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Rätsel um Gedenktafel am Sagenweg gelöst
Kaum noch zu entziffern: Der Inhalt der Gedenktafel am Sagenweg ist jetzt wieder komplett. Foto: Stadt
06.09.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach (wof) - Das Rätsel um die Gedenktafel am Sagenweg ist dank aufmerksamer Leser gelöst. Vergangene Woche hatte die Stadt Gernsbach in einem öffentlichen Aufruf im BT um Mithilfe gebeten, nun ist der Text entziffert und auch die Hintergründe über die Anbringung der Tafel sind dank eines Zeitzeugen weitgehend geklärt.

Die verwitterte und vielleicht am Ende auch vorsätzlich beschädigte Tafel befindet sich am Abzweig des Sagenwegs zum Grafensprung unmittelbar am hier steil aufragenden Fels zum Schloss Eberstein. Mit viel Mühe und detektivischem Spürsinn lesbar sind nur noch die Schlusszeilen, die einen religiösen Inhalt offenbaren: "Gebt eurem Gott/die Ehr/preiset ihn/betet ihn an" heißt es da in Großbuchstaben. Im oberen Teil lassen sich dagegen nur noch einzelne Wörter und Buchstaben erkennen, eine Zeile fehlt ganz.

Auf den Obertsroter Klaus Luft wirkte die Nachricht von der Tafel wie ein Weckruf, denn er und seine Familie hatten sich schon länger mit der verblassten und zu wesentlichen Teilen abgesprungenen Inschrift beschäftigt. Sein Sohn hatte nach einem bereits vor Jahren aufgenommenen Foto sogar fast fehlerfrei den vollständigen Wortlaut rekonstruieren können. "Es war mir eine Herzensangelegenheit", begründete Luft seine schnelle Kontaktaufnahme mit der Stadt. Den Text bestätigte unabhängig davon mit Bernd Goetz ein Facebook-Nutzer. Denn auch er postete mit Verweis auf religiöse Inschriften auf Bergkreuzen und in Kapellen die richtige Buchstabenkombination, wenngleich mit etwas anderem Zeilenumbruch: "Berge voll/Schönheit, Pracht/künden des/Schöpfers Macht,/der ist ohn/Anfang und End./Kommet ihr/Menschen her/gebt eurem/Gott die Ehr,/preiset ihn,/betet ihn an!"

Aber wie kam es am heutigen Sagenweg zu diesem christlichen Bekenntnis? Die Antwort lieferte der langjährige ehemalige Förster des Schlosswalds, Rudolf Koch. Auch er wandte sich noch am Erscheinungstag des Artikels telefonisch an die Stadt. Im persönlichen Gespräch rekapitulierte er dann wertvolle Einzelheiten.

Nach seiner Erinnerung war Anfang der 1970er Jahre eine evangelisch-freikirchliche Gruppe aus dem Mittelhessischen zu Besuch im Murgtal und auf Schloss Eberstein. Der Blick auf die Berge und ins Tal hinterließ nachhaltigen Eindruck, denn es kam das Angebot an die markgräflich badische Schlossverwaltung, eine Gedenktafel zu stiften. Der Wunsch der Spender, die Tafel unmittelbar am Schloss anzubringen, konnte nicht erfüllt werden, denn dort gab es damals aufwendige Sanierungsarbeiten. Doch Koch hatte eine andere Idee.

Geschrieben von Kunstmaler Willi Benz

Zu dieser Zeit kümmerte er sich mit großzügiger Duldung des Hauses Baden mit viel Energie um die Wiederherstellung der Fußwegenetze, die einst Großherzogin Luise rund um Schloss Eberstein hatte anlegen lassen. Insbesondere das Arboretum, der auch von Fachleuten hochgelobte baumkundliche Lehrpfad, gehört hier zu seiner bleibenden Hinterlassenschaft. So kam es, dass er einen der damals am Schloss tätigen Maurer, den Obertsroter Bernhard Strobel, bat, die Tafel an der heutigen Stelle anzubringen.

Geschrieben worden war die Inschrift von dem Gernsbacher Kunstmaler Willi Benz, wie das inzwischen nahezu verblasste Monogramm "wb" belegt und auch Luft bestätigt. Von Benz, der von seiner Kunst nicht leben konnte und deshalb vor allem als Reklamemaler tätig war, existiert im Stadtarchiv eine Mappe mit sehr schönen Federzeichnungen der Gernsbacher Brunnen. Erst im Ruhestand konnte er sich mit der Galerie im "Palmengarten" der Familie Katz einen langgehegten Wunsch erfüllen.

Der Spruch selbst verweist in die Eidgenossenschaft. Zu finden ist er häufiger in Kombination mit einer Strophe, die der Berner Theologe Karl von Greyerz als Variante für "Großer Gott, wir loben dich" geschrieben hat und die bis heute im Gesangbuch der Evangelisch-Reformierten und der Christkatholischen in der Schweiz steht.

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