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Kein Rotkäppchen-Drama mit dem bösen Wolf
Lieber Thema Auerhuhn statt Wolf: Martin Hauser widmet sich aber auch dem diffizilen eingewanderten Tier.  Foto: Mack
11.10.2018 - 06:18 Uhr
Von Hartmut Metz

Loffenau - Ein Sternchen bei Loffenau auf der Wolfs-Karte macht die Gemeinderäte neugierig. Was bedeutet es? Die Antwort zögert Martin Hauser etwas hinaus. Die Katze - oder besser den Wolf - lässt der Wildtierbeauftragte des Landratsamts erst später bei seinem Vortrag im Ratssaal aus dem Sack.

Seit der männliche Grauwolf mit der registrierten Nummer 852 (GW852m) durch die Region streift und in Reichental sowie Bad Wildbad Nutztiere riss, fürchten sich Schaf- und Ziegenhalter in der Region. Damit den Landschaftspflegern ihr nützliches Hobby nicht vergällt wird, forderte mancher schon den Abschuss des Wildtiers. Der Loffenauer Gemeinderat wollte sich ein objektives Bild von der Situation machen und lud daher Hauser als Experten für einen Vortrag ein. Er lockte auch mehr Zuhörer in den Ratssaal als sonst. Der Revierförster vom Kaltenbronn paarte fundierte Informationen mit humorvollen Einlagen - trotz des ernsten Themas.

Der frühere Auerwildbeauftragte ("Das Thema war etwas angenehmer") zeichnete erst die Zeitschiene der Rückkehr der Wölfe nach, seit diese "Ende des 19. Jahrhunderts völlig verschwunden" waren. Seit den 90er Jahren sind im Osten Deutschlands die meisten Rudel aktiv. Eine Familie aus acht Tieren benötige rund 250 Quadratkilometer an Fläche. Werden die Welpen nicht überfahren - das Schicksal der meisten -, müssen sie mit eineinhalb Jahren das Rudel verlassen. "Die Jungtiere suchen sich neuen Lebensraum in 1000 bis zu 1200 Kilometer Entfernung", erläuterte Hauser, warum GW852m aus Niedersachsen übersiedeln konnte. Es sei nicht auszuschließen, dass sich so auch "irgendwann eine Dame aus Italien oder der Schweiz auf den Weg macht", um mit dem hiesigen Einzelgänger anzubandeln.

Die Hysterie versuchte Hauser mit Fakten zu beseitigen und für die "Koexistenz von Wolf und Mensch" zu werben, ohne dass die wichtige Weidetierhaltung zu sehr darunter leide. "Es ist Respekt vor ihm angebracht. Auch wenn er kein Fluchttier ist, sieht der Wolf den Menschen und rennt normalerweise weg", betonte der Förster mit Blick auf die etwa 70 Rudel in Deutschland, die für etwa "300 Übergriffe und 1000 getötete Tiere" im Jahr sorgen. Der Wolf brauche täglich vier Kilogramm Fleisch. Diese Ration decke er aber zu weniger als "einem Prozent mit Nutztier-Fleisch". Das allerdings unter der Prämisse, dass die Halter ihre Schafe und Ziegen "optimal schützen".

Der Wolf schlüpft lieber unten durch

Neben zusätzlichen ausgebildeten Herdenschutzhunden, die bisher nur die wenigsten haben, hängt somit viel am richtigen Elektrozaun. Die bisher empfohlenen 90 Zentimeter erweisen sich insbesondere in bergigem Gelände wie im Murgtal als zu niedrig - wobei der Wolf ungern "über Augenhöhe springt und lieber unten durch" schlüpfe, was an den Zaunlücken an Hängen leichter gelingt.

Hauser wie alle Gemeinderäte um Helmut Möhrmann, Reiner Singer und Christian Fieg waren sich einig, dass die Nutztierhalter nicht alleine gelassen werden dürften. In einem Positionspapier fordert der Gemeinderat, dass sämtliche erforderlichen Maßnahmen wie Zaunmaterial, personeller Aufwand etc. vom Land "zu 100 Prozent" übernommen werden. "Die Landschaftspflege durch Beweidung muss sichergestellt werden", betonte das Gremium einmütig.

Das Sternchen auf der Karte löste Hauser auch noch auf: Dies signalisiert eine "Sichtmeldung". Für "fünf Sekunden" seien zwischen Teufelsmühle und Bad Herrenalb "zwei graue Tiere" gesehen worden. Zwei Esel oder eine Fata Morgana?

Beim Abgang vom Ratstisch schloss Hauser für sich persönlich ein Rotkäppchen-Drama mit dem bösen Wolf aus: Der Unterhaltungskünstler gab noch eine letzte Kostprobe seines Humors. Der Wildtierbeauftragte wohnt abgelegen. Darauf werde er gerne angesprochen und mit der Frage konfrontiert: "Was machst Du denn, wenn Deine Frau abends auf einen Wolf trifft? Darauf entgegne ich: Ich mache nichts. Da muss der Wolf selbst schauen, wie er damit klarkommt ..."

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