http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
"Größtes städtebauliches Projekt in nächsten 20 Jahren"
18.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - Bürgermeister Julian Christ ist zuversichtlich, dass der Schandfleck Pfleiderer-Areal eingangs der Stadt in spätestens fünf Jahren verschwunden sein wird. Die Verhandlungen mit der Krause-Gruppe (Bayreuth), die über einen Optionskaufvertrag mit dem Eigentümer des Geländes, der insolventen Pfleiderer Infrastrukturtechnik GmbH, verfügt, seien abgeschlossen. Seit Dienstag liege ein unterschriftsreifes Angebot auf dem Tisch, über das der Gemeinderat in seiner Sitzung am Montag, 22. Oktober, befinden soll.

Vier wesentliche Forderungen hatte der Gemeinderat im Vorfeld der Verhandlungen aufgestellt. Diese sieht Christ "in weiten Teilen durchgesetzt". Der Bürgermeister spricht angesichts der Ergebnisse von einer "einmaligen Chance, die wir nutzen sollten" und blickt voraus auf "das größte städtebauliche Projekt, das Gernsbach in den nächsten 20 Jahren wuppen wird." Folgende Kernforderungen hat die Krause-Gruppe in ihre Rahmenplanung für das Konzept aufgenommen:

Ganzheitliche Nutzung: Neben einem Vollsortimenter und einem Discounter ist man bereit, 10300 der insgesamt 25000 Quadratmeter großen Nutzfläche für Gewerbe, Büros und Wohnen zur Verfügung zu stellen. Dabei soll auch das Thema "bezahlbarer Wohnraum" Berücksichtigung finden. Ferner sagt Krause zu, "im Dialog mit der Stadt gestalterisch-architektonisch sicherzustellen, dass das Pfleiderer-Areal ein repräsentatives und grünes Eingangstor für Gernsbach wird".

Naherholungswert: Auf dem gesamten Gelände soll die Murg frei zugänglich sein. Durch einen Spazierweg, eine Liegewiese, einen Spielplatz sowie eine Murgterrasse sei man davon überzeugt, eine hohe Aufenthaltsqualität zu bieten. "Wir werden die Errichtung dieser Anlagen vornehmen. Öffentlich genutzte Grünflächen und Anlagen, die nicht unmittelbar einem zu bebauenden Grundstück zugeordnet sind, werden wir der Stadt kostenfrei übertragen."

Weitgehende Sanierung: Eine vollständige Sanierung des Geländes sei wirtschaftlich nicht darstellbar. Man sei aber bereit, eine weitgehende Sanierung durchzuführen - "auch wenn dies mit erheblichen Mehrkosten für uns verbunden ist". Diese Sanierung werde so umfassend sein, dass jegliche Form der Nutzung dort uneingeschränkt möglich sein und ein möglichst großer Teil der Altlasten entfernt werde. Dafür kalkuliert Krause mit Kosten von 4,5 Millionen Euro. "Die Summe ist für uns allerdings absolute Obergrenze einer möglichen Kostenübernahme. Unsere Zusage werden wir in einer neu zu schließenden Sanierungsvereinbarung mit dem Landratsamt rechtssicher festhalten." Zudem kündigt Krause an, im Falle der Zustimmung des Gemeinderats zu ihrem Konzept umgehend weitere umfangreiche Untersuchungen zu starten, "damit eine optimale Sanierungsplanung erarbeitet und umgesetzt werden kann."

Finanzierung von Verkehrswegen: Die notwendigen Anpassungen der öffentlichen Verkehrswege sowie den Bau des Kreisels finanziert Krause mit 40 Prozent der Gesamtkosten mit. Darüber hinaus sichert das Unternehmen zu, die Kosten für den barrierefreien Steg für Fußgänger und Radfahrer in die Altstadt zu 90 Prozent zu tragen. Damit wolle man einen weiteren Beitrag zum Naherholungswert leisten und das Areal "optimal anbinden".

