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"Was wahr ist, muss wahr bleiben"
'Was wahr ist, muss wahr bleiben'
26.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Markus Mack

Gernsbach - Eindringlich nahm Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch den Angeklagten "ins Gebet". Dessen Verteidiger hatte zwei Verhandlungspausen genutzt, um diesen umzustimmen. Der Einspruch gegen einen Strafbefehl wurde zurückgezogen, der Gernsbacher muss wegen Trunkenheit im Straßenverkehr 1400 Euro bezahlen, sein Führerschein ist noch für weitere vier Monate gesperrt.

Vorangegangen war eine Verhandlung, in der deutlich wurde, dass der 21-Jährige mit einer Gruppe junger Leute, die sich regelmäßig auf dem Gernsbacher "Salmenplatz" trifft, "nicht grün" ist. Aus der Gruppe heraus war die Polizei informiert worden, dass der Angeklagte auf seinem Quad unter Alkoholeinfluss dort "Runden drehen" würde. Der ermittelte Alkoholwert lag bei 1,7 Promille, so der Vertreter der Staatsanwaltschaft.

Er habe mit zwei Freunden am 24. Mai von Gernsbach aus mit der Stadtbahn nach Rastatt fahren wollen, die Bahn aber verpasst. Deshalb sei man in Richtung Hörden gegangen und auf ein Mitglied der "Salmenplatz-Clique" getroffen, mit dem es in der Vergangenheit bereits zu Auseinandersetzungen gekommen sei. Dieser hätte ihm wohl den Schlüssel für das Quad abgenommen, erläuterte der Angeklagte, was er nicht bemerkt habe.

Schlüssel hat nicht interessiert

Am Abend sei man wieder aus Rastatt nach Gernsbach zurückgefahren. Auf dem Nachhauseweg habe er dann auf dem Salmenplatz bei der Clique sein Quad gesehen, sei aber damit nicht gefahren. Der Schlüssel für das Fahrzeug habe ihn zu diesem Zeitpunkt nicht interessiert, er wollte nur seine Ruhe haben.

Wenig Glauben schenkte Richter Koch diesen Ausführungen. Vielmehr hielt er ihm vor, dass es Aussagen gebe, dass er gefahren sei. Auf Nachfrage des Verteidigers sagte der Angeklagte, dass es mit der Clique schon mehrfach Streitigkeiten gegeben habe. Auch berichtete er von einer gebrochenen Nase nach einer Schlägerei. "Die haben was gegen mich und wollen mir eine reindrücken." Sein Quad sei ihm kurz nach dem Vorfall geklaut worden.

So ganz an Details wollte oder konnte sich eine befragte Zeugin nicht erinnern. Man habe getrunken, der Angeklagte sei mit dem Quad auf den Salmenplatz gekommen und habe dort einige Runden gedreht - mit freiem Oberkörper und ohne Helm. Warum ein anderes weibliches Mitglied der Clique die Polizei alarmiert hat, das konnte die Zeugin nicht sagen, aber "sie war genervt". Den Anruf bei der Polizei habe sie nicht beobachtet. "Weiß nicht" und "keine Ahnung" waren die meisten Antworten auf die Fragen von Richter Koch und Verteidiger Klaus Kuld - "Sie mauern", hielt dieser der Zeugin vor.

Ein weiterer Zeuge hatte zwar auch Erinnerungslücken, doch war er sicher, dass der Angeklagte und "ein Anderer" mit dem Quad gefahren seien. "Keine Ahnung" lautet, wieder die Antwort auf die Frage von Richter Koch, warum man aus einer Clique heraus die Polizei anruft, wenn ein anderer mit einem Quad rumfährt. Verständlich sei dies, wenn Anwohner sich gestört fühlen und dann die Polizei rufen. "Ich mag ihn nicht", so antwortete der Zeuge auf die Frage zu seinem "Verhältnis" zum Angeklagten.

Zwei Unterbrechungen der Verhandlung

Zweifel an der Aussage des "Entlastungszeugen" hatte der Amtsgerichtsdirektor. Der Freund des Gernsbachers berichtete von einer Flasche Wodka, die man zu dritt in Rastatt getrunken habe. Ob der Schlüssel für das Quad geklaut worden sei, das wisse er nicht. Das Fahrzeug sei jedenfalls bereits auf dem Salmenplatz gewesen, als sie ankamen.

"Man lässt einen Kumpel nicht ins Messer laufen", sagte Koch in Richtung Anklagebank. Sollte es eine Falschaussage geben, werde diese getrennt verhandelt. Eine erste Sitzungsunterbrechung brachte keine Erklärung des Angeklagten. Was passiere, wenn weitere Zeugen geladen würden, stellte Koch infrage. "Es läuft nicht so wie gewollt", sagte er zum Angeklagten. Er habe von der Gruppe "eins ausgewischt bekommen", entgegnete dieser zunächst.

Nach einer erneuten kurzen Rücksprache mit seinem Verteidiger kam dann doch die Einsicht. Der Einspruch gegen den Strafbefehl wurde zurückgezogen, die Staatsanwaltschaft stimmte zu. Der Entlastungszeuge sagte aus, dass der Angeklagte doch gefahren sei - so dass es für ihn keine rechtlichen Folgen gibt. "Was wahr ist, muss wahr bleiben", lautete das Schlusswort von Richter Koch.

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