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Motor für die Gleichstellung von Frauen
Das Vorstandsteam des Katholischen Frauenbunds freut sich auf das 90-jährige Bestehen des Zweigvereins. Foto: pr
14.07.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach (wof) - Mit einem Dankgottesdienst und einem anschließenden Fest der Begegnung feiert der Zweigverein Gernsbach des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) heute sein 90-jähriges Bestehen. Unter dem Motto "selbst - bewusst - offen" versteht sich der Frauenbund als Motor für die Gleichstellung von Frauen in Kirche und Gesellschaft.

Mit dem Gründungsjahr 1928 zählt der Gernsbacher Frauenbund zu den ältesten bis heute aktiven Zweigvereinen in der Erzdiözese Freiburg. Ins Leben gerufen worden war der Ableger in der Murgtalperle auf Initiative des damaligen Stadtpfarrers Ernst Bernauer. Als junger und - wie er sich selbst beschrieb - "unternehmenslustiger" Pfarrer nach Gernsbach versetzt, fand er hier einen "nicht gerade ermutigenden" Befund vor. Das religiöse Leben der hiesigen Katholiken empfand er als "lendenlahm". Um dies zu ändern, setzte Bernauer gezielt auf die Frauen. "Habe ich die Frauen, habe ich auch die Familien", war sein Kalkül. Sie sollten mithelfen, "das ganze Leben der Gemeinde nach christlichen Grundsätzen zu formen und zu gestalten".

Sein Appell fiel auf fruchtbaren Boden. Zur Gründungsversammlung im Marienhaus kamen 76 Frauen, die nach einer begeistert aufgenommenen Rede der Vertreterin des Diözesanverbands ausnahmslos Mitglied wurden. Mit viel Schwung machte sich der Zweigverein Gernsbach an die Arbeit. Regelmäßige Vorträge und Ausflüge wurden organisiert. Jeden ersten Sonntag im Monat gestalteten die Frauen die Frühmesse als Eucharistiefeier, bei denen eine Vorbeterin die Gebete und Lesungen vortrug. Breiten Raum nahm die karitative Tätigkeit zugunsten von bedürftigen Gemeindemitgliedern und Wöchnerinnen ein.

Nachdem das Vereinsleben in der NS-Zeit wachsenden Restriktionen unterlegen war, so dass es schließlich fast völlig zum Erliegen kam, erlebte die Tätigkeit des KDFB in der Nachkriegszeit erneut einen großen Aufschwung. 1968 zählte der Katholische Deutsche Frauenbund in Gernsbach 256 Mitglieder. Die Aufbruchstimmung infolge des 2. Vatikanischen Konzils wurde bei der Feier anlässlich des 40-jährigen Bestehens deutlich. Überwunden sei die Zeit, in der die Frauen "die geliebten, aber unmündigen Töchter der Kirche" gewesen seien, meinte damals die langjährige Schriftführerin Maria Welsch in ihrem Rückblick.

Zum 50-jährigen Jubiläum lobte die Diözesanvorsitzende Ingeborg Haas die Gernsbacher Frauen: "Ich wäre froh, wenn in meinem Arbeitsbereich noch mehr so vitale Gruppen wären." Gleichzeitig betonte sie: "Wir müssen die Emanzipation auch wollen - daran hapert es."

Das aktuelle Vorstandsteam ist im Kern seit 2005 unverändert geblieben. Damals hatte der Zweigverein schon kurz vor der Auflösung gestanden, bis sich 15 Frauen im Kloster Lichtenthal zu einem Neuanfang trafen und die Arbeit unter sich aufteilten. An der Spitze steht seither Doris Seiberling im Bund mit Eva Agrawal.

Das Programm ist vielfältig und reicht vom monatlichen Frauengottesdienst mit anschließendem Frühstück über meditative Tänze und Waldspaziergänge bis hin zu Vorträgen, Ausflügen und Schwimmen. Hinzu kommt die Unterstützung von sozialen Projekten wie in Peru. Auch Bedürftigen vor Ort wird ohne großes Aufheben individuell geholfen.

Ein Problem ist die Überalterung der derzeit 138 Mitglieder, doch ist die Zahl in den vergangenen Jahren annähernd konstant geblieben, weil durch persönliche Ansprache immer wieder Frauen für einen Beitritt gewonnen werden können. Auch Evangelische sind ausdrücklich willkommen, wie Seiberling betont. Das Profil ist betont ökumenisch, ohne die katholischen Wurzeln zu verleugnen. "Es sind viele dabei, die über den Frauenbund den Bezug zur Kirche finden", stellt Seiberling fest, die auch Vorsitzende des Diözesanverbands Freiburg ist.

Die Gleichstellung von Frauen und Männern bleibt ein Ziel, das mit langem Atem weiter verfolgt wird. So setzt sich der KDFB auf Bundesebene seit Jahren für die Öffnung des Diakonats für Frauen ein. "Von unten her arbeiten, damit es oben ankommt", sagt Agrawal.

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