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Resoluter Witwe Magenreuter droht Gefängnis
Die Grünhütte im Februar 2016: Die Erdarbeiten für den Neubau haben begonnen. Foto: Zapf
04.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Friedbert Zapf

Gernsbach/Bad Wildbad - In einer Bauzeit von über drei Jahren wurde die beliebte Waldgaststätte Grünhütte umgebaut und durch ein modernes Gebäude erweitert. Die Baumaßnahmen sind nun abgeschlossen, die offizielle Einweihung erfolgt am 7. Juni. Für das BT ein Grund, die Geschichte der Grünhütte in vier Folgen zu erzählen.

Keimzelle der heutigen Waldgaststätte war ein 1739 erbautes Hirtenhaus. Dort hauste ein Hirte, der die Viehherde der Wildbader Bürgerschaft hütete. Um 1760 hieß der Hirte Johann Michael Mössinger. Sein Sohn verließ bald die Grünhütte und wurde Soldat. Tochter Maria Franziska heiratete den zugewanderten Tiroler Simon Magenreuter, ihre Schwester Ursula einen Joseph Mutterer aus Todtmoos.

Historisches

Die beiden Einwanderer errichteten zwei schindelgedeckte Häuschen; zusammen mit dem alten Hirtenhaus und dem Stall gab es nunmehr vier Gebäude in Grünhütte. Magenreuter und Mutterer arbeiteten als Holzhauer bei der 1755 gegründeten Calwer Holländer Holzkompagnie, und der Export starker Tannen nach Holland hatte gerade seinen Höhepunkt erreicht - so wie wir es aus Wilhelm Haufs Märchen "Das kalte Herz" kennen.

Jahre zogen ins Land. 1786 starb Simon Magenreuter im Alter von 66 Jahren. Er hatte viele Jahre lang die Wildbader Herde gehütet. Die Witwe Maria Franziska bewarb sich nun selbst um das Hirtenamt, damit sie mit ihren sechs Kindern auf der Grünhütte bleiben konnte. Doch im Städtchen Wildbad wurden Intrigen gesponnen, und der "Tirolerin", so nannte man die Witwe, wurde vom Magistrat ein gewisser Jakob Dorn als Hirte vorgezogen. Sie war wie vor den Kopf gestoßen. Der Wildbader Förster ergriff Partei für die Witwe und diskreditierte Dorn. Der sei "zu träg, dass er lauft", er ließe das Vieh in gesperrte Forstkulturen ziehen und gebe "Wilderern und anderen dergleichen liederlichen Leuten Aufenthalt".

Als Jakob Dorn dann Anfang Mai 1788 die Wildbader Herde hinauf auf die Sommerweide trieb, überzog ihn die Witwe Magenreuter mit wüsten Beschimpfungen und wurde sogar handgreiflich - was Konsequenzen hatte: Am 14. Juni 1788 wurde das Oberamt angewiesen, "die Magenreuterin wegen dieser ausgeübten Injurien vier Tag lang bei Wasser und Brod einsperren zu lassen". Die Gefängnisstrafe indes blieb Maria Franziska Magenreuter erspart, weil das Forstamt sich für sie einsetzte.

Inzwischen war auch Joseph Mutterer, der Mann ihrer Schwester Ursula, gestorben. Die armseligen Häuschen der beiden Witwen waren mittlerweile am Zusammenbrechen, und als die "Tirolerin" 1793 beinahe von einstürzenden Teilen erschlagen worden wäre, war auch das Oberforstamt Neuenbürg mit einer Sanierung einverstanden.

Nicht jedoch der Wildbader Magistrat, der immer noch den Vollzug der verhängten Gefängnisstrafe forderte. Doch die beiden resoluten Witwen setzten sich durch und durften auf der Grünhütte bleiben. Und der Wildbader Magistrat musste seinen "Wunschhirten" Jakob Dorn durch den Wildbader Flößersohn Samuel Christoph Schmid ersetzen - eine klammheimliche Freude für die beiden Witwen, die mit dem neuen Hirten ein besonders herzliches Verhältnis gepflegt haben sollen.

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