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Käfig für das "Raubtier Roboter"
Projektleiter Matthias Gerstner (links) und Firmenchef Horst Fritz an der Sicherheitsschleuse. Foto: Mack
22.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Markus Mack

Forbach - "Wir halten das Raubtier Roboter sicher im Käfig." Horst Fritz benutzt ein deutliches Bild. In seiner Firma Fritz Automation in Langenbrand wurde eine neuartige Sicherheitsschleuse entwickelt, die die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter an einem Arbeitsplatz bei hoher Taktzahl des Roboters ermöglicht. Eine Teamentwicklung von Maschinenbauern und Steuerungstechnikern, freut sich der Firmenchef. Der Prototyp ist fertig, hat die Testphase erfolgreich hinter sich und soll ein Serienprodukt werden.

Bereits bei der Visite der Kommission zum Landesentscheid "Unser Dorf hat Zukunft" wurde das System vorgestellt und erntete große Beachtung - High Tech aus dem Murgtal für die Automobil-Zuliefer-Industrie.

"Roboter arbeiten entweder langsam und ungefährlich oder schnell und gefährlich", macht Projektleiter Matthias Gerstner die Problematik deutlich. Hohe Stückzahlen plus Sicherheit für den Menschen, dieser Aufgabe stellte sich das Murgtäler Team. Die Lösung sieht zwei mit durchsichtigen Halbschalen gesicherte Arbeitsbereiche vor. Während auf der einen Seite der Roboter mit hoher Geschwindigkeit seine Stückzahlen fertigt, ist auf der anderen Seite der Mensch geschützt und kann seinen "Part", die Bestückung mit Material und die Überwachung, gefahrlos übernehmen - und das auf engstem Raum. Kunde ist ein Automobilzulieferer aus der Schweiz. "Er wollte die höchstmögliche Geschwindigkeit bei optimaler Sicherheit des Bedieners", macht Horst Fritz die Anforderung deutlich.

Mit der neu entwickelten Doppelschleuse kann dieser Anspruch erfüllt werden, Mensch und Roboter "teilen" sich einen Arbeitstisch und arbeiten "Hand in Hand", erläutert Fritz. Die Schutzscheiben sind aus dem Kunststoff Makrolon, durchsichtig und durch die Wölbung bruchsicher. Blitzschnell schließen sich die "Halbmonde", deutlich schneller als herkömmliche Schutztüren oder Vorrichtungen. Das System kann, im Gegensatz zu bisherigen Sicherheitsschleusen, von einem oder zwei Mitarbeitern bedient werden. Auch sind schnelle Umrüstzeiten auf andere Werkstücke möglich, verdeutlicht Projektleiter Gerstner. Die Doppelschleuse ist künftig als Standardmodul für Roboteranlagen lieferbar, erläutert Horst Fritz.

Seine Firma bietet Komplettlösungen für den Maschinenbau an, von der Konzeption bis zu deren Bau. So wurden Pressen-Linien mit Robotertechnik in den USA, Korea, Mexiko, Indonesien, Großbritannien oder Frankreich geplant. Gefertigt werden die Pressen in der Türkei, Steuerung und Robotik kommen aus dem Murgtal - inklusive Systembetreuung. Gerade vor diesem Hintergrund ist Horst Fritz froh, dass es schnellere und bessere Datenleitungen ins Murgtal geben wird. "Wir freuen uns auf das Glasfaserkabel", denn die derzeitige Kapazität sei so gut wie erschöpft. So müssen größere Datentransfers nachts durchgeführt werden, wenn nicht so viele im Internet unterwegs sind.

30 Mitarbeiter hat die 1991 gegründete Firma, seit 2005 ist sie in der ehemaligen Sägemühle in Langenbrand ansässig. Der Platz wird eng, jedes Jahr kommen ein bis zwei Mitarbeiter hinzu, so Fritz. Den Nachwuchs bildet man selbst aus, "wir können mit moderner Technik junge Leute begeistern". Elektroniker für Automatisierungstechnik, Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, Duales Studium der Elektrotechnik oder Praxis-Semester für Bachelor-Studiengänge - im Langenbrander Unternehmen gibt es viele Möglichkeiten. Ein Großteil der Kunden sind Zulieferer aus der Automobil-Industrie. Der sich abzeichnende Wandel vom Verbrennungs- zum Elektromotor ist weniger das Problem des Forbacher Unternehmens. "Auch für elektrische Antriebe muss die Teilefertigung automatisiert werden", erklärt Fritz.

Was seinen Standort anbelangt, will der gebürtige Forbacher in der Großgemeinde bleiben. Ob das der aktuelle in Langenbrand oder künftig auf dem "Wolfsheck"-Areal sein wird, für das nach wie vor eine Folgenutzung in der Diskussion ist, das sei derzeit offen.

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