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Auch die "Hundebuche" darf bleiben
09.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Der Deutsche und sein Wald - nicht erst seit Joseph von Eichendorff die Einsamkeit im Walde wundersam romantisch zu verklären wusste, hat der Deutsche ein besonderes, ja ein gefühlsbeseeltes Verhältnis zum Forst. Wenn zur emotionalen Nähe die unmittelbare Nachbarschaft gleich hinterm Gartenzaun kommt, ist Vorsicht angesagt bei den Forstleuten. Erst recht, wenn sie Bäume fällen wollen, so wie ab Mitte Oktober in Gaggenau.

So viel darf man wohl vorwegnehmen: Es wird sich niemand an Bäume ketten, wenn der Harvester anrollt. Auch Baumhäuser bewohnende und Kotbeutel schmeißende Chaoten sind bislang nicht gesichtet worden. Schließlich hat Revierförster Jochen Müller mit Um- und Weitsicht die Arbeiten geplant - und nicht zuletzt gibt es auch eine Reihe von Bürgern, die sich auf das Knattern der Motorsägen freuen. Dann nämlich, wenn sich einzelne Bäume wegen ihres Laubfalls oder wegen aufs Autoblech herabfallender Eicheln als Ärgernis erweisen oder wegen möglicher Umsturzgefahr für Stirnrunzeln sorgen.

Eine Vielzahl von Interessen also, die es zu berücksichtigen gilt, neben dem forstlichen Ansinnen, rund 1000 Festmeter Holz zu ernten - schließlich ist der Stadtwald auch ein Wirtschaftsfaktor. Rund zehn Jahre ist es her, dass zwischen Waldfriedhof und Wohngebiet Sommerhalde II in großem Maßstab Bäume gefällt wurden.

Es ist nicht nur die unmittelbare Nähe zu dem Wohngebiet, das als Rodungsinsel Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre in den Wald geschlagen wurde. Es ist die Nähe zu Straßen und Verbindungswegen, es ist sind die Bombentrichter und die -splitter in den alten Stämmen, die eine besondere Herangehensweise erfordern.

"Ein vom Wald eingeschlossenes Wohngebiet, so etwas hat man selten", weiß Forstdirektor Markus Krebs, der Leiter des Forstbezirks. Die Suche nach Erholung einerseits, die Sorgen um Haus und Grundstück andererseits sind nicht die einzigen Faktoren. Schließlich begrüßen es die privaten Holzmacher, dass sie wohnortnah und gut erschlossen den eigenen Brennholzvorrat auffüllen können.

Nun, im beginnenden Herbst, sei die richtige Jahreszeit für großflächige Fällarbeiten, erläutert Revierförster Jochen Müller. Der Boden ist trocken und fest - somit werde kein Matsch auf die Spazierwege ausgetragen. Schließlich sind die Wege an der Sommerhalde traditionelles "Hunde- gassi"-Areal. Und falls der Dezember, wie er es oft ist, regnerisch sein sollte: Bis dahin werden die Fällarbeiten nach rund drei Wochen längst abgeschlossen sein.

Hintergrund

Gut 20 Hektar umfasst die Fläche, die Jochen Müller einer genaueren Untersuchung unterzogen hat. Die alten Rückegassen hat er wieder aufgespürt. In ihnen müssen die schweren Erntemaschinen fahren, damit nicht noch mehr Waldboden in seiner natürlichen Struktur gestört wird. Computergesteuert machen sie in Sekundenschnelle aus einem Baumriesen Nutzholz - und dies dabei gleich im optimalen Verhältnis von Sägewerksholz, Palettenholz oder Brennholz. Im 40-Meter-Raster sind diese Rückegassen angelegt; markiert sind sie durch blaue Doppelstriche an den sie begrenzenden Stämmen. Sie sind auch für die privaten Holzmacher maßgeblich. Nur dort dürfen sie im Ausnahmefall mit einem Fahrzeug das Wegenetz verlassen. Auch bei der Wahl der Sprühfarbe hat sich Müller Gedanken gemacht. Während die zu fällenden Bäume rot markiert werden, sind die Markierungen für die Rückegassen blau: Das grelle Rot stört in wenigen Wochen niemanden mehr, die blaumarkierten Bäume hingegen bleiben stehen - "deshalb hier die eher dezentere Farbe", erklärt der Förster.

Wichtig für die privaten Brennholzmacher: Die Stämme mit einem roten Kreuz dürfen gefällt werden. Etwa die Hälfte davon sind Buchen, das freut die privaten Fäller, schließlich hat dieser Laubbaum einen der höchsten Brennwerte, mit denen heimische Baumarten aufwarten.

160 Jahre alt sind die Altbestände in dem Gebiet; Zeit also, sie zu fällen. Doch viele werden bleiben. Dies liegt an den verheerenden Fliegerangriffen vom 10. September und 3. Oktober 1944 in Gaggenau: 74 Jahre später dürfen viele Bäume stehenbleiben, weil in ihrem Holz die Bombensplitter von damals stecken. Denn die Metallstücke machen das Holz für die Sägewerke schwer zu bearbeiten. So manch knorriger, urtümlich anmutender Baum wird somit weiter in die Höhe wachsen und mit seiner eigentümlichen Ästhetik die Spaziergänger erfreuen.

Die Bombentrichter im Wald, sie haben sich übrigens zu kleinen Biotopen entwickelt, in denen sich die selten gewordenen Feuersalamander wohlfühlen.

Auch Totholzbäume werden mit Absicht nicht umgemacht, außer wenn sie sich in Siedlungsnähe befinden, erklärt Jochen Müller.

Einen eindringlichen Appell richten die Förster an die Spaziergänger im betroffenen Distrikt 4 "Erlich" mit den Waldabteilungen 3 "Erlichkamm" und 4 "Sommerhalde": "Die Absperrungen unbedingt beachten, auch an Wochenenden!" Es werde stets freie Wege geben, auf denen man den Hund ausführen oder einfach spazieren kann.

Und auch der scherzhaft "Hundebuche" genannte Baum wird mindestens ein weiteres Jahrzehnt seiner Funktion gerecht werden können. Ihren Namen hat die Buche übrigens nicht deshalb, weil Rüden dort ihr Bein heben würden. Im Gegenteil, weiß Förster Müller: Unten am Stamm befindet sich eine Höhlung, woraus die Hunde beim Spazierengehen gerne saufen.

"Auf alle Fälle geschützt", versichert Müller augenzwinkernd.

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