http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Paule pfeift bei guter Laune den Radetzky-Marsch
Die meisten Papageien hält Ulrike Cecchet in ihrer größten Voliere im Haus in Obertsrot.  Foto: Metz
11.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gernsbach - Die Lora! "Am Anfang war sie lieb zu mir, aber jetzt beißt sie mich", stellt Ulrike Cecchet mit Blick auf die flatterhafte 42-Jährige fest, die sich oft wenig damenhaft gebärdet. Die Obertsroterin lacht, als sie davon erzählt, wie ihr ältester Papagei sich veränderte, seit die Venezuela-Amazone vor zwei Jahren zu ihr kam, weil ihr Besitzer schwer krank wurde.

Die Papageien kreischen schrill, wenn sich Unbekannte der großen Voliere im Haus nähern. In dem kleineren Käfig für nur drei gefiederte Freunde herrscht mehr Ruhe. "Es gibt zu viele Tiere, die sich in schlechter Haltung befinden: Die Käfige sind zu klein, die Aras und Kakadus sind allein und rupfen sich aus Einsamkeit gerne, schreien oder knabbern sich die Füße ab", hat die 46-Jährige Mitleid mit den Vögeln und nimmt sie auf.

Durch die Gründung des Vereins "New Life for Parrots" (Neues Leben für Papageien) will Cecchet das Schicksal ihrer 14 Schützlinge wenden und verbessern. "Wir nehmen Spenden an oder hoffen auf Patenschaften, wenn jemandem ein Papagei gefällt. Der Tierfreund kann zum Beispiel das Futter, den Tierarzt oder Spielsachen übernehmen. Abgeben kann ich jedoch keine. Die sind alle bei mir an der Endstelle", betont die gebürtige Schwäbin aus Ditzingen-Schöckingen, "aber mir gehören offiziell nur drei Tiere, der Rest ist Eigentum der Stadt Karlsruhe. Jeder Papagei muss beim Regierungspräsidium angemeldet werden. Hat er keinen Ring, macht sich der Besitzer strafbar. Bei geschützten Tierarten drohen Bußgelder von bis zu 30000 Euro."

Züchten will die "Papageien-Mama" sie auch nicht. Entdeckt Cecchet ein neues Gelege, kocht sie die Eier ab "und lege sie wieder unter". Ihr geht es vor allem darum, die Vögel aus "schlechter Haltung" - der Begriff fällt bei ihr häufiger - "artgerecht zu halten. Das gilt für Reptilien genauso. Bei exotischen Tieren mangelt es an Aufklärung". Ohnehin weiß sie zu gut: "Natürlich ist es am besten für die Tiere, in Freiheit zu leben" - doch manche seien schon so verkümmert, dass sie nicht mehr fliegen können.

Ihre Passion für Papageien begann vor 14 Jahren. In Mönsheim lebte damals zwei Häuser weiter ein Züchter. "Nach drei, vier Viertele kauften wir Charly", erzählt Cecchet vom Weibchen Charly. "Damit machten wir uns eigentlich strafbar", stellt die Obertsroterin im Nachhinein fest und moniert, dass viele Züchter ihre Kundschaft schlecht bis gar nicht über die rechtlichen Voraussetzungen informieren. Nach und nach vermehrte sich die Schar, weil einer sein Tier "nach dem Urlaub nicht mehr abholte" oder weil jemand aus Gelsenkirchen ein Tier abzugeben hatte ... Zuletzt stieß Simba dazu vom Tierheim in Pfullingen. "Der passt vom Charakter her in die kleine Dreiergruppe", hat die "Papageien-Mama" gemutmaßt und lag einmal mehr mit ihrem Gespür richtig. "Graupapageien oder Rostkappenpapageien könnte ich noch aufnehmen, aber nicht unbegrenzt", sieht sich die 46-Jährige langsam an der Kapazitätsgrenze. Vor allem gilt: "Für Aras habe ich keinen Platz. Die brauchen große Volieren."

Zusammen mit ihrem Freund Peter te Heesen investiert Cecchet "schon mal einen ganzen Tag" in die Hege und Pflege der 14 Amazonen in ihrem Haus, das sie seit einem Jahr selbst saniert. "Das ist alles zeitintensiv." Und kostspielig. Die Pflegehelferin, die derzeit auf Arbeitssuche ist und mit te Heesen eine Firma für Volierenbau gründen will, "muss 200 Euro im Monat für die Papageien ausgeben - mindestens. Wenn ich bei drei Amazonen wie jetzt die Schnäbel schneiden lasse, kostet das inklusive Narkosen gar 400 Euro." Die Ausgaben für die drei Hunde und zwei Hasen - die am ruhigsten sind und als Einzige nicht auffallen - ausgeklammert. Ebenso die Taube, die nur leise gurrt, als sie hereinschwebt auf einen Schrank und sich fern der Volieren auf der Baustelle umschaut.

"Hallo!", schallt es plötzlich ums Eck. "Ei, guck mal da!" Cecchet beherbergt auch zwei gesprächige Amazonen auf ihrer kleinen "Arche Ulrike" in Obertsrot: "Sprechen ist eine Verhaltensstörung. Aber Paule und Gismo können sogar über Fußball singen", berichtet sie von dem von Vorbesitzern geschulten kleinen Fan-Chor. "Die labern mir beide Ohren ab, wenn sie auf meinen Schultern sitzen", erzählt die "Papageien-Mama" weiter und fügt schmunzelnd an, "und wenn Paule gute Laune hat, pfeift er sogar den Radetzky-Marsch!"

BeiträgeBeitrag schreiben 
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Urlaub im eigenen Land stand bei den Deutschen im ersten Halbjahr 2018 wieder hoch im Kurs. Ist Deutschland auch ein beliebtestes Reiseziel von Ihnen?

Ja.
Ja, aber nur für Kurzurlaube.
Nein.


http://www.karlsruhe.ihk.de/handelsregister
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz