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"Ein bisschen barrierefrei gibt es nicht"
Christoph-Benedikt Scheffel freut sich insbesondere über eine positive Resonanz der Kinder und Jugendlichen auf den Aktionstag.  Foto: Ulrike Klump
12.06.2018 - 00:00 Uhr
Gaggenau - "Sport ohne Grenzen" hieß es am Freitag in der Innenstadt: Menschen ohne Behinderung sollten in die Lebenswelt von Menschen mit Behinderung eintauchen können. Das Medienecho war groß - doch wie ist die Bilanz? BT-Redakteur Thomas Senger sprach gestern mit Dr. Christoph-Benedikt Scheffel. Er war Initiator der Großveranstaltung.

BT: Herr Scheffel, haben Sie sich erholt vom Freitag?

Christoph-Benedikt Scheffel: Ja, mittlerweile habe ich mich erholt. Die Veranstaltung war den großen Aufwand und die Mühe vieler Beteiligter wert, deshalb habe ich das gerne auf mich genommen. Im Nachhinein finde ich es aber schade, dass wir den Kreis der eingeladenen Schulen nicht vergrößert haben.

BT: Am Vormittag waren Schüler der Hans-Thoma-Schule, von Realschule und Goethe-Gymnasium in der Innenstadt und haben auch aktiv mitgemacht.

Scheffel. Ja. Aber es gibt ja noch weitere Schulen im Murgtal und in der weiteren Umgebung, insbesondere auch solche, die sich intensiv mit der Thematik Körperbehinderung auseinandersetzen, das hätten wir stärker berücksichtigen sollen. Schließlich haben alle, die an der Organisation beteiligt waren, einen großen Aufwand betrieben.

BT: Nachdem die Schüler weg waren, war für einige Zeit sehr wenig los; das mag auch an der Mittagshitze gelegen haben.

Scheffel: Aber spätestens am frühen Abend war wieder so richtig was los. Dennoch habe ich die Zeit, als die Schüler da waren, für mich als die schönste empfunden.

Interview

BT: Warum?

Scheffel: Weil die jungen Leute so völlig unvoreingenommen die Mitmachangebote angenommen haben. Zum Beispiel den Rollstuhlparcours oder die Liegebikes: Die Kinder waren mit Begeisterung dabei. Die Erwachsenen waren zurückhaltender und mussten aktiv angesprochen werden. Die Schüler haben auch sehr viel Rückmeldung gegeben. Bei ihnen ist ganz sicher die Botschaft dieses Tages angekommen. Und ich denke und hoffe auch bei den Erwachsenen, auch wenn diese eher passiv geblieben sind und lieber zugeschaut haben.

BT: Nicht an allen Stationen hat es gebrummt, woran mag das gelegen haben?

Scheffel: Rollstuhl-Rugby oder Rollstuhl-Basketball sind actionbetont, was das Zuschauen erleichtert. Aber auch das Schießen nach Gehör wurde sehr gerne wahrgenommen. Bei anderen war das Interesse nicht so groß. Das werden wir analysieren.

BT: Können Sie bilanzieren: Mission erfüllt?

Scheffel: Durch die Andersartigkeit der Veranstaltung wurde zum einen der Zweck erfüllt, dass die Bürger Zugang zur Welt der Menschen mit Behinderung hatten. Darüber hinaus haben alle Beteiligten erkannt, wie diffizil so eine Veranstaltung in Vorbereitung und Durchführung ist. Denn "ein bisschen barrierefrei" oder barrierearm gibt es nicht, das muss aber erst noch erkannt und verinnerlicht werden.

BT: Können Sie ein Beispiel nennen?

Scheffel: Sicherlich mit die größte Herausforderung für alle Organisatoren war das Spielfeld, das viele Anforderungen erfüllen musste. Es war extrem schwer einen Anbieter zu finden, der unsere Auflagen erfüllen konnte. Der Boden musste gut mit Rollstühlen befahrbar sein und einheitliches Niveau besitzen.

Das nächste Mal ein anderes Rahmenthema

Dazu kamen Sicherheitsaspekte und Zugangsmöglichkeiten. Also eine ganze Reihe an Kriterien. Anderes Beispiel: "Leichte Sprache". Auch hier war es nicht ganz leicht, Anspruch und Realität zusammenzubringen. Ein durchgängiges Farbkonzept zur Orientierung, das sich durch alle Infotafeln zieht, war hier mein Wunsch.

BT: Haben Sie schon Ideen für eine zweite Auflage - oder soll es das gewesen sein?

Scheffel: Wenn wir im nächsten Jahr in Gaggenau wieder so einen Tag ausrichten, dann könnte man ein anderes Rahmenthema auswählen, zum Beispiel "Kochen" oder "Kunst".

Von OB Florus, der sehr beeindruckt war, kam die Anregung, die Veranstaltung mit dem Schwerpunkt Sport im jährlichen Turnus in einer anderen Stadt hier im Umkreis auszurichten. Auch das halte ich für eine gute Idee.

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