http://www.initiative-wertvolle-zukunft.org/wvz2016/erbschaft/
Anwohnern ist es immer noch zu laut
August-Schneider-Straße beim Bahnhof: Tagsüber ist die Situation meistens im grünen Bereich. Nachts sei der Verkehrslärm oft unerträglich, klagen Anwohner. Foto: Senger
13.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Wenn die Nächte warm und deshalb lang sind, dann pulsiert zuweilen lautstark das Leben. Wer im Umfeld des Bahnhofplatzes des Nachts sein Haupt zur Ruhe betten will, der weiß ein Lied davon zu singen. Als "Interessengemeinschaft gegen den mutwilligen Lärm in der Innenstadt" hatten sich vor knapp einem Jahr an die 80 Bewohner der Hilda- und Theodor-Bergmann-Straße in einer Unterschriftenliste an den Oberbürgermeister gewandt. Geschehen sei seither zu wenig, monieren sie nun.

Es habe sich zwar manches gebessert, geben sie zu bedenken: Gewalt und Krawalle gebe es keine mehr in jüngster Zeit; diese Verursachergruppen hätten sich verlagert. "Es ist Frieden eingekehrt", sagt ein Anwohner. Wie die anderen Mitglieder der Interessengemeinschaft will er seinen Namen nicht in der Zeitung lesen - aus Angst vor eventuellen Racheaktionen.

Denn: Auto und Motorradlärm sind immer noch Störfaktoren, berichten sie - und der Lärm von Besuchern bestimmter Gaststätten. Es gibt noch etwas, das die Wortführer der Unterschriftenliste monieren: "Wir haben seit Herbst noch keine Rückmeldung, weder von OB Florus, noch von Bürgermeister Pfeiffer." Eine schriftliche Stellungnahme werde es auch nicht geben, habe kürzlich die Verwaltung mitgeteilt. Die Wortführer fragen nun: "Warum nicht mal eine Rückmeldung? Was denken da die Mitglieder unserer Interessengemeinschaft? Dass wir Versager sind!"

Dabei gebe es weiterhin Handlungsbedarf. Die Toleranzschwelle seitens der Anwohner ist mittlerweile allerdings auch niedrig: Um 22.35 Uhr habe er kürzlich freitagabends die Polizei wegen Lärms aus einer Gaststätte gerufen, berichtet ein Mitglied der Interessengemeinschaft.

Kernstadtbewohner im Nachteil?

Der Verkehrslärm sei das Schlimmste. Beispiel Samstagabend: drei glänzende Karossen am Bahnhof vorbei Richtung Benz. "Vor dem Café Viva hat der hinterste zum Überholen, angesetzt, dann der zweite auch. Dann sind sie dreispurig die Straße hochgerast, zum Glück kam keiner entgegen." Kein Einzelfall, versichert der Anwohner: "Sowas passiert öfter." Andere Kommunen versuchten doch auch, dem Rasen Einhalt zu gebieten, verweisen sie auf einen Radaranhänger, der rund um die Uhr Temposünder ertappen kann.

Für das Gesundheitsprojekt "Ein gutes Jahr mehr" haben die Mitglieder nur Spott übrig: "Ich habe zwei Jahre weniger durch Lärm", unkt ein Betroffener. Als Kernstadtbewohner fühlen sie sich benachteiligt - "weil man sieht, wie die Michelbacher und Ottenauer ihre Lärmschutzmaßnahmen bekommen haben - da hätten wir halt wohl doch mehr Brimborium machen müssen."

Was die IG-Mitglieder nicht verstehen: Dass die Verursacher des Lärm nicht gestellt würden. Es seien nicht selten stets die selben Personen. So gebe es einen Motorradfahrer, der immer wieder durch die Innenstadt knattere: "Mutwillig erzeugter Lärm", sagen sie.

Und dann die Rennfahrten im Sparkassenparkhaus: "Mit quietschenden Rädern von ganz unten bis ganz nach oben" werde da gerast. Und niemand gebiete Einhalt.

Immerhin, das unerlaubte Parken an der Bushaltestelle sei besser geworden. Dafür sei der Bereich bei den Pollern gerade samstags voll mit Motorrädern. Ohne die Bäume, die gefällt wurden, sei es schlimmer geworden, da der Schall nicht mehr gedämmt werde, berichtet ein Anwohner.

