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Mit dem "Hühnermobil" den Rindern hinterher
26.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Elke Rohwer

Gaggenau - Munter scharren sie in der Wiese, rupfen geschäftig an Grashalmen. Wenn Susanne Merkel sich nähert, eilen einige besonders neugierige Hühner sogleich in den fahrbaren Stall. Es könnte ja sein, dass die Bäuerin ihnen etwas besonders Leckeres bringt. An das Bild der mobilen Hühnerställe haben sich die Bad Rotenfelser längst gewöhnt. Das Federvieh scheint sich in seinem Zuhause sichtlich wohlzufühlen. In der Tat bietet diese Art der Hühnerhaltung eine Reihe von Vorteilen.

Seit 2007 gehört der Bauernhof in der Hubstraße zum Besitz der Familie Merkel. Anfangs hatte sie 20 Hühner, die in einem fest umzäumten Auslauf gehalten wurden. Dann beschlossen Susanne und Thomas Merkel, sich einen mobilen Stall zuzulegen. "Die Hühner sind täglich im Grünen. Zwar wechselt die jeweils umzäunte Grasfläche, aber der Legeplatz bleibt immer gleich", erklärt Thomas Merkel. "Das kommt dem Wesen der Tiere entgegen, denn Hühner sind nun mal Gewohnheitstiere."

Damit die Hühner mit dem Gras etwas anfangen können, lässt der Bauer die Wiesenfläche zunächst von seinen Rindern abweiden. Danach wird das "Hühnermobil" auf die Wiesenfläche gestellt und das Areal umzäunt. "Die Hühner weiden die Wiese nach. Das Gras hat nun die richtige Länge. Außerdem entstehen bei der Zersetzung des Kuhdungs Würmer, die den Hühnern das nötige Eiweiß liefern", erläutert Thomas Merkel. Je nach Beanspruchung bleibt der Hühnerstall zwischen zwei und 14 Tage an einem Platz, bis der Standort gewechselt wird. Dadurch wird eine Überbeanspruchung des Bodens vermieden.

Hintergrund

Der Hühnerstall der Merkels besteht aus zwei Etagen und entspricht den Vorlieben und Ansprüchen der Hühner: In den mit Einstreu versehenen Kaltscharr-Raum im Erdgeschoss ziehen sich die Hühner mit Vorliebe bei warmen Außentemperaturen zurück - wenn sie sich nicht gerade draußen unter einem Baum im Schatten aufhalten.

Über eine Hühnertreppe gelangen die Tiere dann in den ersten Stock, in dem sich die Futter- und Wasserstellen befinden sowie die Sitzstangen zum Schlafen. Von dieser Ebene aus können die Hühner die mit Dinkelspreu ausgelegten Gruppen-Legenester erreichen, in die sie sich, mit Vorhang angehängt, ungestört zum Eierlegen zurückziehen können.

Auch die Beleuchtung des Stalls spielt eine wichtige Rolle. "Hühner brauchen täglich 14 Stunden Licht. Je nach Witterung sind unsere Tiere am Tag zwischen zehn und 14 Stunden draußen", erklärt Susanne Merkel. "Am Abend merken die Hühner durch das automatische stufenweise Dimmen der Beleuchtung, wenn es Zeit ist, sich auf die Schlafstangen zurückzuziehen. Und morgens kündigt im Stall sanftes Dämmerlicht den neuen Tag an."

Zum Schutz der Tiere wird der Auslaufschieber am Abend geschlossen. Der Weidezaun ist mit Strom versehen. Außerdem gehört zu beiden Hühnerscharen jeweils ein Hahn, der seine "Damen" vor Gefahren wie Fuchs oder nahendes Schlagwetter warnt.

Susanne und Thomas Merkel sprechen sich gegen die Steigerung der Legeleistung durch das Hochsetzen der künstlichen Beleuchtung aus, so wie es in vielen Großbetrieben üblich sei. Durch die hohe Eierproduktion dort seien die Tiere nach einem Jahr "verbraucht" und am Ende. Auf dem Bauernhof in Bad Rotenfels legen die Hühner dagegen zwei Jahre lang. Danach nehme die Anzahl der Eier naturgemäß ab. Dann werden die Tiere geschlachtet und als Suppenhühner zum Kauf angeboten. Derzeit verfügt der Hof über rund 600 Hühner.

Die Merkels haben schon darüber nachgedacht, die Zahl zu erhöhen. Bei einem Flächenzugewinn wäre es denkbar, einen weiteren Stall zu beziehen. Die Nachfrage ist da. Derzeit hat Susanne Merkel rund 150 Kunden, die jede Woche Eier abnehmen. Dazu kommt die Laufkundschaft, die im "Bauernlädele" auf dem Hof nach dem Selbstbedienungsprinzip Eier und weitere Produkte kaufen.

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