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"Schon wieder mit Vollgas"
21.07.2018 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Gut eine Woche ist sie jetzt her, die Unfalltragödie in der Goethestraße. Eine 54-jährige Frau und ihr siebenmonatiger Enkel wurden totgefahren. Ungeachtet dessen, wie sich letztlich der Hergang rekonstruieren lässt: In der Stadt wurde dadurch eine Diskussion befeuert, die seit Jahren vor sich hinschwelt: Auf den Punkt gebracht wurde es gestern durch einen Post in der Facebook-Gruppe "Du bist Gaggenauer, wenn...". Als "Aufruf an die Poser von Gaggenau und Umgebung" war er überschrieben: Sie sollen doch bitte nicht in Gaggenau, sondern auf dem Hockenheimring "beweisen, was eure Kisten wirklich drauf haben".

Dröhnende Motoren, röhrende Auspuffanlagen, rauchende Reifen, Autorennen. Nicht nur Bahnhofsumfeld, Murgtalstraße, Unterführung zum Schiffmacher-Baumarkt oder nördliche Hauptstraße sind betroffen: "Vor kurzem konnten wir spätabends beobachten, wie sich vier Autos jeweils in Zweierreihe zu einem Autorennen formierten", berichtete eine Anwohnerin der unteren Konrad-Adenauer-Straße in ihrem Leserbrief.

Ein Ehepaar klagte in einem Leserbrief am 12. Juli: "Die Bismarckstraße ist zwischen Wißstraße und Einmündung Schulstraße zeitweise eine Rennstrecke. In der Nacht von Freitag, 29. Juni, auf Samstag, 30. Juni, wurde unsere Katze totgefahren. Da bei weit überhöhter, unzulässiger Geschwindigkeit gefahren wurde, war Ausweichen oder Bremsung nicht möglich (...). Raser verursachen Lärm, so dass nachts Schlafen oft kaum möglich ist. Regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen und verkehrsberuhigende Maßnahmen wären dringend notwendig. Raser sollten zudem wirksam bestraft werden."

"Hier vor meinem Haus (...) donnern die Boliden schon wieder mit Vollgas vorbei", wandte sich ein weiterer BT-Leser am Samstagmorgen nach dem Unfall in der Goethestraße an die Murgtalredaktion.

Bereits 2016 habe er die Stadtverwaltung auf die stetig ansteigende Anzahl der verkehrsgefährdenden Raser in Gaggenau hingewiesen.

Der Leser möchte anonym bleiben. Er erinnert an den Crash, der sich im Oktober 2016 ereignete, als ein "stadtbekannter" Raser frühmorgens am Glasersteg einen Unfall verursachte. "Eins ist jedenfalls sicher: Allen Bürgern in Gaggenau, die erlebt haben, wie dieses Fahrzeug von seinem Halter im Straßenverkehr bewegt wurde, dürfte nun ein Stein vom Herzen fallen. Es ist wohl wieder nur glücklichen Umständen zu verdanken, dass gerade kein Passant unterwegs war, welcher vom Fahrzeug selbst oder umherfliegenden Teilen hätte erfasst werden können. Ich hoffe im Interesse der Sicherheit aller ,normalen' Verkehrsteilnehmer, dass in Gaggenau nun schnellstmöglich Konzepte für geeignete Maßnahmen erarbeitet werden" - schrieb er 2016.

Wenige Tage vor dem Unfall am Glasersteg hatte er sich bereits an die Stadt gewandt: "In den vergangenen Monaten ist Familienmitgliedern, Freunden, Nachbarn und mir aufgefallen, dass es auf den Hauptverkehrswegen in und um die Gaggenauer Innenstadt herum zu einem drastischen Anstieg von extremen Verstößen gegen die innerörtlichen Tempolimits gekommen ist. Fast täglich ist zu beobachten, wie sich meist junge Autofahrer mit hochmotorisierten Boliden oder lauten Zweirädern selbst bei regem Verkehr völlig ungeniert auf den öffentlichen Straßen austoben. Ich hoffe inständig, dass nicht erst etwas Schlimmes passieren muss, bis eine Reaktion auf diese Entwicklung erfolgt."

"Hochmotorisierte Proletenschleuder"

Der BT-Leser erinnert an einen weiteren Vorfall - bereits im April 2013: "Nur glücklichen Umständen und dem Zufall ist es zu verdanken, dass meine Familie und ich solch einer Gefährdung durch einen Raser entgingen. Damals versuchte ein 18-jähriger Raser mit seinem hochmotorisierten Mercedes nachmittags auf der Murgtalstraße auf Höhe der S-Kurve am Jufaz seine Freunde (...) mit einer Drifteinlage zu beeindrucken." In Folge der überhöhten Geschwindigkeit verlor der Fahrer nach der Kurve die Kontrolle. Der Wagen krachte nach einer 180°-Drehung in das städtische Begrüßungsschild. "Zu dieser Zeit befand ich mich in Begleitung meiner kleinen Tochter im Kinderwagen, meiner Frau sowie meiner Schwiegermutter auf dem Fußgängerweg gegenüber. Wären wir eine Minute früher losgelaufen und der Wagen wäre in die andere Richtung abgeschmiert, hätten wir kaum eine Chance gehabt, dem Unglück zu entgehen."

Seit diesem Tag beobachte er das Verhalten der "Autofahrergattung junger aufmerksamkeitsbedürftiger Macho mit lauter hochmotorisierter Proletenschleuder". Der rubinrote Mercedes sei übrigens bereits Tage zuvor mehrfach mit überhöhter Geschwindigkeit in der Innenstadt beobachtet worden.

Es sind oft schwere, neue Fahrzeuge, darunter Audi A8, getunte Mercedes verschiedener Baureihen sowie extrem laute Motorräder, die immer wieder genannt werden.

So sieht es abschließend auch der BT-Leser, der anonym bleiben möchte: "Offensichtlich gibt es in Gaggenau und Umgebung jede Menge solvente junge Leute, die sich hochmotorisierte Fahrzeuge zulegen können und das Bedürfnis haben, diese dann auch möglichst spektakulär zur Schau stellen zu müssen."

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