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Kollektive kroatische Ekstase
Kroatische Fans im Ausnahmezustand: Rund um den Gaggenauer Bahnhof feiern sie bis Mitternacht.  Foto: pr
13.07.2018 - 00:00 Uhr
Gaggenau (ham/stj) - Kroatien befindet sich nach dem Einzug ins WM-Finale auf Wolke sieben: Nach dem Halbfinal-Triumph über England grassiert nicht nur im Kabinett von Regierungschef Andrej Plenkovic in Zagreb das Fußballfieber. Alle Minister erschienen im Nationaltrikot - auch in Gaggenau mutierte das rot-weiße Leibchen der Hrvatska-Kicker zum beliebtesten Outfit.

"Hrvatska! Hrvatska!"-Rufe, Freudengesänge und hupende Autos machten den Mittwochabend zum Tag. Nach dem Abpfiff feierten zirka 600 bis 700 Fans rund um den Bahnhof das 2:1. Zuvor hatten viele Kroaten gemeinsam im Vereinsheim von Croatia Gaggenau in Ottenau und in der Innenstadt im "Irish Pub" und im "Royal" das Halbfinale verfolgt.

"Wir waren unter enormer Nervenanspannung, denn es ging zum dritten Mal in Folge in die Verlängerung", berichtete Damir Batovanja. Jeder Anhänger der Rot-Weißen habe sich "bloß kein Gegentor gewünscht, damit es uns nicht wie Belgien gegen Frankreich erging - und prompt kam es so". Schon nach fünf Minuten war alles Makulatur nach dem Freistoß von Kieran Trippier. "Wir haben nach dem 0:1 lange gezittert und spielten schlecht", resümierte der Gaggenauer, doch "ab der 60. Minute gaben wir alles und verdienten uns den Sieg noch". Ivan Perisic ließ die Kroaten im Murgtal erstmals in Minute 68 jubeln. Überschäumend wurde es in der Verlängerung, als Mario Mandzukic (109.) den Weg ins Endspiel ebnete.

Die Stimmung in den drei Kneipen kochte und entlud sich nach dem Schlusspfiff in einer kollektiven Ekstase. Bis um Mitternacht jubelten die Fans vor dem Bahnhof, sangen, feierten und hupten. Sogar kleine "Bengalo"-Feuer brannten vor dem Gebäude. Einige Anwohner echauffierten sich zwar über den Lärm - aber davon ließ sich keins der "Feierbiester" stören.

"Jetzt ist alles drin", träumt auch Damir Primorac vom ersten WM-Titel. Der Vorsitzende von Croatia Gaggenau feierte wie so viele seiner Landsleute den Triumph am Bahnhof. Bislang habe man von Vereinsseite aus in der K.o.-Phase keine eigene, große Public-Viewing-Veranstaltung organisiert. Das werde man nun auch beim Endspiel am Sonntag beibehalten und abermals die drei Stamm-Lokale aufsuchen - "um sich dann hoffentlich wieder am Bahnhof zu treffen", hofft Primorac auf die Krönung dieses kroatischen Fußballmärchens.

Die größten Feiern der Region fanden laut Polizeiangaben in Gaggenau und Baden-Baden statt - sie verliefen weitgehend friedlich. Ein Autokorso sei im Murgtal "gegen 23.30 Uhr durch Sperrung der Innenstadt sukzessive beendet" worden. Das Abbrennen von Pyrotechnik unterband die Polizei ebenso. Auch in Baden-Baden wurden während eines Autokorsos Feuerwerkskörper abgebrannt, weshalb die Beamten die Feierfahrt frühzeitig beenden mussten. Durch das konsequente Einschreiten der Ordnungshüter haben konkrete Gefährdungen in beiden Städten verhindert werden können, betont die Polizei.

"Ich glaube, heute arbeitet kein Kroate. Wir sind im Ausnahmezustand", befand Damir Batovanja gestern. Geht es nach dem ehemaligen Spieler von Croatia Gaggenau und seinen Landsleuten, wiederholt sich das Szenario vom Mittwoch am Sonntag ab 17 Uhr - bis auf den Führungstreffer des Gegners natürlich. Im Croatia-Vereinsheim, im "Irish Pub" und im "Royal" werde es "noch voller" - und vor allem noch ausgelassener, gelänge ein Sieg über Frankreich und der erste WM-Titel.

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