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Der "Grado superior" führt einen jungen Spanier ins Murgtal
Falk Hartmann (von links), Antonio Timoneri, Pedro Castellanos, Tobias Keller und Andreas Haitzler. Foto: Gareus-Kugel
08.06.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach/Gaggenau (vgk) - "Mahlzeit" geht Pedro Castellanos schon ganz gut von den Lippen. Und "Danke" war sowieso das erste Wort, das er in Deutsch gelernt habe. Seit gut zwei Monaten arbeitet der junge Spanier im Autohaus Haitzler in Gernsbach. Die Carl-Benz-Schule in Gaggenau unterhält im Rahmen des europäischen "Erasmus plus"-Programms seit rund sechs Jahren eine Kooperation mit einer großen Berufsschule in Madrid. Dort befindet sich der 18-Jährige aktuell in der Ausbildung, im "grado superior", quasi der höchsten Stufe einer Berufsausbildung in Spanien.

Im Gegensatz zu Deutschland erfolgt im europäischen Ausland eine berufliche Ausbildung ausschließlich in der Berufsschule. Erst gegen Ende der Ausbildungszeit absolvieren spanische Schüler den praktischen Teil in den gewählten Berufszweigen.

In der Regel geht es mit allgemeinen Grundlagen los. Auch Pedro hatte zunächst die zweijährige Metallklasse zu besuchen. Erst im Anschluss konnte er die eigentliche Ausbildung im Kfz-Handwerk in Angriff nehmen. Die Praktikumsdauer beträgt für ihn insgesamt zwölf Wochen, somit hat Pedro noch einen Monat Zeit, sich technisches Kfz-Know-how anzueignen. Der Auszubildende findet es "großartig", in Deutschland sein zu können. Bis zum Ende seines Praktikums bewohnt er mit anderen Praktikanten ein kleines Apartment in Rastatt. Sauberkeit prägte seinen ersten Eindruck von Deutschland. Zu Hause ist Pedro in einem Außenbezirk von Madrid, dort gebe es schon etwas mehr Dreck, meint der Azubi. Der Meinung, dass die Deutschen die besseren Autos bauen, ist er ohnehin.

Antonio Timoneri, Kfz- Meister und zuständig für die Auszubildenden, und Kfz-Mechatroniker Tobias Keller begleiten Pedro durch seine Praktikumszeit bei Haitzler. "Wir kommen sehr gut miteinander aus", freut sich Timoneri. Auch hat man sich schon privat getroffen, wie zu hören war. "Die VW-Standards sind weltweit die gleichen. In die Zukunft gesehen ist das für uns eine Chance, Fachkräfte aus dem europäischen Ausland zu bekommen", erklärt Geschäftsführer Andreas Haitzler. "Man kann sich auf ihn verlassen. Er hat sehr gut in das Team hineingefunden", lobt Keller den Spanier.

Die Kommunikation erfolgt ausschließlich in englischer Sprache. Wenn einmal ein Fachbegriff nicht präsent sein sollte, wird einfach im Internet nach der Übersetzung gesucht. Zudem hat Timoneri als Italiener deutliche Vorteile gegenüber seinen Kollegen. Er kann über das Italienische viele spanische Worte ableiten.

"Die Absolvierung des Erasmus-Austauschprogramms soll die Schüler nicht nur auf ihr Berufsleben vorbereiten, sondern ihnen auch einen kulturellen Einblick innerhalb Europas in anderen Ländern vermitteln", erläutert Ronny Hagemann, der Verbindungslehrer an der CBS.

Im Wesentlichen geht es um europäische Mobilität und die Anerkennung europäischer Berufszertifikate. Diese Praktikumsform war so in den zurückliegenden Jahren nicht möglich - aufgrund fehlender Sprachkenntnisse, meint Dr. Falk Hartmann, Abteilungsleiter der CBS-Berufsschule.

"Der Austausch kann aber auch für deutsche Firmen eine spezielle Form der Nachwuchsgenerierung sein", sagt Hartmann: "Es ist nicht selten, dass sich einige Schüler später für die Aufnahme einer Arbeit in dem Land, in dem sie ihr Erasmus-Praktikum absolviert haben, entscheiden."

Für Lehrer und Schüler der Carl-Benz-Schule, die nach Spanien gehen, stehen interkulturelle Kompetenzen im Mittelpunkt.

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