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Flüchtlingsjunge demaskiert "Volksverhetzungs"-Mär
Flüchtlingsjunge demaskiert 'Volksverhetzungs'-Mär
08.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Es war nicht das erste Mal, dass ein Gernsbacher sich vor Gerichtsverhandlungen drückte, die er mit unrichtigen Behauptungen angezettelt hatte. Gestern wiederholte sich dies vor dem Amtsgericht: Nach seiner Anzeige wegen angeblicher "Volksverhetzung" fehlte der Gernsbacher als einziger Zeuge.

Richter Ekkhart Koch versuchte vergeblich, ihn während der Sitzung telefonisch zu erreichen und zu animieren, sich doch ins Amtsgericht zu begeben. Die Geduld des Staatsanwalts wurde dadurch überstrapaziert. Nachdem die Verhandlung am nächsten Dienstag, 14. August (14.30 Uhr) fortgesetzt werden muss, forderte der Vertreter der Anklage ein Ordnungsgeld von 150 Euro. Koch folgte dem Ansinnen allzu gerne, zumal der "Zeuge" nicht zum ersten Mal für Aufsehen beim Amtsgericht gesorgt hatte. Die Kosten für die zweite Verhandlung bekam er ebenso gleich aufgebrummt.

Haltlose Vorwürfe

Dass diese eigentlich überflüssig ist, daran gab es gestern Vormittag wenig Zweifel. "Theoretisch könnte es ja noch sein, dass er uns von seiner Version überzeugt", bemerkte Koch lakonisch mit Blick auf das Geschehen vom 13. Juni 2017. Die haarsträubenden Vorwürfe, die per E-Mail bei der Polizei in Offenburg eingegangen waren und in der sich der Ankläger als Retter zweier Kinder vor einem vermeintlichen Alt-Nazi aufspielte, wurden weder vom Angeklagten noch den angeblich bedrohten zwei Flüchtlingskindern bestätigt. Die hatte der Kläger und Zeuge in Personalunion auch noch im Sinne seiner Aussagen gegen den "Nazi" zu instruieren versucht, bevor die Polizei den involvierten Neunjährigen vernahm.

Der angeklagte Rentner räumte eine minimale Entgleisung beim Wasserholen an einem Gernsbacher Brunnen ein. Er entschuldigte sich dafür, den beiden Kindern ein "Nicht frech werden, sonst müsst ihr nach Hause" entgegengeschleudert zu haben. "Das war blöd von mir", räumte der 68-Jährige ein. Unterstellte Worte, die rassistisch und den Nationalsozialismus verherrlichend gewesen sein sollen, bestritt der Gernsbacher vehement und betonte, dass er wohl kaum seit 45 Jahren mit einer "Jugoslawin" verheiratet sei, wenn er etwas gegen Ausländer hätte. Zum Vorwurf, er sei am Brunnen auf die Kinder mit einem Hammer zugestürmt und habe gebrüllt "So, jetzt ist es zu spät. Jetzt schlage ich euch tot!", bemerkte er, "noch nie einen Hammer im Auto" mitgeführt zu haben.

Der Angeklagte bereute es vor Gericht, sich am 13. Juni 2017 überhaupt auf den Ankläger, der im Brunnen "zwei Flaschen Bier kühlte", eingelassen zu haben: "Normalerweise spreche ich mit dem Mann gar nicht." Als Grund für die Anzeige mutmaßte der Rentner, dass er "ihn foppte" wegen dessen erfolgloser kommunalpolitischer Ambitionen. Zudem liegen die Nachbarn in einem Gernsbacher Wohnhaus im Clinch, weil der vermeintliche Zeuge stets "lüge", "alle Welt vom Hausmeister aufwärts" anzeige und seine Wohnung "vermülle", weshalb diese im Sommer bestialisch stinke.

Stinkefinger und hämisches Winken

Der "Zeuge" habe ihm und seiner Frau lange Zeit wiederholt den Stinkefinger entgegengereckt, wenn man sich unfreiwillig traf. Zuletzt wandelte sich dies laut der Frau des Angeklagten in ein (womöglich wegen des Verfahrens hämisches) freundliches Winken.

Zudem habe der fehlende Zeuge das Auto des Rentners mit einem schwer zu entfernenden Aufkleber verunziert, der den Schriftzug von "Die Partei" trug.

Der neunjährige Knirps sagte in gutem Deutsch und völlig ruhig aus. Er erinnerte sich weder an das Gesicht des Angeklagten noch an einen Hammer oder Bedrohungen - außer, dass sich der Angeklagte am Singen seines elfjährigen Freundes störte und ihn aufforderte: "Geht nach Hause zum Singen."

Der mit seinem Vater befreundete vermeintliche Zuge habe versucht, den Drittklässler vor dem Polizeiverhör zu beeinflussen, berichtete der Junge und stützte damit die aufgetischte Hammer- und Nazi-Mär nicht.

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