"Überhaupt nichts zu tun mit Deckel drauf"

Der Bürgermeister betont, dass diese Sanierungsvariante "überhaupt nichts zu tun hat mit Deckel drauf", schließlich werde ein "maßgeblicher Teil der Altlasten entfernt". Mit der Ankündigung, weitere Untersuchungen anzugehen und die alte Sanierungsvereinbarung mit dem Landratsamt abzulösen, seien zudem zwei Forderungen der Bürgerinitiative Giftfreies Gernsbach und der CDU-Fraktion erfüllt. "Ich halte das für ein sehr, sehr ordentliches Ergebnis." Das Stadtoberhaupt sieht durch den dann "fertigen Rundgang von Altstadt über Pfleiderer zum Salmenplatz" große Synergieeffekte für die Stadt. Die Kosten, die aus dem Haushalt für das Projekt eigenfinanziert werden müssen, schätz Christ grob auf circa eine Million Euro. Im Falle einer Zustimmung des Gemeinderats am Montag nennt er als Zeitplan, in den nächsten Monaten den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Wörtgarten zu fassen. Dann könnte das Projekt in drei Jahren teilweise und in fünf Jahren voll realisiert sein.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Gernsbach
PFC: Erkenntnis auch für Gernsbach?

11.10.2018
Verzehr unbedenklich
Gernsbach (red) - Die Ergebnisse der Blutuntersuchungen auf PFC haben viele Menschen in Gernsbach verunsichert. Im Ausschuss für Technik und Umwelt wurde deshalb betont, dass Verbraucher im Bereich des Wasserversorgungsverbands Vorderes Murgtal sich keine Sorgen machen bräuchten (Foto: dpa). »-Mehr
Gernsbach
Gratulant aus Südtirol

10.10.2018
Sprecher feiert 105. Geburtstag
Gernsbach (red) - Ein seltenes Jubiläum hat Elenor Sprecher (Foto: Gareus-Kugel) am Montag gefeiert: Die Jubilarin wurde schon vor dem Ersten Weltkrieg am 8. Oktober 1913 in Baden-Baden geboren. Ihren 105. Geburtstag feierte die Gernsbacherin unter anderem mit einer Ururenkelin. »-Mehr
Gernsbach
--mediatextglobal-- Mit der Einleitung des Verfahrens zur Änderung der Bebauungspläne ´Große Au´ und ´Große Au III´ hat der Gemeinderat den Startschuss für die Erweiterung des Aldi- und Rewe-Marktes gegeben. Wie es mit dem Projekt weitergeht, ist ungewiss. Foto: Juch

09.10.2018
Projekt liegt vorerst auf Eis
Gernsbach (stj) - Die beiden Einkaufsmärkte in der Schwarzwaldstraße sollen erweitert werden. Das hat der Gemeinderat durch die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens bereits 2016 beschlossen. Doch nun droht das Vorhaben wegen des Pfleiderer-Areals zu scheitern (Foto: stj). »-Mehr
Gernsbach
--mediatextglobal-- Die Investorengruppe Krause hat erste Zugeständnisse bezüglich der Entwicklung des malerisch gelegenen Pfleiderer-Areals gemacht. So will sie sich an der Finanzierung eines Stegs über die Murg zur Altstadt beteiligen.  Foto:  Gerstner/Compusign

06.10.2018
Nachverhandlung notwendig
Gernsbach (red) - Die Stadt Gernsbach sieht erste ermutigende Verhandlungsergebnisse mit der Investorengruppe Krause. Nach den Gesprächen über die Entwicklung des Pfleiderer-Areals (Foto: Gerstner/ Compusign) hält Bürgermeister Julian Christ aber auch Nachverhandlungen für notwendig. »-Mehr
Gernsbach
Jugendhaus: Stadt sucht nach Träger

02.10.2018
Jugendhaus: Stadt sucht Träger
Gernsbach (stj ) - Bürgermeister Julian Christ betont die aktive Rolle der Stadt bei der Entwicklung zentraler Immobilienprojekte. Dazu gehört das Jugendhaus beim Bahnhof, das die Stadt jüngst erworben hat. Jetzt ist sie auf der Suche nach einem Träger, um die Attraktivität zu steigern (Foto: Juch). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Die Fernsehserie „Lindenstraße“ wird 2020 nach gut 34 Jahren beendet. Bedauern Sie das?

Ja.
Nein.
Ist mir egal.


http://www.karlsruhe.ihk.de/handelsregister
www.los.de/lrs-rastatt/
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz