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Glitzerndes Spiel des Pianisten ergänzt kongenial
Glitzerndes Spiel des Pianisten ergänzt kongenial
16.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Wolfgang Tzschaschel

Gernsbach - Statt in Berlin den Opus-Klassik-Preis entgegenzunehmen, ließen sie in der Gernsbacher Stadthalle Kammermusik erklingen: die deutschsprachigen Musiker des englischsprachig benannten Mozart Piano Quartet. Die wichtigste Sprache für Paul Rivinius (Klavier), Mark Gothoni (Violine), Hartmut Rohde (Viola) und Peter Hörr (Violoncello) ist die der Musik, mit der sie am Sonntag ihr Publikum begeisterten.

Auf dem Programm standen Werke von Beethoven, Saint-Saëns und Schumann, jedoch war der Namensgeber des Ensembles indirekt ebenfalls vertreten: Der junge Ludwig van Beethoven hatte sich für sein Klavierquartett in Es-Dur, in einer Quintett-Version auch für Klavier und Bläser bekannt, ein Quintett Mozarts zum Vorbild genommen.

Mit wuchtigen Streicher-Akkorden eröffneten Gothoni, Rohde und Hörr das einleitende Grave, reizvoll kontrastiert durch die schnellen Läufe, die Rivinius aus dem Flügel perlen ließ. Die drei Streicher bringen trotz der unterschiedlichen Charaktere ihrer Instrumente eine ungewöhnliche Homogenität zustande, kongenial ergänzt durch das glitzernde Spiel des Pianisten. Mit kraftvollem Nachdruck beendeten sie das Allegro ma non troppo des Eingangssatzes.

Das Andante cantabile erklang zart, dabei durchaus kräftig. Und wer da glaubte, nun aber wirklich Musik von Mozart zu hören, hatte nicht ganz unrecht, denn in diesem Satz wird eine Arie aus "Don Giovanni" zitiert. Mit einem einprägsamen Ritornell-Thema endete das letztlich dann doch Beethoven'sche Klavierquartett. Auch hier kommunizierten die vier Musiker ohne große Gesten, reagierten gleichwohl äußerst präzise aufeinander.

Der zweite Programmpunkt war eine Rarität: das Klavierquartett in E-Dur von Camille Saint-Saëns, mit 17 Jahren komponiert und erst 70 Jahre nach dem Tod des Komponisten veröffentlicht. Der erste Satz zeigt hübsche musikalische Einfälle, lässt aber einen verbindenden Bogen vermissen. Beim langsamen Satz wollte sich Saint-Saëns wohl keinen Gefühlsüberschwang nachsagen lassen. Jedenfalls wird der gemütvolle Melodiefluss durch eine nicht ganz überzeugende schnelle Passage unterbrochen.

Eine Steigerung bot das virtuose Finale, in dem die ausübenden Künstler ihre erstaunliche Beweglichkeit demonstrieren konnten. Hier mochte man bedauern, dass diese Komposition nicht öfter zu hören ist. Dies galt vor allem gegen Ende, als im Allegro con fuoco ein reizvolles Fugato mit eingängiger Melodie präsentiert wurde.

Eine weitere Steigerung, in der Interpretation, bot der zweite Konzertteil mit dem einzigen Klavierquartett von Robert Schumann. Bei diesem in lediglich fünf Wochen geschriebenen Meisterwerk konnten die vier Musiker die Spannung erzeugen, die im ersten Teil etwas zu kurz gekommen war. Geradezu atemberaubend wechselten sie zwischen kräftigem Zupacken und zartestem Berühren, jedoch keineswegs effekthascherisch, sondern in berückender Musikalität.

Im Scherzo wurde das Dämonische, das dieser Satz ausstrahlt, mit einer bewundernswert präzisen Konsequenz herausgearbeitet. Das nachfolgende Andante cantabile erhielt in der Interpretation durch das Mozart Piano Quartet eine gewisse Schwere, womit allerdings auch das musikalische Gewicht des Satzes besonders betont wurde.

"Wer schafft es schneller?" Glücklicherweise nicht allein unter diesem Motto stand die Darbietung des Schlusssatzes. Denn den Interpreten gelang es, ein rasendes Vivace-Tempo mit trotzdem erkennbarem tiefgründigem Ausdruck zu verbinden, so dass dieses kammermusikalische Werk Schumanns insgesamt für die Zuhörer zu einem außergewöhnlichen Erlebnis wurde.

Als Zugabe erklang - "aus aktuellem Anlass", wie Mark Gothoni in seiner Ankündigung bemerkte - ein Stück eines bayerischen Komponisten, das Ständchen von Richard Strauss. Kein Wahlkampf-Getöse war da jedoch in der Gernsbacher Stadthalle zu hören, sondern spätromantisch beseelter Wohlklang.

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