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Wenn eine Fachkraft sich zur Fachkraft weiterbilden muss
Heilerziehungspflegerin Olga Schier mit Heimbewohnerin Maria Huck. Foto: refra
02.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Regina Frammelsberger

Gaggenau - Einerseits ist der Personalmangel in der Pflegebranche eklatant, andererseits können sich gut gemeinte gesetzliche Regelungen als kontraproduktiv erweisen. Diese Erfahrung hat Olga Schier (31) gemacht. Die Heilerziehungsfachkraft war im Haus Franziskus beschäftigt, doch durch die neue Personalverordnung des Landes drohte ihr das berufliche Aus: Sie hätte nicht weiter als Pflegefachkraft arbeiten können.

Im BT-Gespräch berichtete die Betroffene mit ihrem Vorgesetzten, Direktor Thomas Grajer, über die Verordnung und welche Folgen diese in ihrem Fall hatte.

Neue Gesetze und Verordnungen sollen einerseits die angemessene Betreuung und Versorgung der Pflegebedürftigen gewährleisten, andererseits werde die Situation der Pflegekräfte oft außer Acht gelassen, macht Olga Schier deutlich. 2011 wurde sie im "Haus Franziskus" als Heilerziehungsfachkraft angestellt - und leistete seitdem wertvolle Arbeit im Bereich der Altenpflege, wie Heimleiter Thomas Grajer versichert.

Der Arbeitsplatz im Kursana-Domizil gefiel ihr gut, so dass sie bald eine berufsbegleitende Weiterbildung zur Leitung einer Funktions- und Pflegeeinheit absolvierte.

Aber noch bevor diese beendet war, drohte ihr plötzlich die Kündigung. Denn laut der Landespersonalverordnung, die zum Februar 2016 in Kraft trat, werde die Ausbildung von Heilerziehungspflegern im Bereich der Altenpflege nicht mehr anerkannt. Um ihren Beruf weiter ausüben zu können, hätte Olga Schier die dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin nachholen müssen.

Ansonsten drohte ihr die Entlassung - um in einer Behinderteneinrichtung neu zu starten - oder sie hätte nur noch als Hilfskraft in der Altenpflege weiterarbeiten können. Für sie und Grajer waren das allesamt "absurde Vorstellungen".

"Der Sinn dieser Verordnung erschließt sich mir nicht", so Grajer. Einerseits gebe es im Pflegebereich einen dringenden Notstand und Bedarf an Fachkräften. Andererseits würden den engagierten Beschäftigten Steine in den Weg gelegt. Sowohl er als auch die Ausbilder der Weiterbildungsschule versuchten daraufhin, eine Sondergenehmigung für die Heilerziehungspflegerin zu beantragen, um Olga Schier weiterhin als Fachkraft halten zu können.

Hintergrund

Doch das Regierungspräsidium habe nur ein begrenztes "Okay" gegeben - nämlich ausschließlich für den laufenden Vertrag mit dem "Haus Franziskus". Für eine junge Frau wie Olga Schier war das keine Option für eine sichere Zukunft. In dieser Zeit kam ihr oft der Gedanke, eine völlig andere Ausbildung zu starten, erinnert sie sich. Doch ihr Chef, Thomas Grajer, habe sie ermutigt, sich "von keinem Gesetz erschrecken (zu) lassen". Gemeinsam setzten sie durch, dass Schiers Zusatzausbildung auf ein Jahr reduziert wurde, wobei die Forderung nach drei Außeneinsatz-Praktika bestehen blieb. Die normalen Schulungen fanden berufsbegleitend im Kursana-Domizil statt. Konkret bedeutete dies: Zweimal pro Woche Schule statt Anwesenheit im Heim.

Also eine Mehrbelastung für Kollegen und Arbeitgeber. Letztlich freuen sich Olga Schier und Thomas Grajer, dass sie ohne finanzielle Einschränkungen weiterhin als anerkannte Pflegefachkraft beschäftigt wird. Doch bei allen Veränderungen dürften gerade in sozialen Einrichtungen die Bedürfnisse der Mitarbeiter nicht vergessen werden. Grajer: Nur "wenn der Mitarbeiter gut gepflegt wird, kann er auch den Bewohner gut pflegen".

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