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Multikulti-Talent mit drei Identitäten
Multikulti-Talent mit drei Identitäten
02.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Regina Frammelsberger

Gaggenau - Eine Russin, eine Türkin, eine Deutsche - und doch nur eine Person: Liza Kos! Mit ihrem vielschichtigen Bühnenprogramm "Was glaub ich, wer ich bin?" sorgte die Aachener Kabarettistin für einen gelungenen Samstagabend im klag. Mit gesungenen und erzählten Geschichten bekam der Zuhörer eine Ahnung davon, wie schwierig Integration sein kann.

Diese hat die aus Moskau stammende Elizaveta Kostyuk auf spezielle Art erlebt, als sie mit 15 Jahren nach Deutschland kam und bald einen türkischen Freund hatte. Nach vier kopftuchtragenden Jahren lernte sie mit einem deutschen Lebenspartner den Karneval kennen, den sie für den Inbegriff deutscher Kultur hielt und sich endlich richtig "intrigiert" fühlte.

Von der Tussi-Russin zur Feministin

Über Vorurteile und Integrationsprobleme weiß die Künstlerin also bestens Bescheid und packte ihre gewonnenen Erkenntnisse in pointiert vorgetragene Lieder und teils bizarre Alltagsgeschichten. Mit unaufgeregter Klarheit stellte sie drei verschiedene Frauenrollen dar, die sich manchmal gleichzeitig in ihrem Kopf tummeln: die hübsche Tussi-Russin, die Kopftuch tragende Türkin und die deutsche Feministin. Mit breitem russischem Akzent gab sie als "Svetlana Kalaschnikova" dem Publikum Nachhilfe beim "rollenden R" und griff zu ihrer "integrierten Balalaika" (ihrer Gitarre), um kraftvoll aus dem Moskauer Leben zu erzählen: "Im Sommer ist der Himmel blau - und die Menschen sind es auch." Entgegen der Trunkenheit gilt bei den Türken das Patriarchat und zu einer sich unterordnenden Türkin gehört das Kopftuch. Dieses Klischee nutzte Liza Kos, um sich auf der Bühne schnell in die Figur von Aynur zu verwandeln, die im melodischen Gebetsgesang von ihren Erfahrungen erzählte.

Dauerschmunzeln und plötzliche Lacher

Akzentfrei und in astreinem Deutsch präsentierte sie sich wiederum als Liza Kos. Augenzwinkernd spielte das Multikulti-Talent mit ihren drei Identitäten und zog jede Nation mindestens einmal durch den Kakao. Damit sorgte sie beim Publikum für Dauerschmunzeln und plötzliche Lacher nach verzögerten Gags: "In Russland heiratet man aus tiefster, inniger Liebe - zum Geld." Immer wieder wurde das Publikum aktiv eingebunden und machte bei allen Sprachübungen gut gelaunt mit. Auch zum Mitsingen eines eingängigen Refrains konnte Liza Kos die verhältnismäßig wenigen Zuschauer animieren: "Russland, Russland, das ist schöner Land." Mit ihrem letzten Lied stellte die Künstlerin aber schließlich klar: "Deutschland - nein, Du hast mich nicht geboren. Aber Deutschland - ich hab' an Dich mein Herz verloren." Somit scheint ihre verrückte Integration letztlich doch geglückt zu sein.

In der Bühnenpräsentation "Was glaub ich, wer ich bin?" vereinte die 37-jährige Kabarettistin nicht nur ihre drei Identitäten, sondern ebenso ihre musikalischen, sprachlichen und künstlerischen Talente. Wer davon noch nicht genug hatte, bekam am Ende "für zehn Euro eine CD geschenkt". Sicher wird man in Zukunft noch mehr von der Gewinnerin des ostfriesischen Kleinkunstpreises und zahlreicher Songwriter-Slams hören, die in großen Teilen Deutschlands schon seit 2015 zur bekannten Comedy-Szene gehört. Bis nach Gaggenau scheint ihr Bekanntheitsgrad noch nicht durchgedrungen zu sein. Vielleicht erlebt sie bei ihrem nächsten Besuch im Murgtal auch hier einen voll besetzten Zuschauerraum.

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