http://www.initiative-wertvolle-zukunft.org/wvz2016/erbschaft/
Statt Luftschlösser zu planen, "wird der Keller aufgeräumt"
Katrin Buhrke stammt aus Forbach. Seit Juni 2014 ist sie dort Chefin im Rathaus. Foto: Reinhold Bauer
01.06.2018 - 00:00 Uhr
Forbach - Genau vier Jahre sind es her, dass Katrin Buhrke am 1. Juni 2014 in ihr Amt als Bürgermeisterin von Forbach eingeführt wurde. Zuvor hatte die parteilose Rechtsanwältin bei der Bürgermeisterwahl mit 37 Jahren Kuno Kußmann (60, CDU) aus dem Amt gefegt. Halbzeit also für Katrin Buhrke - und Zeit für eine Zwischenbilanz. Diese zieht sie im Interview mit BT-Redakteur Thomas Senger. Ob sie 2022 zur Wiederwahl antritt - diese Frage lässt sie dabei offen.

BT: Frau Buhrke, "Wir können es besser" war ihr griffiger Slogan im Wahlkampf 2014. Was können die Forbacher mittlerweile besser?

Katrin Buhrke: Die zwei wichtigen Begriffe in diesem Satz möchte ich herausgreifen. "Besser" ist der eine. Der andere aber ist "Wir". Es sind viele Partner notwendig, um die Entwicklung einer Kommune positiv zu beeinflussen. Hier sehe ich Forbach im Zusammenspiel zwischen Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft, aber auch zwischen den Vereinen und den Ortsteilen untereinander auf einem guten Weg.

BT: Nennen Sie uns ein Beispiel für "Wir"?

Buhrke: Ein aktuelles Beispiel ist die neue Arbeitsgruppe Ortstafeln, die mit Vertretern aus allen Ortschaftsräten, aus Gemeinderat und Bürgerschaft gemeinsam an der Außendarstellung der Gemeinde arbeitet.

"Besser" ist für mich nicht nur eine Frage des Erreichten, sondern vor allem auch der Art, wie man sich seinen Aufgaben stellt. Für die Entwicklung einer Kommune braucht es sowohl eine Perspektive als auch eine solide Basis. Es bringt nichts, Luftschlösser zu planen, wenn dabei an anderer Stelle ein massiver Sanierungsstau entsteht. Dieser Herausforderung hat Forbach sich in den letzten Jahren gestellt.

BT: Wie?

Buhrke: Gemeinsam mit dem Gemeinderat wurden Leitziele und Handlungsfelder für die Gemeindeentwicklung erarbeitet, die sich, wie beispielsweise die Breitbandversorgung, bereits in der Umsetzung befinden. Gleichzeitig sind wir dabei, sozusagen den Keller aufzuräumen und mit der Sanierung von Trinkwasser- und Abwasserversorgung, von Brücken und kommunalen Einrichtungen eine solide Grundlage zu schaffen. Dieser Spagat ist nicht einfach, aber auf diese Entwicklung können wir zurecht stolz sein.

BT: Hatten Sie erwartet, dass der Sanierungsstau so groß war?

Buhrke: Nein. Zwar konnte ich vor meinem Amtsantritt, wie ein jeder, der mit offenen Augen durch die Gemeinde geht, natürlich sehen, dass es an manchen Stellen bröckelt, gerade wenn es um die großen kommunalen Liegenschaften und Straßen geht. Was jedoch im Untergrund schlummert, um es auch auf unsere Leitungsnetze zuzuspitzen, wie es um die Brückenbauwerke bestellt ist, um nur zwei Beispiele zu nennen, das weiß man erst, wenn Untersuchungen in Auftrag gegeben werden und genau hingesehen wird.

Interview

BT: Nicht jeder in Bevölkerung und Gemeinderat fühlte sich von ihnen "mitgenommen". Würden Sie heute als Neuling anders agieren?

Buhrke: Der zwischenzeitlich inflationär genutzte Begriff des "Mitnehmens" geht von einer Passivität aus und hat nach meinem Dafürhalten mit einem "Wir" nichts gemein. Eines passiven "Mitnehmens" könnte es nur bedürfen, wenn die Motivation, das Leben in unserer Gemeinde zu verbessern, die bestehenden Probleme und damit verbundenen Herausforderungen anzunehmen und lösen zu wollen, nicht vorhanden wäre. Und davon gehe ich ganz sicher nicht aus.

Wir haben in den letzten Jahren nicht nur die zahlreichen Problemfelder erkannt und namhaft gemacht, wir haben für die nächsten Jahre konkrete Pläne zum Abbau erarbeitet und verabschiedet beziehungsweise in vielen Bereichen befinden wir uns bereits in der Umsetzung. Daneben hat der Gemeinderat im Rahmen des gemeinsam geführten Leitbildprozesses zukünftige Ziele zur Entwicklung unserer Gemeinde gesteckt und Handlungsfelder für die nächsten Jahre erarbeitet. Gerade die in vielen Bereichen kontrovers und engagiert geführten Diskussionen, an deren Ende ein Ergebnis stand, zeigen das gemeinsame Anpacken, bei dem es keiner "Mitnahme" bedurfte.

