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"Theatralische erste 30 Sekunden"
Frank Rieger (links) macht ein Selfie mit dem starken Mann in Leipzig: RB-Trainer und -Sportdirektor Ralf Rangnick.  Foto: Rieger
13.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gaggenau/Leipzig - "Die ersten 30 Sekunden sind oft theatralisch. Dann kommt der Arzt, danach spielen die meist munter weiter", konstatiert Frank Rieger grinsend. Der Sanitäter aus Michelbach beobachtet dies häufig bei den Bundesliga-Heimspielen von RB Leipzig hautnah von der Seitenlinie aus. Ab und zu muss der Rettungsassistent dann aber doch vor 44000 Zuschauern auf den Rasen spurten, um Nationalspieler Timo Werner&Co. zu helfen.

"Das ist schon ergreifend, wenn im DFB-Pokal die Bayern-Asse nur eine Armlänge entfernt stehen oder Champions-League-Spiele sind", findet Rieger. Wie kommt ein Murgtäler aber ausgerechnet zum Retortenclub aus dem Osten? Regelmäßige Einsätze beim Karlsruher SC lägen ja buchstäblich näher als die 550 Kilometer langen Fahrten zu den "Roten Bullen".

Eigentlich hatte Rieger bis vor fünf Jahren wenig am Hut mit Fußball. Seminare führten den Rettungsassistenten, der seit einem Vierteljahrhundert in Gaggenau beim Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) arbeitet, nach Leipzig. "Die Stadt hat mir sehr gefallen. Ich sah dann dort auch Spiele von RB. Ich erinnere mich noch an den Mai 2014 in der dritten Liga. 5:1 ging es gegen Saarbrücken aus - das war Bilderbuch-Fußball! Daher dachte ich: Die behalte ich im Auge - und dann ging es mit dem Aufstieg rasant weiter", zeigt sich der Michelbacher noch heute verblüfft und betont: "Ich war schon in der dritten Liga Leipzig-Fan! Nicht erst, als der große Erfolg da war."

Zu seinem Teilzeit-Job kam er über Besuche in einer Fan-Kneipe, obwohl sich Rieger früher kaum für Fußball interessierte und lieber als Co-Pilot beim MSC Bernstein dem Motorsport frönte. "Da erzählte mir einer, dass RB dringend Leute für die Jugendspiele und die Bundesliga brauchen. Es gebe eine Stelle, die auf mich zugeschnitten sei", erzählt Rieger, "ich hörte mir das an - aber wollte nicht komplett umziehen. Dafür bin ich zu heimatverbunden." Deshalb arbeitet der Rettungsassistent vier Wochen beim DRK-Kreisverband in Gaggenau und zwei Wochen in Leipzig für die Johanniter, die als Subunternehmer beim Bundesligisten auch für die Betreuung der U17- und U19-Nachwuchskicker im Leistungszentrum zuständig sind. "Da gibt es mehr ausgekugelte Schultern oder Kopfwunden zu versorgen als bei den Profis. Die sind noch voller Enthusiasmus und gehen kerniger ran", stellt der Michelbacher augenzwinkernd fest. In der Bundesliga komme dagegen erst "der Arzt ans millionenschwere Spielerbein", ehe Riegers Künste womöglich doch noch gefragt sind.

"Bei Riverboat kippen zu viele um"

Das kleine Rampenlicht am Seitenrand wurde allerdings auch schon einmal zu einem größeren im Bundesligastadion: "Einmal fiel ein Fan von der Empore vier, fünf Meter in die Tiefe und verletzte sich schwer", erinnert sich der 52-Jährige an seinen "prägnantesten" Rettungseinsatz bei RB. Deutlich mehr zu tun hatte der Rettungssanitäter in der Halle bei der Damen-Handball-WM in Leipzig - und vor allem bei der MDR-Sendung "Riverboat". "Da kippen zu viele Leute um angesichts der Hitze im Studio! Deswegen übertragen die auch nicht mehr live, damit sie vor der Übertragung am Abend unsere Einsätze rausschneiden können", berichtet er von seinem anstrengendsten Job mit den 150 älteren Herrschaften bei der Talkshow. Sportstars lernt Rieger dort genauso kennen, etwa Ski-alpin-Altmeister Markus "Wasi" Wasmeier. Aber er lauschte ebenso schon Florian Silbereisen oder dem einstigen Kinderstar Heintje, auch wenn der heute 63-Jährige nicht mehr seine Klassiker "Oma so lieb", "Ich bau Dir ein Schloss" oder "Heidschi Bumbeidschi" zum Besten gibt.

Dafür erlebt Rieger "Alle schönen Dinge dieser Welt", wie ein weiterer Heintje-Hit heißt, bei RB Leipzig. "Die Jugendspieler im Nachwuchszentrum sind alle gut erzogen", urteilt der Sanitäter. "Yussuf Poulsen ist keine Diva, sondern sehr offen", stellt er außerdem mit Blick auf den dänischen Stürmer fest. "Freundschaftlich" zeige sich vor allem der frühere Kaiserslauterner Willi Orban. Der Deutsch-Ungar habe sich über Riegers badischen Dialekt gewundert: "Du bist nicht von hier!", witterte der Ex-Pfälzer gleich einen "Landsmann" aus dem Südwesten. In bester Erinnerung hat der Michelbacher den früheren Trainer Ralph Hasenhüttl und wünscht ihm ein baldiges neues Bundesliga-Engagement. "Er hat keine Starallüren, ist unheimlich sympathisch und ausgeglichen. Mit dem kannst du in der Kneipe am Tisch sitzen und dich locker unterhalten!"

Während die Leipzig-Engagements eher Erholung für ihn darstellen und "entspannter sind als auf einem Rettungswagen in Gaggenau", lässt es Rieger morgen auch relativ ruhig angehen. Wer mit ihm am Sonntag etwas über Fußball fachsimpeln will, kann dies ab 11 Uhr tun. Der 52-Jährige führt beim elften Rundwegtag eine der drei Touren der Rundwegfreunde Michelbach. Start ist am Lindenplatz in der Dorfmitte. Rieger führt die Teilnehmer zu verschiedenen Tierhaltern - und die "Roten Bullen" aus Leipzig werden dabei sicher ebenso für den einen oder anderen Fußball-Fan zum Gesprächsthema.

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