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Den Sorgen und Nöten der Branche Gehör verschaffen
Konzentriert bei der Arbeit: Albert Kamm und sein Mitarbeiter Marius Ball (links) beim Praxisteil des Betriebsbesuchs der Landtagsabgeordneten Sylvia Felder. Foto: Juch
04.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gaggenau - Auf dem Friedhof in Bad Rotenfels arbeitet die Gärtnerei Kamm zurzeit an einem sogenannten gärtnerbetriebenen Grabfeld. Das Gaggenauer Traditionsunternehmen, das 2018 seit 90 Jahren existiert, legt für dieses Projekt "viel Idealismus" an den Tag und geht dafür finanziell "komplett in Vorleistung", wie Albert Kamm betont. Das imponiert der Landtagsabgeordneten Sylvia Felder: Die CDU-Politikerin kam gestern zu einem Betriebsbesuch mit Praktikumsanteil in die Kreuzstraße - und packte fleißig mit an.

Um den direkten Kontakt in die Politik zu finden und den Landtagsabgeordneten den Beruf des Landschaftsgärtners sowie die Branche näher zu bringen, hat der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg die Praktikareihe "GaLaBau trifft Politik" initiiert. Die Resonanz ist groß: Circa die Hälfte aller 143 Landtagsabgeordneten legt in einem Betrieb des jeweiligen Wahlkreises Hand an, wie Andreas Haupert im BT-Gespräch mitteilt. Der Referent beim Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau berichtet von aktuell rund 1400 Auszubildenden in der Branche in Baden-Württemberg. Damit verzeichne man eine ansteigende Tendenz: 2017 seien es im ganzen Land etwa 100 Azubis mehr gewesen als in den Vorjahren - darunter fast 50 Flüchtlinge.

Einer dieser Flüchtlinge lernt im dritten Lehrjahr bei Albert Kamm. Der Gärtnermeister in der Fachrichtung Zierpflanzenbau ist mit dem jungen Mann aus Gambia sehr zufrieden, auch weil er "schon sehr gut Deutsch spricht und schreibt". Insgesamt sind in seiner Gärtnerei aktuell 13 Vollzeit-Mitarbeiter beschäftigt (zwei Meister, vier Gesellen, ein Auszubildender, vier Helfer, zwei Büromitarbeiterinnen).

Vor welchen Herausforderungen ein Betrieb wie seiner steht, das erörtert Kamm mit seinem Gast aus dem Landtag. Dabei geht es unter anderem um die regelmäßigen neuen Gesetzesvorgaben und Vorschriften, die Unfallvorkehrungen, die fast nicht mehr zu erfüllen seien, die hohen Dokumentationspflichten sowie die Unsicherheiten, die durch neue Baugesetze, den Umweltschutz oder kommunale Vorschriften entstünden. Nicht zuletzt kommen auch die Themen Facharbeiter- und Arbeitskräftemangel sowie arbeitsgesetzliche Regelungen (Stichwort Mini-Job und Subunternehmer) zur Sprache.

Nach etwas mehr als zwei Stunden Theorie und einer Stärkung wird es dann ernst für die CDU-Politikerin. Am Kriegerdenkmal auf dem Friedhof in unmittelbarer Nachbarschaft des Firmensitzes legt die Gärtnerei Kamm in Kooperation mit der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner ein Parkgrabfeld mit bis zu 150 neuen Grabstellen an. Hinter der Idee steht der Wunsch vieler Angehöriger nach einem schön gepflegten Grab in einer würdevollen und harmonischen Umgebung - auch wenn sie sich nicht selbst um die Grabpflege kümmern können oder möchten. Das übernimmt in diesem Fall die Gärtnerei Kamm und erweitert so die Bestattungskultur in der Großen Kreisstadt, für die Albert Kamm auch tätig ist.

Seine Firma hat eine 90-jährige Geschichte. Angefangen hat alles 1928, als sein Opa in Ottenau eine Gemüsegärtnerei eröffnete. Der Betrieb wurde 1957 von Albert Kamm Senior an seinen Sohn Ernst Kamm übergeben. 1967 entstand das erste Gewächshaus in der Ebersteinstraße. 1999 erfolgte die Betriebsübergabe an Albert Kamm, der 2006 nach Bad Rotenfels umsiedelte und auf Garten- und Landschaftsbau umsattelte.

Wenn nichts dazwischen kommt, könnte im Jahr 2023 die Übergabe an Sohn Stephen Kamm erfolgen. Er hat am Montag eine Ausbildung in einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb in Karlsruhe begonnen und wäre dann die vierte Generation der Gärtnerei Kamm in Gaggenau.

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