BT: Dann will ich es anders formulieren: Konnten Sie die Vorbehalte entkräften, die Ihnen aus Reihen der Anhänger Ihres Amtsvorgängers entgegengebracht wurden?

Buhrke: Sicherlich nicht bei allen.

"Gemeinsame Ziele für mich im Vordergrund"

BT: Woran mag das liegen?

Buhrke: So verschiedentlich Vorbehalte sein können, so verschiedentlich können sich Gründe darstellen, warum solche bestanden oder fortbestehen. Man wird schlechterdings nie jeder Vorstellung oder jeder Meinung gerecht werden können. Die Orientierung an der gemeinsamen Sache und die Erreichung der gemeinsamen Ziele für unsere Gemeinde steht für mich jedenfalls im Vordergrund.

BT: Ein gemeinsames Ziel wären: Neue Arbeitsplätze.

Buhrke: Im Rahmen des Leitbildprozesses wurde unter anderem das Ziel der Schaffung neuer Arbeits-und Ausbildungsplätze formuliert. Verbunden mit diesem Ziel ist sicherlich auch die Frage nach Gewerbeflächen, die die Gemeinde zur Verfügung stellen könnte. Ein Gebiet möchte ich diesbezüglich an dieser Stelle herausgreifen: Wolfsheck.

BT: Gerne. Wird die Gemeinde die Industriebrache dem Eigentümer abkaufen?

Buhrke: Hier haben wir gemeinsam mit dem Arbeitskreis Wolfsheck, bestehend aus jeweils einem Mitglied der Fraktionen und Margrit Haller-Reif (Grüne), ausgehend vom ursprünglichen Angebot des Eigentümers die nach unserer Auffassung für eine Entscheidung notwendigen Daten erhoben. Um die zu treffende Entscheidung vorzubereiten, wurden Kosten ermittelt, Fördermöglichkeiten geprüft und Gespräche mit dem Eigentümer bezüglich alternativer Angebote geführt. Die gemeinsame Arbeit in diesem Arbeitskreis darf ich als sehr sachorientiert und konstruktiv bezeichnen. Einer Entscheidung dieser Größenordnung muss nach unserer Auffassung, wenn sich hieraus auch längere "Wartezeiten" ergeben, eine genaue Analyse der Kosten vorangestellt werden. Persönlich sehe ich diese Vorbereitungen in der Endphase, so dass ich eine möglichst zeitnahe Entscheidung begrüßen würde.

BT: Wann wird über das Verkaufsangebot im Gemeinderat abgestimmt?

Buhrke: Wir haben uns gemeinsam entschieden, eine Arbeitsgruppe zu installieren, die die Entscheidung des Gremiums im zuvor beschriebenen Sinne vorbereitet. Ein weiterer Termin ist mit dem Arbeitskreis bereits festgelegt. Die gemeinsame Arbeit soll am Ende auch in der gemeinsamen Entscheidung des Arbeitskreises bezüglich des Abschlusses der Vorarbeit münden. Wie gesagt, sehe ich persönlich die Vorbereitungen in der Endphase und damit die Möglichkeit einer zeitnahen Entscheidung, möglichst vor Ende des dritten Quartals.

Kein besonderer Drang zur Selbstdarstellung

BT: Ein weiteres gemeinsames Ziel wäre: Die Gemeinde nutzt ihr Potenzial als Ausflugs- und Tourismusziel.

Buhrke: Forbach bietet eine einzigartige Landschaft. Gerade im Outdoor-Bereich halten wir für die unterschiedlichsten Interessen ein sehr attraktives Angebot vor, welches wir beispielsweise durch eine Mountainbikestrecke erweitern wollen. Wir haben im letzten Jahr den Zusammenschluss zwischen dem "Tal der Murg" und Baiersbronn vorgenommen, auch haben wir uns dem Verein "Nationalparkregion Schwarzwald" angeschlossen. In diesem Jahr soll die neue Homepage der Gemeinde entwickelt und erstellt werden. In Sachen Bewerbung der Gemeinde sowie Außendarstellung haben wir bereits einiges verändert und angestoßen.

Eine Wertschöpfung kann die Gemeinde Forbach jedoch nur ziehen, soweit private Anbieter und Leistungsträger Angebote in der Gemeinde weiter vorhalten und neu schaffen. Vor diesem Hintergrund habe ich beispielsweise vorgeschlagen, das Gelände neben dem geplanten Infohaus des Nationalparkes in Herrenwies zu überplanen, um möglichen Investoren die Möglichkeiten einer Entwicklung aufzuzeigen.