"Ich bin ja nur Mieter", sagt ein weiteres Mitglied der Interessengemeinschaft. Aus Baden-Baden ist der ältere Herr nach Gaggenau gezogen; nun trage er sich mit dem Gedanken, in die Kurstadt zurückzuziehen: "Wenn es so weiter geht, dann ziehe ich wieder weg, aber was ist mit den Leuten, die hier 300000 oder 400000 Euro investiert haben für ihren Altersruhesitz?"

Den könne man wieder verkaufen, entgegnet ein anderes Mitglied. Das sei für ihn zunächst nicht vorstellbar gewesen, aber nun sei er sich mit seiner Frau einig: "Wenn es sich dieses Jahr nicht bessert, dann ziehen wir nach Kuppenheim."

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Baden-Baden
--mediatextglobal-- Mit Tempo 75 über den Zebrastreifen gebrettert: Gleich in der ersten Nacht werden in der Tempo-30-Zone in Oos 145 Geschwindigkeitsverstöße registriert. Foto: Holzmann

08.06.2018
Blitz-Anhänger im Einsatz
Baden-Baden (hol) - Er ist wieder da - zur Freude von Anwohnern in belebten Straßen und zum Leid von Autofahrern: der Blitzer-Anhänger, den die Stadtverwaltung 2017 zu Testzwecken ausgeliehen hatte. Die Verwaltung hat ihn jetzt gekauft und im Einsatz (Foto: hol). »-Mehr
Baden-Baden
Unscheinbarer Blitzer nun dauerhaft im Einsatz

07.06.2018
Blitzer nun dauerhaft im Einsatz
Baden-Baden (hol) - Er ist wieder da - zur Freude von Anwohnern in belebten Straßen und zum Leid von Autofahrern: der Blitzer-Anhänger, den die Stadtverwaltung 2017 zu Testzwecken ausgeliehen hatte. Seit Mittwochabend ist er wieder in der Kurstadt im Einsatz (Archivfoto: hez). »-Mehr
Baden-Baden
Alte Ziegelei als ´Spielstraße´ im Gespräch

07.06.2018
Alte Ziegelei verkehrsberuhigt?
Baden-Baden (cri) - Die beantragte Ausweisung der Straße Alte Ziegelei (Foto: cri) in Steinbach als verkehrsberuhigter Bereich hat am Dienstagabend in der Sitzung des Rebland-Ortschaftsrats zu einer ausgiebigen Diskussion geführt. Etwa 50 Bürger um diese Änderung nachgesucht. »-Mehr
Baden-Baden
--mediatextglobal-- Parkende Autos und Durchgangsverkehr mit auswärtigen Nummernschildern blockieren sich gegenseitig: Alltag im Herrenpfädel. Foto: Holzmann

06.06.2018
Großer Unmut im Herrenpfädel
Baden-Baden (hol) - Die Verkehrssituation im Herrenpfädel in Haueneberstein ist seit Jahren dramatisch. Der Durchgangsverkehr ist immens, die Anwohner sind sauer. Im Ortschaftsrat der Eberbachgemeinde wurde der Unmut jetzt ganz deutlich geäußert (Foto: Holzmann). »-Mehr
Baden-Baden
--mediatextglobal-- Mitglieder des Fördervereins Mittelalterliche Winzertage stimmen auf das Fest ein. Foto: Nickweiler

25.05.2018
Winzertage zum 40. Mal
Baden-Baden (cn) - Die Mittelalterlichen Winzertage in Steinbach vom 1. bis 3. Juni (Foto: cn) finden unter besonderen Vorzeichen statt: Es ist die 40. Auflage des Weinfestes, das mit dem Gedenken an das 700. Todesjahr des berühmten Sohns Meister-Erwin von Steinbach gefeiert wird. »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

In Kanada ist seit kurzem Cannabis als Genussmittel zugelassen. Pro Person darf man 30 Gramm besitzen. Sollte Kiffen auch in Deutschland erlaubt sein?

Ja.
Nein.
Ist mir egal.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz