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Laute Rock-Musik rettet Forbacher den Führerschein
Laute Rock-Musik rettet Forbacher den Führerschein
22.08.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach/Forbach (ham) - "Nächstes Mal drehen Sie die Musik erst nach dem Losfahren laut!" Mit diesem wohlwollenden Ratschlag von Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch endete gestern eine Verhandlung in Gernsbach glimpflich, bei der einem Forbacher eine Verurteilung wegen Fahrerflucht gedroht hatte - für einen Bagatellunfall von 757 Euro.

Am 6. April touchierte er auf einem Parkplatz an der Forbacher Hauptstraße unstrittig mit der Anhängerkupplung eines Mercedes-Kleinbusses Viano einen dort ebenfalls abgestellten VW Golf. Ein Nachbar reparierte gerade seinen Gartenschlauch und hörte plötzlich aus rund 25 Metern Entfernung ein "lautes Krachen. Ich bin erschrocken", erzählte der Rentner. Das Fahrzeug fuhr flott aus der Parklücke und stand neben dem VW. Danach dachte ich: Alles wird gut. Der steigt aus und klärt alles. Doch dann fuhr der Bus weg." Geistesgegenwärtig notierte sich der 70-Jährige das Kennzeichen - nichtsahnend, dass es sich quasi um einen Nachbarn handelte - und befestigte einen Zettel am beschädigten Golf.

Die Besitzerin meldete sich bald bei ihm. "Hätte ich gewusst, dass es ein Bekannter war, hätte ich mich nicht an die Polizei gewandt", erzählte die Geschädigte angesichts des geringen Schadens mit einer Delle, die sie auch noch nicht beheben ließ. Die Polizei ermittelte den Täter - für eine private Einigung war es zu spät. Die Staatsanwaltschaft übernahm die Regie und stellte im Juni den Strafbefehl aus.

Der Angeklagte schwor, nichts von der leichten Kollision beim Rückwärtsfahren bemerkt zu haben. "Den Piepser hörte ich wahrscheinlich nicht", mutmaßte der 56-Jährige und schob dies auf regelmäßig lautes Hören von "Rock-Musik". Seine Gattin bestätigte später, dass sie beide auch gerne Heavy-Metal-CDs im Auto laut aufdrehten. Gespräche in normaler Lautstärke seien daher kaum möglich - und sie habe auch beim Rückwärtsfahren als Beifahrerin nichts bemerkt, sonst hätte sie das ihrem Ehemann gesagt, betonte die Frau. Der Angeklagte ergänzte, dass der Abstandswarner weiter "grüne Lämpchen" gezeigt habe.

Dies schloss der Sachverständige, der die Situation mit den beiden Unfallfahrzeugen auf dem abschüssigen Parkplatz noch einmal nachstellte, trotz der Abstandsverlängerung durch die Anhängerkupplung aus. Für möglich hielt er jedoch, dass der laute Aufprall durch die laute Musik im Innenraum - bei jeweils bis zu 75 Dezibel - übertönt wurde. Weil der Angeklagte auch bis dato unbescholten war, beließ es Koch im Zusammenspiel mit der Staatsanwaltschaft in diesem "Graubereich" bei einer Geldbuße von 30 Euro. Zudem muss der Forbacher neben den Ausgaben für seinen Verteidiger auch die Hälfte der Verfahrenskosten tragen sowie natürlich den Schaden am Golf, der auf rund 757 Euro (brutto) geschätzt wurde.

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