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"Echter Ökumener" treibende Kraft des Seniorentreffs
'Ja, ich würde mit Gottes Hilfe wohl alles wieder so machen': Reiner Sontheimer ist zufrieden mit seinen 90 Jahren, die er heute feiert. Foto: Uebel
31.07.2018 - 00:00 Uhr
Von Dagmar Uebel

Gernsbach - Dass Reiner Sontheimers Händedruck zum Abschied zwar fest, aber auch warm war, lag wohl nicht allein an den hochsommerlichen Temperaturen: "Ein paar Grade weniger gern, Hauptsache am Dienstag bleibt es trocken." Dienstag, das ist der Tag, an dem die beiden Sontheimers mal nicht zum sonst regelmäßigen Schwimmen ins Igelbachbad oder nach Obertsrot fahren werden, hat doch die gesamte Familie ihren Besuch angekündigt. Und nicht nur die, ist doch Reiner Sontheimer ein über die Stadtgrenzen hinaus bekannter Mann, in Kirchenkreisen und Stadtverwaltung als wortgewaltiger Kümmerer und als "Sparminister" geschätzt.

Und als Bauer von Brücken zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern, zwischen politischen Parteien, zwischen Eltern, Schülern und Lehrern, zwischen Kirchen und Senioren. Oft wird er mit Pfarrer Ulrich Eger in einem Atemzug genannt, auch wenn er nicht die professionelle geistliche Laufbahn einschlug, sondern nach seinem Schulabschluss bei einer Gernsbacher Firma eine Lehre begann. Vielleicht, weil Sontheimers Begeisterung für Zahlen (Mathematik war eins seiner Lieblingsfächer) am besten zum Beruf eines Handelskaufmanns passte.

Am 31. Juli 1928 als fünftes Kind einer nach christlichen Grundsätzen der evangelischen Freikirche lebenden Eltern in Gernsbach geboren, wurde er nach Beendigung der Schule und mitten in der Ausbildung noch in den letzten Kriegsmonaten zum Wehrdienst eingezogen. Als 17-Jähriger erlebte er Kriegsgeschehen, den militärischen Rückzug als Monate der Kriegsgefangenschaft. Und doch hatte er das Glück, zu Hause seine Lehre beenden zu können und in den nachfolgenden 27 Jahren beruflich bei Schoeller & Hoesch erfolgreich tätig sein zu können. Er setzte sich für das Harzburger Modell (Führung durch Delegation) ein, war an der Gründung einer Werkszeitung maßgeblich beteiligt.

Gleichfalls erfolgreich begann Sontheimers Familienleben, als er Henny kennenlernte. 1955 luden beide ihre Familien zu ihrer Vermählung ein, vor drei Jahren, sechzig Jahre später, zum Fest der Diamantenen Hochzeit. Die ersten und wahrscheinlich die wichtigsten Gratulanten waren 2015 ihre Tochter und die drei Söhne der Sontheimers mit ihren Familien.

Doch ein Mann wie Sontheimer wollte stets neben seiner Berufstätigkeit mehr bewegen, als er sich in Führungsfragen weiterbildete und als Referent im Prüfungsausschuss der IHK für die Meisterkurse tätig wurde. Er war als Bürgermeister-Stellvertreter unterwegs, langjähriger Vorsitzender des Elternbeirats der Realschule, Mitglied des Verkehrsausschusses im Verband der Deutschen Papierindustrie und übernahm 1977 die Leitung des Bildungswerks der Deutschen Papierindustrie. "Das war bis zum Beginn meines Ruhestands 1991 meine schönste und interessanteste Zeit", wie Sontheimer betont.

Was sich für Sontheimer nach Rentenbeginn auftat, war statt eines tiefen Lochs der Untätigkeit die aktive Teilnahme an der Gernsbacher Kommunalpolitik: als Stadtrat und Fraktionssprecher der Freien Bürger, deren Ehrenvorsitzender er ist. Neben der Kommunalpolitik erkannte Sontheimer frühzeitig seine Stärke, über christliche Themen predigen zu können. Das führte dazu, dass er sich 1975 zum Prädikanten ausbilden ließ: Ein Ehrenamt, das er 40 Jahre lang ausübte.

Dekan Josef Rösch bezeichnete ihn als einen "echten Ökumener". Fast nahtlos schloss sich ein weiteres Betätigungsfeld an, als 2004 die Seniorenarbeit bei St. Jakob verwaiste. Seit damals leitet Sontheimer den Seniorentreff im Karl-Barth-Haus und begeistert die Senioren nicht nur mit seinen Ideen, manchmal auch mit seinen Versen. Dass auch das "Gernsbach-Lied", Auftakt vieler Altstadtfeste, von ihm stammt, ist vielleicht nicht allen Mitsingenden bekannt. Durch das Verfassen mehrerer Bücher (Fachbücher, aber auch "Ein kleines Evangelium in Reimen erzählt", "Bilderbuch Gottes" und "Abraham, der Vater des Glaubens") "versuche ich, Gott den Menschen näher zu bringen", erklärt Sontheimer. Darin und in allen Predigten, die Reiner Sontheimer hielt (und gelegentlich noch hält), ist seine Überzeugung zu spüren, dass "die Liebe die einzige Möglichkeit ist, die Welt zu verändern". Die vielen gemeinsamen Jahre mit seiner Frau Henny empfindet Sontheimer als "wunderbares Geschenk".

Beschenkt wurde er auch in anderen Bereichen des Lebens vielfach: Eine Majolica-Kachel der IHK schmückt eine Wand der Wohnung im "Grafensprung", der Oberkirchenrat bedankte sich mit einer Goldenen Nadel, die Stadt Gernsbach ehrte ihn mit der Goldenen Verdienstmedaille.

Besonders gerne nimmt er die Gelegenheiten wahr, Gernsbacher Senioren ab 75 im Rahmen des Besuchsdiensts der St. Jakobsgemeinde zum Geburtstag zu gratulieren. "Für mich eine wichtige Möglichkeit, Kontakte der Kirche zu Mitmenschen zu erhalten. Für manche einsamen Mitbürger mitunter der einzige Anlass, Gäste zu empfangen." Und da bringt er neben seinen Glückwünschen immer auch einen selbstverfassten Vers mit.

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