BT: Was planen Sie dort?

Buhrke: Wir könnten uns eine Art Marktscheune oder eine gastronomische Nutzung zur Ergänzung des vorhandenen Angebotes sehr gut vorstellen. Hier gehen wir in Vorlage, um die Idee bei möglichen Investoren bewerben zu können.

BT: Man hat zuweilen den Eindruck, dass Sie wie Forbach sich nicht unbedingt danach drängen, außerhalb der Gemeinde wahrgenommen zu werden. Warum ist das so?

Buhrke: Rückblickend waren wir in den letzten vier Jahren mit vielen, für die Gemeinde Forbach gewichtigen, Sachthemen in der Presse vertreten. Ein darüber hinausgehender, besonderer Drang zur Darstellung meiner Person entspricht nicht meinem Naturell.

BT: Mit dem Wissen von heute: Würden Sie nochmal 2014 Bürgermeisterin von Forbach werden wollen?

Buhrke: Ja.

BT: Haben Sie vor, in vier Jahren zur Wiederwahl zu kandidieren?

Buhrke: Meine Lebensplanung, selbst im privaten Bereich, mache ich nicht vier Jahre im Vorgriff. Ich freue mich auf die weitere Entwicklung unserer Gemeinde und werde über meine Entscheidung zu gegebener Zeit gerne Auskunft erteilen.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Bad Dürrheim
--mediatextglobal-- Kopf-an-Kopf-Rennen im Abstiegskampf: Kuppenheims Dominik Stanic (links) und Bad Dürrheims Nico Tadic im Duell um den Ball. Foto: Morat

28.05.2018
SV 08 holt Punkt in Bad Dürrheim
Bad Dürrheim (red) - Fußball-Verbandsligist SV 08 Kuppenheim ist mit einem Teilerfolg vom Abstiegskracher aus Bad Dürrheim zurückgekehrt. Die Elf von Trainer Matthias Frieböse kam zu einem 3:3 gegen den heimischen FC und steckt weiterhin im Abstiegskampf (Foto: Morat). »-Mehr
Karlruhe
--mediatextglobal-- Während die Auer Spieler auf der Leinwand den Klassenverbleib feiern, verlassen enttäuschte KSC-Anhänger die Haupttribüne des Wildparkstadions.  Foto: Borscheid

23.05.2018
Keine Tränen beim Public Viewing
Karlruhe (bor) - Die Enttäuschung nach dem verpassten Zweitliga-Aufstieg war groß bei den Fans des KSC-Fans im Wildparkstadion, Tränen der Trauer suchte man dennoch vergebens beim Public Viewing. Stattdessen verließen viele Anhänger noch vor dem Abpfiff das Stadion (Foto: bor). »-Mehr
Loffenau
--mediatextglobal-- Erfolgreich: Bezirksvorsitzender Dieter Klein (links) überreicht TSV-Kapitän Tobias Großmann den Pokal. Foto: F. Vetter

22.05.2018
TSV Loffenau holt Bezirkspokal
Loffenau (rap) - Der TSV Loffenau hat nach einem packenden Pokalkrimi den Bezirkspokal gewonnen. Im Duell gegen den Bezirksligameister FV Würmersheim setzte sich der TSV mit 4:2 nach Verlängerung durch. Tobias Skubatz avancierte zum Matchwinner (Foto: F. Vetter). »-Mehr
Willstätt
RSC/DJK nach 2:1 in Willstätt vor Rettung

11.05.2018
Rastatter SC/DJK dicht vor Rettung
Willstätt (red) - Der Rastatter SC/DJK hat sein Nachholspiel beim VfR Willstätt mit 2:1 gewonnen und kann fast schon für eine weitere Landesligasaison planen. In der Bezirksliga eroberte der FV Würmersheim mit einem 2:1-Sieg beim SV 08 Kuppenheim II die Tabellenspitze zurück (Foto: fuv/av). »-Mehr
Sinzheim
--mediatextglobal-- Jubelschreie, Siegerfäuste und der Meisterpokal: Die Phönix-Handballer freuen sich über den Gewinn der Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstieg.  Foto: toto

08.05.2018
Phönix machen Aufstieg klar
Sinzheim (red) - Die Feuervögel haben es gepackt: Mit dem ungefährdeten 33:21-Erfolg gegen den bereits abgestiegenen TVS Baden-Baden III hat Phönix Sinzheim sein Meisterstück in der Bezirksklasse perfekt gemacht und schwebt in der neuen Runde in der Landesliga (Foto: toto). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Der Online-Handel mit Lebensmitteln stagniert. Die Deutschen bleiben bei diesen Produkten stationären Geschäften treu. Das hat eine Studie ergeben. Kaufen Sie online Lebensmittel?

Ja, regelmäßig
Selten.
Ich möchte es ausprobieren.
Nie.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz