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"Mehr Angst vor Zeckenbiss als vor dem Wolf"
Sieben Aktive von 'Wiki Wolves' zäunen eine Weidefläche in Reichental ein.  Foto: Uebel
25.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Dagmar Uebel

Gernsbach - Die Rückkehr des Wolfs erhitzt die Gemüter im Nordschwarzwald. Große Begeisterung ruft er bei Tierfreunden hervor, die die biologische Vielfalt erhalten wollen. Tierhaltern treibt der Wolf dagegen tiefe Sorgenfalten auf die Stirn, nachdem kürzlich nahe Bad Wildbad 40 Schafe einer Wolfsattacke zum Opfer fielen. Zudem verlor Hans-Joachim Graf vier Schafe durch das Wildtier mit der Kennung GW852m. Am Wochenende erhielt der Reichentaler nun Hilfe durch "Wiki Wolves".

Diana Dengler, die Gebietsleiterin für den Schwarzwald, sieht mit Blick auf den Wolf keinen Anlass für Panik: "Vor Zeckenbiss oder Wildschweinen hätte ich mehr Angst." Im nächsten Atemzug räumt sie ein: "Zunächst haben wir die Situation etwas unterschätzt. Aber wir von ,Wiki Wolves' tun ja inzwischen was" und deutet auf das gestickte hellgrüne Logo auf ihrer dunkelgrünen Weste.

Dengler tigerte in den vergangenen drei Monaten etwa 5000 Kilometer quasi von Tierhalter zu Tierhalter, um sie zu beraten und die raubtiersichere Unterbringung in Ställen und auf Weideflächen zu kontrollieren. Mit ihrer Initiative ist Dengler nicht allein, existieren doch inzwischen in fast allen Bundesländern Teile der "Wiki Wolves", die sich ehrenamtlich für das einvernehmliche Miteinander von Nutz- und Raubtieren kümmern. Sie lobt die gute und effektive Unterstützung durch das Herdenschutz-Ausbildungszentrum. Da ein Wolfsübergriff nie komplett auszuschließen ist, besteht der beste Herdenschutz aus aufmerksamen Herdenschutzhunden und einer sicheren Umzäunung der Weideflächen. Die Schutzzäune sollten unter Elektrospannung (mit mehreren Elektrolitzen) stehen und Flatterbänder aufweisen.

Am Sonntag gingen sieben Freiwillige der Organisation in Reichental ans Werk. 250 Meter Weidefläche des Schafhalters Graf galt es zu umzäunen mit einer Wolfsbarriere. Mit langen Hosen und trittsicherem Schuhwerk arbeitete das Septett Hand in Hand beim Aufstellen der fünf orangefarbenen Zaunsegmente, beim tiefen Versenken der Befestigungsstäbe im Boden und beim Arretieren der weißen Eckpfähle. Nach dem sicheren Aufstellen, der Ausrichtung der Segmente und der Beseitigung von Hindernissen erfolgte in einem letzten Arbeitsgang der Anschluss der stromführenden Litzen an das in einem diebstahl- und witterungssicheren Kasten untergebrachte Weidezaungerät. Dieses soll mit kurzen, etwa halbsekündigen elektrischen Impulsen Wolfssicherheit bringen und die Nutztierherde schützen.

Trifft es beim Berühren der stromführenden Litzen aber nicht die Schafe oder Ziegen? Im Gegensatz zu "Weichfüßlern" sind horn- und klauentragende Tiere viel mehr gegen Strom "immun". Zudem gilt: "Wölfe lernen schnell", erläutert Dengler, "dasselbe Risiko eines schmerzhaften Stromschlags gehen die freiwillig nicht ein."

Die Aktivistin macht sich aber auch nichts vor: Sie vermutet, dass GW852m nicht alleine bleiben wird. Daraus ergeben sich für die Tierhalter neue, bisher ungewohnte Herausforderungen. Wichtig sei aber genauso die Einsicht der Herdenbesitzer, sich überhaupt unterstützen lassen zu wollen.

Die Gebietsleiterin lobt die relativ unbürokratische Herangehensweise bei Anträgen beim Landratsamt, bei der Genehmigung durch das Umweltministerium Baden-Württemberg und beim Aufstellen der mobilen Zäune. Für diese ist im Unterschied zu festen Umzäunungen keine Baugenehmigung erforderlich und die Zaunkosten werden zu 90 Prozent bezuschusst. Fast noch wichtiger: Die mobile Umzäunung kann mit relativ geringem Aufwand auf eine neue, noch nicht abgegraste Weidefläche umgesetzt werden. Am Sonntag war von den Aktiven in ziemlich unwegsamem Gelände bis in die Nachmittagsstunden voller körperlicher Einsatz gefordert. In der kurzen regenfreien Zeit nicht gerade das reine Vergnügen, verlangten vor allem die körperlich schweren Arbeiten volle Power. "Ach was, bei dieser guten Luft und dem Ausblick auf Reichental bis hin zu diesen fernen Höhen des Schwarzwalds ein Vergnügen", winkt Dengler ab und wirbt: "Wir freuen uns immer über Helfer."

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