigkeit. Mit zahlreichen Knochenbrüchen in nahezu allen Bereichen des Körpers sowie massiven Verletzungen im Gesicht und einer Lungenquetschung wurde der damals 21-Jährige in Lebensgefahr mit dem Hubschrauber in eine Klinik geflogen. Ein Jahr später stehen ihm mindestens noch drei weitere Operationen am Oberkiefer bevor, die von der Krankenkasse nicht bezahlt werden. Am Fuß hat er nach wie vor Beschwerden, Sport treiben sei ihm vom Orthopäden bis auf weiteres untersagt.

Auch der ebenfalls schwerst verletzte Fahrer des entgegenkommenden Fahrzeugs leidet bis heute unter den Folgen des Frontalzusammenstoßes - vor allem in seinem Handwerkerberuf. Der Aufprall hatte bei ihm eine vierfach offene Fraktur des rechten Beins zur Folge; ohne Airbag wäre es wohl noch viel schlimmer ausgegangen. Seine Lebensgefährtin auf dem Beifahrersitz wurde leicht verletzt. Während sie nach vier Wochen wieder ihrer Arbeit nachgehen konnte, war ihr Freund rund sechs Monate arbeitsunfähig.

Gutachter: Eindeutig zu schnell in die Kurve

Am Unfallhergang bestand nach der Beweisaufnahme im Gericht kein Zweifel. Ein Sachverständiger der Dekra-Niederlassung Karlsruhe betonte, dass der GTI "deutlich zu schnell in die Kurve eingefahren ist" und belegte dies mit entsprechenden Bildern und Daten. Zudem verwies er darauf, dass man aufgrund der vorherigen Kurven auf der Strecke, die ähnlich sind, "hätte gewarnt sein müssen". Wäre der Golf GTI nicht mit einem sogenannten Überrollkäfig ausgerüstet worden, hätte der Fahrer den Unfall wohl nicht überlebt, mutmaßte der Experte.

Einzig bei der Frage, ob der Angeklagte fahrlässig oder grob fahrlässig gehandelt habe, herrschte Uneinigkeit zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Während Erstere "Rücksichtslosig- und Gleichgültigkeit" erkannte, mit der der damals 21-Jährige seinen Golf in die unübersichtliche Kurve gesteuert habe, betonte der Rechtsanwalt auf der anderen Seite, dass es sich lediglich um eine "Fehleinschätzung, ein Augenblicksversagen" gehandelt habe. Von daher könne man nicht von rücksichtsloser Fahrweise sprechen. Der Angeklagte selbst betonte, die Rechtskurve komplett unterschätzt zu haben. Ansonsten sei er "ganz normal durch die Schwarzwaldhochstraße gefahren" und habe sich stets an die Geschwindigkeitsbegrenzungen gehalten.

Dem widersprach ein Zeuge, der dort an jenem Tag mit dem Motorrad unterwegs war und dem der "aufgemotzte GTI" mehrfach aufgefallen sei: "Man hat schon gesehen, dass der die eine oder andere Kurve geschnitten hat." Die beiden Geschädigten, die damals um kurz nach 20 Uhr zum Angeln wollten, konnten nur aussagen, dass sie mit etwa 50 km/h durch die Kurve sind, als ihnen plötzlich ein Fahrzeug auf ihrer Spur entgegenkam. Der Fahrer habe noch instinktiv versucht, auszuweichen - ohne Erfolg.

Richter Koch ging schließlich in seinem Urteil von einer "sportlichen und riskanten Fahrweise" des jungen Mannes aus und erkannte ein "grob fahrlässiges Verhalten im Straßenverkehr". Zudem ergebe sich ein rundes Bild: das aufgemotzte Fahrzeug, ein junger Fahrer, die Schwarzwaldhochstraße ...

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