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Glückliches Lächeln nach 70 Jahren Ehe
Sigunde und Ludwig Gilliard erwarten morgen zur Gnadenhochzeit zahlreiche Gäste in Staufenberg.  Foto: Uebel
13.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Dagmar Uebel

Gernsbach - Fast alle Menschen sehnen sich nach der ewig anhaltenden Liebe. Nur wenigen gelingt es, sie zu finden und auch festzuhalten. Ist es einfach nur Glück, wenn es klappt, Pech, wenn es schiefgeht? In Staufenberg feiern Sigunde und Ludwig Gilliard morgen ihren 70. Hochzeitstag. Zwar Gnadenhochzeit genannt, machen die beiden jedoch einen noch ziemlich agilen Eindruck. Trotz ein paar altersbedingter gesundheitlicher Einschränkungen, auf deren Besserung sie hoffen, haben sie ihr Leben immer noch im Griff und nehmen am Staufenberger Dorfgeschehen regen Anteil.

Alles, was nahezu ewig zu währen scheint, nahm einmal einen Anfang. Für Ludwig und Sigunde war dieser zur Fastnacht 1947, als dem 24-jährigen Ludwig aus Staufenberg die 18-Jährige auffiel - und sie gefiel ihm gleich. Noch kannte er nicht ihren Namen, wusste nicht, dass sie und ihre Schwester zusammen mit ihrer Mutter gerade aus Schlesien gekommen waren und in Kappelrodeck, der Geburtsstadt ihres Vaters, eine neue Heimat gefunden hatten.

Damals war "Gundi", wie Ludwig seine Frau heute nennt, bei den französischen Streitkräften für das Wohl von vier Kleinkindern verantwortlich. Eine Aufgabe, die ihr lag, wollte sie doch eigentlich Hauswirtschaftslehrerin werden. Ludwig, der gelernte Elektriker, war gerade aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassen und wieder nach Hause in die Staufenberger Straße zurückgekehrt. Dem ersten Treffen folgten weitere, die Beziehung nahm Fahrt auf, so dass Ludwig und Sigunde nur Monate später das Aufgebot bestellten. "Damals gab es so etwas nicht, dass man das Zusammenleben erst jahrelang proben konnte", wie sich Ludwig lächelnd erinnert. "Na dann heiraten wir eben", waren sich beide damals schnell einig. Und genau das machten sie am 14. August 1948.

Heirat im bodenlangen Seidenkleid

Sigunde im bodenlangen, weißen Seidenkleid, das ihre Mutter genäht hatte, den duftigen Schleier im frischgelockten Haar festgesteckt. Nicht zu vergessen: mit einem Strauß rosafarbener Nelken im Arm. Ludwig im weißen Hemd und dunklen Anzug. Von der Trauung in der Gernsbacher Kirche zurückgekehrt, kam für die Festgesellschaft dann alles auf den Tisch, was Küche und Keller in diesen kärglichen Jahren bieten konnten. Noch immer wohnen Gilliards in dem Haus, das von Ludwigs Vater gebaut wurde und im nächsten Jahr 100 Jahre alt wird. Ihre Töchter Angelika und Christine wurden geboren, die Familie war komplett.

Ludwig Gilliard arbeitete ab 1949 im Postdienst und war bis zu seiner Pensionierung als Kraftfahrer tätig. "Gundi" Gilliard übernahm Jahre später, dank ihrer hauswirtschaftlichen Vorbildung und nach besuchten fachlichen Lehrgängen, eine Metzgerei-Filiale in Baden-Baden und führte sie 26 lange Jahre. Ihr Mann unterstützte sie dabei, soweit sein Schichtdienst das zuließ. Beide Töchter gediehen und zogen aus. So hätte es für die Familie weitergehen sollen. Doch dann kam es zum Bruch in der bis dahin so geraden Welt: Die jüngere Tochter verstarb plötzlich - und die noch kleine Enkelin brauchte die Zeit und Zuwendung ihrer Großeltern. Die Tage waren immer zu kurz, und manchmal auch die Abende, wenn Ludwig Nachbarn half, im Staufenberger Feuerwehrhaus zusammen mit Freunden Skat spielte oder sich um das Wohlergehen der "Familienkutsche" genauso rührend kümmerte.

Auch Sigunde war gern unterwegs, genoss zusammen mit anderen Sportbegeisterten einmal wöchentlich "Die fröhliche Morgengymnastik". Und zwischendurch sorgten noch Lesen, das Nähen und Stricken für schönen Zeitvertreib, ebenso die Gartenarbeit, auch wenn sie schweißtreibender ausfiel.

Jeder macht "seins". Daran sind schon manche Beziehungen zerbrochen. Auch Sigunde und Ludwig waren und sind nicht immer einer Meinung. Aber noch immer haben sie sich versöhnt. Und wenn sie bei frisch gebrühtem Kaffee und selbstgebackenem Kuchen zusammensaßen, planten die Gilliards, wohin sie demnächst verreisen könnten. Wochen später stiegen sie dann in ein Flugzeug, mehrmals schon landete es auf Teneriffa. Auch an die Aufenthalte im bayerischen Kneipp-Kurort Hopfen am See haben sie schöne Erinnerungen. "Vielleicht fahren wir bald wieder einmal hin", ist Sigunde zuversichtlich. "Doch erst müssen wir wieder fit sein", ergänzt ihr Mann.

Ludwig Gilliard gefällt "alles" an seiner Frau

Wer Ludwig Gilliard fragt, was er an seiner Frau am meisten liebt, bekommt eine nur kurze Antwort: "Alles!" Für Sigunde sind es seine Hilfsbereitschaft und die Zuverlässigkeit, die sie an ihrem Mann besonders schätzt. Und auf den Gesichtern beider ist statt einer fast schon erwarteten Antwort, wie es gelingen kann, schon fast ein ganzes Leben zusammenzuleben, ein glückliches Lächeln zu sehen.

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