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Ein Funken Hoffnung hinter Stacheldrahtzäunen
Der Holocaust-Überlebende Kurt Salomon Maier beantwortet bei seinem Vortrag in Gernsbach auch zahlreiche Fragen der Realschüler.  Foto: Mahler
26.10.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach (am) - Über das Schicksal der Juden in der Region und seine eigene Deportation ins französische Lager Gurs am 22. Oktober 1940 berichtete Dr. Kurt Salomon Maier am Mittwoch den Zehntklässlern der Realschule Gernsbach. Der Zeitzeuge veranschaulichte seinen Vortrag mit zahlreichen Fotos seiner frühesten Kindheit bis hin zu Bildern von einem amerikanischen Visum, das seine Rettung bedeutete.

Maier lebt in Washington und kommt jedes Jahr nach Deutschland, um Vorträge zu halten und das Mahnmalprojekt der Evangelischen Jugend Baden zu unterstützen. Auf der Leinwand der Aula erscheint ein altes Schwarzweißfoto. Die Lehrer und Schüler sehen darauf einen jungen Kurt Salomon Maier inmitten anderer Kinder des evangelischen Kindergartens von Kippenheim "Das Bild entstand in der Zeit vor dem NS-Regime, in der die Religionszugehörigkeit noch keinen Unterschied machte. Doch schon wenige Jahre später wäre ein Jude im christlichen Kindergarten undenkbar gewesen", erklärt der Überlebende, der 1930 in Kippenheim geboren wurde. Anfangs habe seine Familie daran geglaubt, dass alles wieder besser werden würde.

Sie blieben also trotzdem in Deutschland, während viele andere schon auswanderten. Für die soziale Ausgrenzung der Juden sei eine Verordnung von 1938 prägend gewesen. Diese verpflichtete die jüdische Bevölkerung, eine spezielle Kennkarte zu besitzen. Ein großes "J" für "Jude" und ein Stempel der Nazis vervollständigten den polizeilichen Inlandsausweis. Seine ersten Schuljahre hatte der Zeitzeuge auf der Volksschule in seinem Heimatort verbracht, ab 1938 besuchte er die jüdische Schule in Freiburg. Im selben Jahr markierte die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November einen weiteren Tiefschlag für die 500000 Juden in Deutschland. Fotos vom zerstörten Inneren der kleinen Synagoge von Kippenheim verdeutlichen dem Publikum, wie verheerend diese Nacht war.

Nicht ganz zwei Jahre später, am 22. Oktober 1940, klopften schließlich Gestapo-Männer an den Türen von rund 5600 Juden in 137 Gemeinden in Baden. "Da war ich gerade einmal zehn Jahre alt. Wir hatten nur 20 Minuten Zeit, das Wichtigste zu packen. Von der Deportation in Kippenheim gibt es nur wenige Bilder, die ein Zeitungsmann schoss. Sie durften nicht veröffentlicht werden und wurden erst später gefunden." Maier deutet auf eines dieser Fotos, auf denen er, sein Bruder und seine Eltern mit spärlichem Gepäck gerade das Haus verlassen. "Nach zwei bis drei Tagen ohne Essen kamen wir im KZ Gurs an."

Als Maier Fotos des mit Stacheldraht umzäunten Lagers am Rand der Pyrenäen zeigt, verbreitet sich ein unbehagliches Gefühl im Publikum. Vor Ort seien viele nach kurzer Zeit an Seuchen, Lungenentzündung und Erschöpfung gestorben, darunter auch sein Großvater. Als die Hoffnung zu schwinden drohte, "ist schließlich ein Wunder geschehen". Maiers Eltern konnten Papier und Briefmarken auftreiben und einen Brief an die amerikanische Verwandtschaft verschicken. Drei Monate später wäre dies überhaupt nicht mehr möglich gewesen. Nach einiger Zeit wurde die Behörde im KZ benachrichtigt, dass amerikanische Pässe für die Familie vorliegen. Aus diesem Grund bekamen sie die Erlaubnis, das Konsulat in Marseille aufzusuchen. "Wenn es dort nicht geklappt hätte, hätten wir wieder zurückgehen müssen. Gurs war eigentlich kein Vernichtungslager, eher eine Zwischenstation. Als Auschwitz fertig gebaut war, wurden nahezu alle Insassen dorthin transportiert. Ein schreckliches Schicksal!" Von Marseille ging es über Casablanca nach New York.

"Seit 18 Jahren halte ich nun schon Vorträge über meine Geschichte. Am Anfang war es schwer, aber mit der Zeit wird es immer leichter, darüber zu reden", erzählte Maier. Nach großem Applaus bedankte sich der Gernsbacher Arbeitskreis Stadtgeschichte und die Geschichtslehrerin bei ihm für den bewegenden Vortrag.

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