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Atef Akram packt sein Leben an
Atef Akram.  Foto: Landratsamt
18.10.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach (red) - Die Sozialberatung für Flüchtlinge des Landkreises Rastatt ist bei ihren Kontakten mit den unterschiedlichsten Lebensläufen geflüchteter Menschen befasst. Für die Integration sind die Erlebnisse und Erfahrungen aus der Vergangenheit dieser Menschen sehr wichtig für deren Zukunft und spielen bei der Erstellung von Integrationsplänen eine wichtige Rolle, betont das Landsratsamt Rastatt in einer Mitteilung. Einer, der durch die Ereignisse in seinem Heimatland schon mehrere Stationen hinter sich hat und immer wieder mit viel Zuversicht und Zielstrebigkeit einen Neustart wagt, ist Atef Akram.

Der Familienvater ist 40 Jahre alt, hat drei Kinder und wohnt in Hilpertsau. Ursprünglich kommt er aus der Stadt Homs in Syrien. Dort hatte er ein Unternehmen für Elektrotechnik und die Planung von Bauaufträgen. Zusätzlich betreute seine Frau ein Büro für Inneneinrichtung. Dieses Unternehmen führte er elf Jahre lang und hatte unter anderem auch Regierungsaufträge von der Frau des syrischen Machthabers Bashar al-Assad.

Wegen der kriegerischen Auseinandersetzung musste er die Firma aufgeben und ging mit seiner Familie für fast zwei Jahre nach Algerien und war als Elektrotechniker für Kontrollsysteme einer Ölfirma tätig. Nach Beendigung des Arbeitsvertrags musste die Familie das Land wieder verlassen und ging nach Kairo in Ägypten, da eine Rückkehr in die Heimatstadt nicht möglich war.

In Ägypten angekommen, machte er sich erneut selbstständig und eröffnete ein Unternehmen für Klimatechnik und Elektrik. Die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Ägypten zwangen die Familie zwei Jahre später erneut das Land zu verlassen und in Deutschland Asyl zu suchen, erzählt das Landratsamt vom Lebenslauf Akrams.

Erste Station war 2014 Stuttgart. Dann folgten Karlsruhe, Calw und im Dezember 2014 die Gemeinschaftsunterkunft "Sonnenhof" des Landkreises Rastatt in Gernsbach. Bereits ein halbes Jahr später bezog die Familie eine eigene Wohnung im Murgtal. Nachdem Mutter und Vater die Sprachkurse mit dem Niveau B1 erfolgreich absolviert haben, hat sich Atef Akram im März dieses Jahres erneut selbstständig gemacht. Er versucht seinen Lebensunterhalt als Bodenleger zu bestreiten. Neben Bäder fliesen und Laminat verlegen bietet er weitere Heimwerkerdienste wie Streichen, Tapezieren, Möbel aufbauen oder sonstige Reparaturen an.

Für die Zukunft wünsche er sich nichts mehr, als mit seiner Familie einen endgültigen Platz gefunden zu haben, seine Firma erfolgreich zu führen und eine gute Schulbildung für seine Kinder zu erhalten. Hinsichtlich seiner ursprünglichen Vorstellungen von Deutschland konnte er nicht glauben, dass Bürokratie so verwirrend sein könne. Deutschland sei zwar kein Fußballweltmeister, "aber ein Bürokratieweltmeister", schmunzelt Bodenleger Akram, der sein Leben auch in Deutschland wieder schnell und erfolgversprechend angepackt habe.

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