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"Nur hübsches Städtchen" oder Einkaufszentrum?
'Nur hübsches Städtchen' oder Einkaufszentrum?
24.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gernsbach - Die sich sonst bezüglich des Pfleiderer-Areals unversöhnlich gegenüberstehenden Fronten zwischen SPD/FBVG und CDU/Grüne weichen am Montagabend für einen kurzen Moment auf. Die Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts endet nicht wie gewöhnlich mit einem Abstimmungserfolg für SPD/FBVG und Bürgermeister, sondern CDU und Grüne ziehen mehrere Gemeinderäte mit auf ihre Seite.

Mit 15:13 wurde das Einzelhandelskonzept der Verwaltung nicht abgenickt, sondern der weitergehende Antrag von Wolfgang Müller (CDU) fand eine Mehrheit. Der ehemalige Bürgermeister sah keinerlei Grund, die 2016 vom Gemeinderat genehmigten Erweiterungsmöglichkeiten der bestehenden Märkte von Aldi und Rewe in der Schwarzwaldstraße zu stoppen, nur weil auf dem Pfleiderer-Areal ein Vollsortimenter und ein Discounter mit 2100 beziehungsweise 1400 Quadratmetern Verkaufsfläche geplant seien. Rewe hatte damals beantragt, sich um 450 auf 1600 Quadratmeter zu vergrößern, Aldi wollte um 300 auf 1300 Quadratmeter wachsen.

Die Abstimmungsschlappe für Julian Christ zeigte: Nicht nur die CDU-Lokalpolitiker fühlten sich pikiert vom Vorgehen des Bürgermeisters. Müller monierte: "Es sind 2,5 Jahre rum - der Gemeinderat beschließt, die Verwaltung setzt um. Das ist nicht einseitig zu ändern. So fühle ich mich als Gemeinderat übergangen", betonte Müller, während Rathaus-Chef Christ darauf beharrte: "Das liegt in meiner Kompetenz." Sylvia Felder (CDU) unterstrich: "Wesentliche Entscheidungen zu verschleppen, ist nicht im Sinne der Gemeindeordnung. Ich erwarte, dass grundlegende Entscheidungen nicht versteckt werden." Beate Benning-Gross (Grüne) beklagte mangelnde "Transparenz" und "ich frage mich, wer ist hier der Bestimmer? Inhaltliche Änderungen sollten dem Gemeinderat zeitnah mitgeteilt werden".

Das um Müllers Antrag ergänzte Einzelhandelskonzept wurde hernach sogar einstimmig durchgewunken. Ansonsten wichen die Bürgervertreter aber nicht von ihren bekannten Positionen ab: Das von Gerhard Beck vorgestellte neue Einzelhandelskonzept der Firma GMA fand seine Befürworter aufseiten der FBVG und der SPD - CDU und Grüne meldeten Bedenken an. Vor allem erhitzte die Gemüter die Frage, ob die 70 bestehenden Betriebe mit 11000 Quadratmetern Verkaufsfläche in Gernsbach nahezu eine Vollversorgung garantieren oder "Kaufkraft" in Nachbarorte abwandert, weil es keinen Einkaufsmagneten in dem 14000-Einwohner-Mittelzentrum gibt.

"Wenn Gernsbach als Einkaufsstadt und nicht nur als hübsches Städtchen wahrgenommen werden will", betonte Beck, müsse die Chance genutzt werden, um "andere Kunden nach Gernsbach zu bringen". Der Salmenplatz wäre seiner Meinung nach "ideal" für einen Vollsortimenter, aber da es dort an der erforderlichen Fläche fehle, sei das 350 Meter entfernte Pfleiderer-Areal die "zweitbeste Lösung" in Zentrumsnähe. Dem pflichteten Uwe Meyer (FBVG), Guido Wieland und Irene Schneid-Horn (beide SPD) bei. Sie hoffen, dass der Vollsortimenter zusätzliche Käufer in die Stadt lockt. "Im Umland entstehen neue Märkte", fürchtete Schneid-Horn, dass ihre Stadt sonst abgehängt wird.

Die Kontrahenten verwiesen auf die alten Einzelhandelskonzepte von Acocella aus den Jahren 2006 und 2009. Demnach sei Gernsbach zu "94 Prozent" ausreichend versorgt (das BT berichtete). Benning-Gross warnte zudem vor zunehmendem Verkehr und sah kleine Läden, etwa Bäcker und Metzger, bedroht. Wie Benjamin Groß (FBVG) hält sie es für "utopisch", deren Waren bei einem Vollsortimenter auszuschließen, was Meyer angedacht hatte. Müller forderte vom Experten Beck eher "Vorschläge" ein, wie man Läden ansiedeln könne, die mittel- und langfristige Anschaffungen ermöglichten. "Da sind wir schlecht mit 37 sowie 33 Prozent Abdeckung - und sollten nicht gegenüber Gaggenau aufgeben."

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