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Murgtal-Perle verliert Liebreiz
22.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach/Gaggenau - Ein prosperierendes Gewerbe, das keinen Lärm und keinen Dreck verursacht, ist für jede Stadt ein Gewinn. Über einen solchen darf sich jetzt Gaggenau freuen. In der Hauptstraße 28 (vormals Quick Schuh, zuletzt Blumen Hertweck) siedelt sich ab Januar 2019 das Geschäft von Tanja und Sven Schmidt an. Das Ehepaar betreibt seit Ende 2014 in seinem Haus in der Kelterbergstraße ein Brautstudio. Alles lief bestens, bis die Stadt Gernsbach plötzlich die Gewerbenutzung untersagte.

"Wir verstehen bis heute das Problem nicht", betont Sven Schmidt im BT-Gespräch: "Es ist ein sehr ruhiges Studio. Kunden kommen ausschließlich auf Termin. Es gibt weder Schaufenster noch Laufkundschaft." Zwei bis drei Kundenbesuche pro Werktag habe Liebreiz Brautmode im Schnitt. Eine Belästigung der Nachbarn könne also ausgeschlossen werden. Das habe laut Schmidt auch das städtische Bauamt so gesehen, das nach einem Vor-Ort-Termin Anfang 2014 die Zulässigkeit bestätigt habe. Zudem war bereits im Jahr 1995 eine Gewerbegenehmigung (Kosmetikstudio, Büro, Werbeagentur) für das Gebäude erteilt worden - und zwar mit "erheblichem Besucherverkehr".

Offenbar hat es im Oktober 2017 drei Anwohner-Beschwerden gegen das Brautmodengeschäft in der Kelterbergstraße gegeben, nachdem die Schmidts weitere Räume in ihrem Haus dauerhaft für eine Ausstellung nutzen wollten und deshalb beim Bauamt um ein Gespräch gebeten hatten. Persönlich habe sich bei dem Ehepaar nie jemand über das Brautstudio beklagt, deshalb nennt Schmidt die Beschwerden bei der Stadt "konstruiert".

"Aus unserer Sicht war das heutige Ausmaß des Gewerbes (...) nicht mehr mit der Wohnnutzung vereinbar", erklärt Stadtbaumeister Jürgen Zimmerlin: "Daher waren wir gezwungen, die Nutzung zu untersagen. In gemeinsamen Gesprächen haben wir versucht, Lösungen zu finden, da auch wir interessiert sind, ein so erfolgreiches und gut frequentiertes Geschäft in Gernsbach halten zu können." Des Weiteren weist Zimmerlin darauf hin, dass die Nutzung des Brautstudios im besagten Wohngebiet von der Stadt Gernsbach lediglich geduldet worden sei, "da uns die Inhaberin damals glaubhaft versicherte, dass sie das Studio nur als Hobby beziehungsweise im Nebenerwerb betreiben würde".

Die Aussagen Zimmerlins weist Sven Schmidt zurück. Man habe das Gewerbe "ganz normal angemeldet", von einer Duldung sei nie die Rede gewesen. Das eine Gespräch, das man am 29. August mit Bürgermeister Julian Christ und Zimmerlin geführt habe, sei nur zustande gekommen, "weil wir darauf gedrängt haben" - die Suche nach einem neuen Standort lief da längst.

Das Ehepaar habe sich "aufgrund der unverschämten Verhaltensweisen der Stadt Gernsbach" entschlossen, seine Zelte künftig in Gaggenau aufzuschlagen. Dennoch möchte es den Vorgang nicht einfach so zu den Akten legen - zumal er nicht unerhebliche Anwaltskosten verursacht habe. "Ich lebe 25 Jahre in Gernsbach, und wir sind auch weiterhin Bürger dieser Stadt. Wir haben Interesse an einer Klarstellung und werden uns nicht weiterhin für dumm verkaufen lassen", sagt Schmidt. Er und seine Frau haben sich am Donnerstag mit einem Schreiben an den Bürgermeister und an alle Gemeinderäte gewandt, mit der Bitte um Klärung.

Eigenen Angaben zufolge laufen die Geschäfte bei Liebreiz Brautmode gut. Deshalb planten die Schmidts für 2020 den Umzug in ein größeres Geschäft innerhalb ihrer Heimatstadt. Diesen Schritt haben sie nun vorgezogen - allerdings in Richtung Gaggenau. Nach Anfragen bei mehreren Städten und Gemeinden in der Umgebung habe sich Wirtschaftsförderin Kerstin Wiedemann gemeldet und die Immobilie in der Hauptstraße angeboten. Sven Schmidt lobt das große Engagement Wiedemanns, das Brautstudio in die Große Kreisstadt zu holen.

Das hätte er sich auch von Gernsbach erhofft. Doch dort habe es im Rathaus nur geheißen, dass der Gemeinderat die Wirtschaftsförderung gestrichen habe und man sich aus Personalgründen nicht um so etwas kümmern könne. "Wir sind keine Gegner der Gemeinde, sondern Bürger und finanzieren mit erheblichen Steuerzahlungen den Haushalt unserer Heimatstadt mit", erinnert Schmidt: "Wir erwarten eine zeitgemäße Verwaltungsethik und Gesprächspartner in unserem Rathaus - und keine Wild-West-Methoden."

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