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Wenn eine "Kreissäge" vorbeirast
Nach den Beiträgen der Podiumsteilnehmer nutzen betroffene Bürger die Gelegenheit, die Situation aus ihrer Sicht darzustellen. Foto: Rohwer
20.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Elke Rohwer

Gaggenau - Nicht alle Motorradfahrer über einen Kamm scheren, war nur eine der Erkenntnisse der Podiumsdiskussion am Donnerstag im Rathaus. Der Arbeitskreis Umwelt und Natur (AKU) hatte Experten und Bürger eingeladen, sich mit Verkehrslärm auseinanderzusetzen. Dass das Thema die Gemüter bewegt, bewiesen die zahlreichen, teils heftigen Statements Betroffener.

Oberbürgermeister Christof Florus zeigte sich positiv überrascht angesichts der großen Zahl von rund 220 Gästen. "Seien Sie nicht nur passiver Zuhörer, sondern sprechen Sie über Ihre Lärmprobleme. Nur so können wir bei diesem Thema vorankommen. Wir sind offen für Kritik und gute Vorschläge."

Maßgeblich vorbereitet hatte die Veranstaltung Folker Hahn. Nach der Vorstellung des Podiums durch Moderatorin Jutta Walter legte Thomas Marwein, Lärmschutzbeauftragter des Landes, die verschiedenen Arten von Lärm dar. Anhand einer bundesweiten Studie stellte er heraus, dass der durch Straßenverkehr verursachte Lärm als besonders störend empfunden wird. Anschließend ging er auf die physischen und psychischen Belastungen ein, etwa Depressionen und Herz-Kreislaufstörungen, die Verkehrslärm hervorrufen kann.

Dass Verkehrslärm ein gegenwärtiges Problem in Gaggenau darstellt, verdeutlichte das Video einer nächtlichen Szene in der August-Schneider-Straße, Höhe Stadtterrasse. Markant waren die Fahrzeuge, die ohrenbetäubend laut und mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit durch das Bild rasten. "In Deutschland gibt es 70 000 Bürgerinitiativen gegen Lärm, 18 000 davon beziehen sich auf Straßenlärm, 1 900 auf Motorradlärm. Das zeigt deutlich, dass das Thema viele betrifft." Konstantin Rost von der "Interessensgemeinschaft gegen Lärm L613 Michelbach" führte aus: "Wir sind nicht generell gegen Verkehrslärm, sondern gegen die Lärmspitzen. Das hört sich manchmal an, als fährt eine Kreissäge an der Terrasse vorbei."

Peter Westermann, Leiter der Verkehrspolizei Baden-Baden, berichtete: Die Zahl der zugelassenen Krafträder in Baden-Württemberg habe in den vergangenen Jahren um 25 Prozent zugenommen. Die technische Ausstattung habe sich verändert. So würden viele Motorräder im Stand einen Geräusch-Pegel von 100 Dezibel erreichen. "Gaggenau allerdings ist, was Lärmbelästigung betrifft, kein Hotspot. Da gibt es ganz andere Gemeinden. In Gaggenau sind es einige wenige Verursacher."

"Die meisten verhalten sich vernünftig"

Der Gaggenauer und langjährige Motorradfahrer Uwe Knauer warnte vor Verurteilung aller Motorradfahrer. "Etwa ein Drittel haben für einen besseren Klang ihren Auspuff manipuliert. Das sind einzelne, schwarze Schafe. Die meisten aber verhalten sich vernünftig", meinte Knauer und erläuterte die Funktion von sogenannten Nachrüstschalldämpfern, "dB- Eatern" und Auspuffklappen.

Thomas Hätty vom ADAC Nordbaden machte eine oftmals falsche Bedienung für Lärmaufkommen verantwortlich. "Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ich im zweiten oder dritten Gang an der Schwarzenbach-Talsperre unterwegs bin." Dirk Johae von Motor Presse Stuttgart verurteilte die Rücksichtslosigkeit einiger weniger zugunsten des persönlichen Vergnügens. Der Klang eines Motorrads sei für den Fahrer zwar wichtig, aber nicht mit Lärm zu verwechseln. "Es geht darum, wie man mit dem Fahrzeug umgeht."

Anschließend stellte Dieter Spannnagel, Amtsleiter Bürgerservice und Ordnung, die Lärm- und Geschwindigkeits-Anzeige vor, die seit Mai an der L613 bei Michelbach installiert ist. Die Geschwindigkeitsüberschreitungen hätten sich dadurch deutlich verringert. Drei Viertel der besonders lauten Fahrzeuge seien Krafträder.

Konstantin Rost begrüßte die Installation, bemerkte aber, dass sich das Problem damit nur verlagere.

"Die Polizei kann nichts tun, um Kraftfahrer wegen der Lautstärke ihrer Maschinen zu bestrafen. Früher gab es noch Punkte in Flensburg bei Lärmverstoß, aber die wurden abgeschafft", wies Peter Westermann auf die seiner Ansicht nach zu geringe Bußgeldhöhe hin. "Es fehlt hier an einer klaren gesetzlichen Regelung im Rahmen der Fahrgeräusche-Messung." Stattdessen empfahl der Leiter der Verkehrspolizei den Anwohnern, die Nummernschilder der Polizei zu nennen. Die Podiumsgäste waren sich einig, dass aufgrund der lückenhaften Gesetzgebung bei der Typenzulassung Politik und Fahrzeughersteller gefordert sind.

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