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Die Todeskandidaten am Murgdamm
24.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Was morsch ist muss weg. So einfach ist es, wenn es um Bäume im öffentlichen Raum geht, also an Straßen und Wegen, in Parks und auf Plätzen. Aber Bäume sind mehr als lediglich Straßenbegleitgrün. Sie regulieren das Stadtklima, sind Lebensräume, erfreuen das Auge. Und nicht zuletzt: Bäume sind Emotion. Das hat die Stadtverwaltung in den vergangenen Jahren ein ums andere Mal erfahren. Vor den nun anstehenden Baumfällungen hatte sie deshalb zu einem Informationsspaziergang geladen.

Zwei Dutzend Teilnehmer machten sich mit Dr. Thomas Herdt von der Markuskirche aus auf den Weg den Murgdamm entlang Richtung Berliner Brücke. Die allermeisten von ihnen waren Gemeinderäte und sonstig kommunalpolitische Engagierte, Mitarbeiter der Stadtverwaltung oder aus beruflichen Gründen dabei. Was der Sachverständige in einer Dreiviertelstunde zu erklären wusste, das hätte ein größeres Publikum verdient gehabt.

Gleich zu Beginn machte Herdt deutlich: "Verkehrswege sind sicher zu halten." Doch nicht nur dieses Credo mache den Umweltabteilungen in den Kommunen, den Amtsleitern und Bürgermeistern das Leben schwerer als noch vor wenigen Jahrzehnten. Die schnelle Verbreitung von Schadenersatzforderungen im Internet sei dafür verantwortlich - immer mehr Nachahmeffekte - und eine tatsächlich festzustellende Zunahme von Sturmschäden. Häufigere und stärkere Böen und länger werdende Trockenphasen setzen der Widerstandskraft und damit Standfestigkeit von Bäumen dauerhaft zu.

Wenn dann Bäume, wie die Robinien auf dem Murgdamm, ans Ende ihrer natürlichen Lebenserwartung kommen - 60 bis 70 Jahre - dann bleibt oft nur der Ruf nach der Motorsäge. Auch, und das betonte Herdt nachdrücklich, wenn das Auge des Laien keine Schäden erkennen kann. Herdt hingegen ist Experte, und er zeigte den Teilnehmern mit geübtem Blick die abplatzende Rinde, die verwachsenen Zwickel oder auch den tatsächlich sichtbaren Pilzbefall an scheinbar gut dastehenden Todeskandidaten.

Natürlich könne man einzelne Exemplare noch ein paar Jahre erhalten mit aufwendigem Schnitt oder durch Abstützen. Aber so ein Aufschub sei weder sinnvoll noch rechtfertige er den finanziellen Aufwand, der locker vierstellig werden könne. Schließlich sei es sinnvoller, regelmäßig und zügig morsches Holz durch junge Bäume zu ersetzen.

Dies aber habe man in Gaggenau in der Vergangenheit an einigen Stellen versäumt. Es fehlt der mittlere Bestand an 40- bis 50-jährigen Bäumen. Viel zu viele überalterte Exemplare stünden somit in nächster Zeit zum Fällen an. Besser wäre es, wenn die Altersdurchmischung größer wäre.

Vollendete Tatsachen gibt es auf dem Murgdamm bereits: Eine mächtige Robinie war sie einmal, nun liegt sie in mehreren toten Stämmen am Wegesrand. Zurecht, befindet Herdt und senkt seinen Sondenstab ohne Mühe einen guten halben Meter in den Stumpen hinein. Vollkommen verfault das Innere des Stamms an dieser Stelle. Ein solcher Baum ist eine Bedrohung für jeden Spaziergänger, für jeden Radler. Er musste gefällt werden.

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