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Sprache kann Brücke oder Mauer sein
Eva (von links, hinten), Anja Seitz und Eugen Seitz-Harsch zusammen mit Vincent Olaseni Pinheiro, der keine Angst mehr hat vor Hunden wie Charly und Othello.  Foto: Gareus-Kugel
23.08.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach (vgk) - "Pünktlich und sauber", kommt Vincent Olaseni Pinheiro als Erstes in den Sinn, wenn man ihn nach seinen Eindrücken von Deutschland fragt. In Nigeria kann man nicht immer so pünktlich sein, erklärt er, dies sei auch der schlechten Infrastruktur geschuldet. Vor einer Woche kam er bei seiner Gernsbacher Gastfamilie, Anja Seitz und Eugen Seitz-Harsch sowie Tochter Eva, an und er findet es großartig - eine Einschätzung, die beide Seiten teilen.

Zuvor machte er auf Einladung des Goethe-Instituts in Berlin Station. Dort absolvierte er einen zweiwöchigen Deutschkurs. In seiner Heimat Ibadan, Hauptstadt des nigerianischen Bundeslands Oyo, unterrichtet der Lehrer am Polytechnikum Deutsch. Für den 45-Jährigen ist sein Gastland ein echtes Erlebnis, noch nie war er in einem deutschsprachigen Land unterwegs, bekennt er freimütig.

Er ist dankbar dafür, dass die Austauschorganisation "Experiment" (siehe "Zum Thema"), in Kooperation mit dem Goethe-Institut, ihm den Aufenthalt ermöglichte. Denn der Deutschlehrer hat eine Vision, von der er hofft, dass sie in Erfüllung geht. Für ihn ist Deutschland das Land der Ingenieurskunst und ein hiesiger Praktikumsplatz für seine Studenten die Chance auf eine Karriere. Vincent zeigt sich fest davon überzeugt, dass dies nur klappen kann, wenn man die Sprache beherrscht und die Kultur kennt. Der Lehrer versteht sich in seiner Zeit in Deutschland deshalb auch als Netzwerker. Besonders angetan zeigt er sich vom Informationsaustausch am KIT in Karlsruhe. Wenn er vom dortigen Gespräch berichtet, gerät er regelrecht ins Schwärmen, denn er hat diesbezüglich auch anderes erlebt. "Das war eine wunderbare Erfahrung. Mein Gesprächspartner gab mir Tipps, wie ich meine Idee weiterverfolgen kann", so Vincent. Er zeigt sich sicher, dass es im nächsten Jahr mit dem Studentenaustausch klappen wird. Pinheiro: "Die Sprache ist eine Brücke oder Mauer."

Ruhe und saubere Luft im Murgtal

Der Unterricht in seiner Heimat und an seiner Universität gestaltete sich zuweilen schwierig. In der Regel hat Pinheiro zwischen 60 und 300 Studierende zu unterrichten. Zwei Hilfskräfte unterstützen ihn bei seiner Tätigkeit. Die Anzahl der Studenten rechtfertige vier weitere Vollzeit-Lehrkräfte, aber es fehlt an Geld. Auch ihm steht nur eine Teilzeitstelle zur Verfügung.

Die Zweifel der Familie Seitz-Harsch, dass ihr Gast nach seinem Aufenthalt in der Millionenmetropole Berlin die Region zu ruhig finden könnte, zerstreuten sich schnell. Höchstes Lob hat er für seine Gernsbacher Gastfamilie übrig: "Sie ist sehr, sehr nett, es scheint, ich bin hier zu Hause. Es gefällt mir hier besser als in der Stadt. Die Luft ist sauber, und es ist schön ruhig."

Weiter fügt er an, dass seine Freundin nach der Heirat ihre Flitterwochen gerne in der Region verbringen möchte. Gleichwohl verbindet er mit seinem Aufenthalt in Berlin, ein besonders Erlebnis. Während des Besuchs von Schloss Sanssouci in Potsdam traf er auf eine junge Nigerianerin. Im Gespräch sollte sich herausstellen, dass ihr Vater sein Lehrer an der Universität war, an der er einst studierte. Aber es kommt noch besser. "Er war zudem noch der Kamerad meines Onkels, mit dem er zusammen in Navarra studierte."

Vincent ist ein fröhlicher Mensch. Von den Deutschen sagt er, dass sie zwar hilfsbereit seien, aber dies ohne ein Lächeln tun. Als es um die deutsche Küche geht, mischt sich Gastgeberin Anja Seitz ins Gespräch ein. Diesbezüglich ist er unkompliziert. Er isst alles. Ihm fehlt nur die gewisse Schärfe im Essen, die er von seiner heimischen Küche her kennt, betont Seitz.

In der Zwischenzeit hat Vincent Pinheiro nicht nur kulinarische Küchenklassiker kennengelernt, sondern auch die Region. Als evangelischer Christ besuchte er zusammen mit Gastgeber Eugen Seitz-Harsch den evangelischen Gottesdienst in der St. Jakobs-Kirche. Das Karlsruher Schloss stand ebenfalls schon auf der Besuchsliste, wie auch die Freilichtbühne Ötigheim.

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