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Opfer im Schlaf überwältigt und gefesselt
Opfer im Schlaf überwältigt und gefesselt
27.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Ulrich Jahn

Gaggenau/Baden-Baden - Als "wirklich schlimmes Geschehen" bezeichnete Vorsitzender Richter Wolfgang Fischer die Tat vom 11. November 2017. Das Schöffengericht des Landgerichts Baden-Baden verurteilte gestern einen zuletzt in Berlin wohnhaften 22-Jährigen wegen mutmaßlicher Tatbeteiligung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten.

Gemeinsam mit zwei weiteren Tätern soll der kosovarische Staatsangehörige am 11. November 2017 nachts gewaltsam in ein Wohnhaus in Gaggenau im Baugebiet "Heil" eingedrungen und die beiden Bewohner im Schlaf überrascht haben. Die Opfer seien überwältigt und gefesselt worden. Die Täter erbeuteten Schmuck und Bargeld im Gesamtwert von rund 30000 Euro. Der Beschuldigte, gegen den laut Staatsanwaltschaft Baden-Baden in Berlin mehrere weitere Ermittlungsverfahren anhängig sind, wurde am 12. April verhaftet und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

Erschwerend für das Urteil waren laut Richter Fischer die Tatumstände. Die Opfer seien im Schlaf überrascht worden, die Täter seien in deren Privatsphäre eingedrungen. 20 bis 25 Minuten seien sie den Einbrechern hilflos und gefesselt ausgeliefert gewesen - "eine schlimme Situation für die Opfer". Noch lange nach der Tat hätten beide darunter gelitten.

DNA auf Handy führt auf Spur eines Täters

Auch habe es sich um eine hohe Beute im fünfstelligen Bereich gehandelt. Neben der Freiheitsstrafe muss der 22-Jährige Schmerzensgeld an die beiden Opfer zahlen - 3000 und 7000 Euro. Zugunsten des 22-Jährigen wertete das Gericht, dass er zwar vorbestraft sei, aber nicht erheblich. Auch sitze er erstmals in Untersuchungshaft. Allerdings sei deutlich kriminelle Energie bei der Tat zum Ausdruck gekommen. Den 22-Jährigen ermitteln konnten die Beamten unter anderem wegen einer DNA des Angeklagten, die auf dem Handy eines Opfers entdeckt worden war. Dieses Mobiltelefon hatten die Täter nach Verlassen des Anwesens in den Vorgarten geworfen. Im Zusammenhang mit der DNA sprach der Richter in seiner Urteilsbegründung von einem eindeutigen Ergebnis und einem "Volltreffer". Zwischen 1.41 und 3.30 Uhr sei das Telefon eines in Berlin angemieteten Mercedes-Benz mehrfach in einer Funkzelle in der Nähe des Tatorts eingebucht gewesen. Vom 4. bis 11. November 2017 habe der Angeklagte das Auto angemietet. Dessen Einlassungen vor Gericht, den Wagen weitervermietet zu haben, bezeichnete Fischer als fraglich. Zumal der Beschuldigte das Fahrzeug an eine ihm unbekannte Person weitergegeben haben soll. Das, so der Richter, wirke konstruiert.

Das Fahrzeug sei zur Tatzeit in Gaggenau in einer Funkzelle eingebucht gewesen. Der Richter ist überzeugt, dass der 22-Jährige es in dieser Zeit als Mieter genutzt hat.

Der Angeklagte sei mit zwei weiteren Personen gewaltsam in das Wohnhaus eingedrungen, indem sie die Eingangstür aufgehebelt hätten - mit dem Ziel, Wertgegenstände und Bargeld zu finden. Klebeband hätten sie mitgeführt, um ihre Opfer zu fesseln. Außerdem sei ein "länglicher, gebogener Gegenstand" eingesetzt worden. Dieser sei im Schlafzimmer, nachdem die Täter es regelrecht gestürmt hätten, in einer "drohenden Position" hochgehalten worden. Die Annahme, dass es sich um ein Brecheisen gehandelt habe, liege nicht fern, so der Richter. Mit diesem hätten die Täter wohl die Haustür aufgewuchtet.

"Erpresserischer Menschenraub" sei vom Gericht nicht angenommen worden, allerdings Raub, ebenso vorsätzliche Körperverletzung wegen der Fesselungen sowie Freiheitsberaubung. Die Opfer seien unter anderem mit einem Handyladekabel aneinandergebunden worden. Einer der Täter habe mit der Tötung einer Katze gedroht - aber wohl nicht der Angeklagte. Das Gericht siedelte das Strafmaß laut Richter Fischer eher im unteren Bereich an. Möglich seien drei bis 15 Jahre gewesen. Der vom Amtsgericht Baden-Baden am 15. März erlassene Haftbefehl bleibt in Vollzug.

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