Das Treppenhaus bleibt rauchfrei
14.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Ulrich Jahn

Gaggenau - Der Ton der Sirenen ist durchdringend. Um 10.30 Uhr ging gestern der Alarm im Rathaus los. Es handelte sich zum Glück nicht um den Ernstfall, sondern um eine Übung. In möglichst kurzer Zeit mussten das Rathaus und das Haus am Markt evakuiert werden. Die Mitarbeiter sammelten sich im Murgpark hinter dem City-Kaufhaus. Und schon wenige Minuten später hieß es: "Übung beendet." "Evakuierungsübung" lautete die offizielle Bezeichnung.

Grundlage für eine solche Übung ist das Arbeitsschutzrecht und hier insbesondere die Brandschutzordnung. Ob dieser angekündigte Testlauf erfolgreich war oder ob es Dinge zu verbessern gibt, wird sich heute zeigen. Dann steht die Manöverkritik an. Auf den ersten Blick gab es für Beobachter nichts zu monieren. Aber meist sind es Details, die optimiert werden sollten. Verbesserungen, die im Ernstfall lebensrettend sein können.

Seit vergangenem Jahr wurde im Rathaus einiges investiert in Sachen Brandschutz. Herzstück ist die Überdruckanlage im Treppenhaus neben dem Haupteingang. Im Keller befinden sich, wie Michael Stecher vom Hochbauamt darlegte, zwei Lüftungsanlagen (zwei deshalb, falls eine ausfallen sollte). Bei Alarm läuft die Anlage an und versorgt das Treppenhaus mit Frischluft - im Schwachlastbereich, die Brandschutztüren schließen automatisch. Wird eine Tür geöffnet, damit Flüchtende ins Treppenhaus gelangen können, wird die Frischluftzufuhr verstärkt. Je nachdem, wie viele Türen offen sind, wird mehr oder weniger Frischluft zugeführt - "damit das Treppenhaus rauchfrei ist", so Stecher.

Im Alarmfall (so auch bei der gestrigen Übung) dürfen die flüchtenden Mitarbeiter nicht die Tür im Erdgeschoss benutzen, um an der Pforte vorbei in Richtung Hauptausgang zu gelangen, sondern den offiziellen Notausgang, der sich gegenüber dem Gasthaus "Ratsstübel" befindet. Oberbürgermeister Christof Florus persönlich stand an der Brandschutztür und dirigierte seine Mitarbeiter in Richtung Notausgang. Dort geben auch die insgesamt 40 Evakuierungshelfer ihre Meldungen an den Einsatzleiter ab. Je Etage gibt es mindestens einen. Eine von ihnen ist Sabrina Rohde von der Pressestelle. "Wir müssen schauen, ob sich noch Mitarbeiter auf der Etage befinden", erläutert Rohde. Auch die Toiletten würden überprüft. Zudem müsse nachgeschaut werden, ob nicht auch noch Besucher im Haus weilen.

Sammelplatz für die Mitarbeiter im Notfall (und bei einer Übung) ist der Murgpark. Am gestrigen Mittwoch kam erschwerend hinzu, dass auf dem Marktplatz der Wochenmarkt stattfand und somit der direkte Weg zwischen Rathaus und Murgpark teilweise blockiert war. Dennoch verlief die Übung erfolgreich.

Evakuierung in fünf Minuten abgeschlossen

Ein Detail: Einige Mitarbeiter nutzten vom ersten Obergeschoss ins Erdgeschoss die große Rathaustreppe. Angehalten sind jedoch alle, durch das sichere Treppenhaus nach unten zu gelangen. Die Evakuierung des Rathauses soll in fünf bis sechs Minuten abgeschlossen sein. So lange dauert es im Ernstfall, bis die Feuerwehr bei Alarmierung eintrifft. Gestern waren die Floriansjünger nicht involviert.

Neben den neuen Sirenen und dem gesicherten Treppenhaus wurden im Rathaus unter anderem die Fluchtwege beschildert. Der Aufzug begibt sich bei Alarm automatisch auf seine "letzte Fahrt" ins Erdgeschoss. Dort öffnet sich dessen Tür und sie bleibt offen. Die Brandschutzmaßnahmen wurden im vergangenen Jahr fertiggestellt. Schon vor der gestrigen Übung gab es für die Mitarbeiter einen Alarmtest, damit sie wissen, was das schrille Signal bedeutet. Die Evakuierungshelfer waren für ihre Aufgaben geschult worden.

Dass die gestrige Übung so geordnet und ruhig ablief, hängt vielleicht auch damit zusammen, dass sie seit mehreren Tagen bekannt war. Entsprechend vorbereitet waren die Mitarbeiter. "Der Countdown läuft", sagte zum Beispiel eine Mitarbeiterin eine Viertelstunde vor dem Alarm. Ganz bewusst war so verfahren worden, damit die Mitarbeiter sich vertraut machen können mit der Alarmierung und dem Umsetzen der einzelnen Punkte. Jetzt wird der nächste Schritt kommen. "Die nächste Übung wird nicht angekündigt", warnt Sabrina Rohde die 140 Mitarbeiter im Rathaus plus die 40 im Haus am Markt schon einmal vor.

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