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Internationales Interesse an Murgtal-Test
27.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach/Gaggenau - Während es im Gaggenauer Gemeinderat viele kritische Stimmen zum Projekt eWayBW gibt, überwiegt im Gernsbacher Gremium die Zustimmung. Das liegt auch daran, dass die Teststrecke in der Papiermacherstadt keine Baustellen mit sich bringt. "Auf Gernsbacher Gemarkung gibt es keine Oberleitung, nur Batteriebetrieb. Von daher begrüße ich das Projekt ganz außerordentlich", sagte Bürgermeister Julian Christ nach der knackigen Präsentation von Ministerialrat Marcel Zembrot.

Der Projektverantwortliche beim Referat Straßen und Erhaltungsplanung im Verkehrsministerium Baden-Württemberg hat in Gernsbach auf die Kritik aus Gaggenau reagiert und zu den einzelnen Vorwürfen Stellung bezogen. Die Teststrecke dient der ergebnisoffenen Evaluierung der Hybrid-Oberleitungs-Lkw unter realen Einsatzbedingungen. Dafür habe es - wegen der Streckenführung, der Streckenlänge und der Rahmenbedingungen (parallel verlaufende Bahnlinie, Gernsbacher Tunnel, Daimler, Papierindustrie) - keine bessere Straße gegeben als die B462. "Der Erkenntnisgewinn ist hier so groß, dass die Investition gerechtfertigt ist - selbst beim Rückbau der Anlage", zeigte sich Zembrot überzeugt: "Funktioniert es im Murgtal, funktioniert es überall."

Dieses "Überall" habe schon jetzt sehr großes Interesse an der Teststrecke im Murgtal, "obwohl hier ja noch gar nichts steht", betonte Zembrot. Der Ministerialrat verwies auf hochrangige politische Vertreter aus dem Ausland, die sich "das Schaufenster für eine neue Mobilität" vor Ort anschauen möchten.

Bereits am 9. Oktober stehe ein erstes Abstimmungsgespräch mit allen Beteiligten auf der Agenda, bei dem auch die Feuerwehr dabei sein werde, kündigte Zembrot an. Am Zeitplan habe das Veto aus Gaggenau nichts geändert. Auch wenn von dort ein förmliches Planfeststellungsverfahren gefordert wird, soll im Oktober das Vergabeverfahren starten. Der Zuschlag soll spätestens bis Januar 2019 erfolgt sein, damit noch im ersten Quartal des kommenden Jahres mit den Vorarbeiten begonnen werden kann. Für das zweite und dritte Quartal ist dann die bauliche Umsetzung geplant und im vierten Quartal der Testbetrieb der Anlage mit Schulungen, ehe von 2020 bis 2022 der Realbetrieb auf der Teststrecke folgt. 2023 könnte dann der Rückbau beginnen. "Das Thema entwickelt aktuell weltweit eine enorme Dynamik", sagte Zembrot und nannte als Beispiel Frankreich, wo gerade eine grenzüberschreitende Strecke für ein ähnliches Projekt gesucht werde.

Der Ministerialrat kündigte größtmögliche Transparenz an - durch regelmäßige Informationen über den Projektverlauf, einen Info-Point am Unimog-Museum, Flyer und einen Erklärfilm. Zudem soll es einen Tag der offenen Baustelle geben, bei dem Bürger in die Technologie eintauchen und in einem Hybrid-Oberleitungs-Lkw mitfahren können. Auch werde ein Projektbegleitkreis eingerichtet, dem unter anderem alle betroffenen Kommunen, der Landkreis Rastatt und Vertreter der Feuerwehr angehören.

"Neue Antriebe muss man auch mal testen", zeigte Dr. Irene Schneid-Horn (SPD) Verständnis für das Projekt, das für Gernsbach auf jeden Fall weniger Lärm und weniger Luftschadstoffe bedeute. Schließlich fahren nicht mehr, sondern andere Lkw von den Papierfabriken in Obertsrot zur Spedition Fahrner nach Kuppenheim.

Neben den (vor allem von der CDU) bereits mehrfach genannten grundsätzlichen Vorbehalten gegenüber dem Projekt ist die einzige Sorge, die mehrere Gernsbacher Kommunalpolitiker umtreibt, die wegen weiterer Baustellen auf der B 462 - der Lebensader des Murgtals, deren Anliegerkommunen ohnehin schon leidgeprüft seien.

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