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"Viele Ecken kennen und lieben gelernt"
08.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gaggenau - "Wir im Norden laufen nicht so viel - wir fahren mit dem Auto ans Meer und laufen vom Parkplatz zum Strand. Das ist es dann auch", hat ein Lübecker geulkt. Deutlich länger als sein Bekannter war Christian Thalacker unterwegs: Ein Stück über Lübeck, in Flensburg, begann der 66-Jährige und marschierte quer durch Deutschland bis nach Basel.

Während der Rotenfelser auf dem Fahrrad schon mal mehrere tausend Kilometer durch zig Länder hintereinander strampelt, splittete er die Mammutaufgabe per pedes in vier Jahresetappen auf. "Ursprünglich wollte ich es in nur zwei Jahren schaffen", berichtet Thalacker, "aber zeitlich wurde es mir dann doch zu lang." Außerhalb der Ferienzeiten muss der Tischtennis-Vorsitzende der TTG Bischweier "daheim sein. Außerdem bekam ich auf der langen Strecke zwischen Flensburg und Braunschweig Lust auf mein eigenes Bett - und jeden Tag Wäsche zu waschen, das nervt auch ..." So verteilte er den Gewaltmarsch über 81 Tage auf die Jahre 2015 bis 2018.

Die zweite Tour nahm Thalacker wieder in Braunschweig auf und wanderte bis Marburg. 2017 ging es von der Universitätsstadt weiter bis Darmstadt. Und heuer stand dann der Schlussakkord von Hessen bis Basel auf dem Programm - allerdings noch dreimal unterbrochen. "Als die Hitzewelle kam und ich daheim in Bischweier vorbeilief, dachte ich mir, dass das bei 38 Grad nicht sein muss. So ging ich noch bis Forbach und wartete anschließend auf angenehmeres Wetter. Als weder Sonne noch Regen kolossal störten, folgten die letzten Etappen von Forbach nach Hausach und von dort gen Basel." Insgesamt bewältigte er exakt 1802 Kilometer.

Auf die Idee verfiel Thalacker, als er im Fernsehen einen Film vom Andreas Kieling sah, der "eine Dokumentation gedreht hatte über seine Wanderung entlang des Grünen Bandes, dem Wanderweg an der ehemaligen DDR-Grenze". Daher reifte in dem Rotenfelser der Gedanke, Deutschland "mal nicht vom Fahrradsattel aus anzusehen, sondern aus den Wanderstiefeln". Dabei stellte der Murgtäler rasch fest: "Mit dem Fahrrad mal schnell zehn Kilometer weiterzufahren, ist wesentlich einfacher zu bewältigen, als eine solche Strecke noch einmal an das Wanderteilstück anhängen zu müssen. So war die Planung einer Tagesetappe oft damit verbunden, wie ich abends eine Unterkunft buchen konnte."

Die Teilstücke der ersten drei Jahre bis Darmstadt kamen ihm "sehr einsam" vor. "Ich traf nur wenige Fernwanderer. Nur an den Wochenenden war etwas mehr los dank der Tageswanderer." In Darmstadt rochierte er 2018 auf den E1 bis Pforzheim, um dann in der Goldstadt auf den Westweg zu wechseln, der über die Schwarzwaldhöhen nach Basel führt. Diese Streckenteile seien die "spannenderen Wege gewesen, weil deutlich kommunikativer. Ich war einfach nicht so alleine unterwegs", analysiert Thalacker.

Ausschweifende Abstecher

Insgesamt gibt es zwölf europäische Fernwanderwege, von denen einige quer durch Deutschland verlaufen. Auf dem E6, der in Flensburg beginnt, startete der Murgtäler seine lange Tour. Die führte jedoch nicht schnurstracks hinab in den Süden nach Basel. "Ich hatte auch Zwischenziele, zum Beispiel den Harz mit seinem Hausberg Brocken", erzählt Thalacker von seinen ausschweifenden Abstechern, die den Weg durch Deutschland (maximal 876 Kilometer) mehr als verdoppelten.

"Die großen Fernwanderwege wie der E1 oder E6 und der Westweg sind ausgezeichnet ausgeschildert und manchmal autobahnähnlich, aber - vor allem in den Gebirgen - auch abenteuerlich. Für meinen Geschmack führen sie jedoch zu wenig an sehenswerten Orten vorbei", begründet der Murgtäler seine zeitraubenden Umwege, um unterwegs mehr anschauen zu können.

Durchschnittlich absolvierte der Abenteurer pro Tag 22,2 Kilometer. "Auf den flacheren Stücken plante ich 25 bis 30 Kilometer. Auf den bergigen Teilstücken wie im Harz oder Schwarzwald ließ ich es auch mal bei 20 Kilometern bewenden", berichtet Thalacker von seiner Planung mit leichtem Gepäck, so dass der Rucksack mit nicht mehr als zehn Kilogramm zu schleppen war.

In Erinnerung sind ihm Höhepunkte wie die Hafenrundfahrt in Kiel, wo die "Gorch Fock" vor Anker lag, die Hanse- und Marzipanstadt Lübeck, Mölln als Wiege von Till Eulenspiegel, Wolfhagen mit Blick auf die Gebrüder Grimm, Braunschweig als Geburtsort des Naturwissenschaftlers Carl Friedrich Gauß, der Urwald in Sababurg oder - etwas weltlicher - Wolfenbüttel mit dem "Jägermeister"-Stammhaus der Firma Mast. Nicht zu vergessen der Hugenotten-Waldenserpfad, der in Deutschland von Schaffhausen bis nach Bad Karlshafen an der Weser verläuft. Der Weg führt entlang der Flüchtlingsrouten von den Waldensern aus dem Piemont und den Hugenotten aus den Savoyer Alpen durch die Schweiz nach Deutschland.

Trotz aller Mühen bereut Thalacker die Tortur keine Millisekunde lang. Sein Fazit lautet: "Ich lebe in einem schönen Land, ich bin stolz auf meine Heimat und habe im Laufe der Wanderungen viele Ecken Deutschlands kennen und lieben gelernt. Ich bin erstaunt, was man alles entdeckt, wenn man sich damit ausführlich beschäftigt." Deswegen geht er irgendwann wieder auf große Tour, "egal, ob zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem öffentlichen Nahverkehr".

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