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Durch "machbare Kunst" inspiriert
Die Kunstweg-Kuratorin Rita Burster (von links) führt Lehrerin Ulrike Schädle und ihre Realschul-Klasse der 10a am Reichenbach entlang und gibt Einblicke zu Werken wie dem von Hans-Michael Franke. Foto: Metz
27.10.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach (ham) - "Das ist aber keine Kunst, oder?", ulkt ein Schüler der 10a. Allzu große Ehrfurcht lassen die Zehntklässler vermissen, als sie den Kunstweg am Reichenbach entlangschlendern. Diese zu wecken, ist auch kaum das Ziel der ersten Führung mit der Realschule Gernsbach. Lehrerin Ulrike Schädle sieht es eher als Inspiration, wenn sie beim Anblick von "Nachskalierung eines Turms" befindet: "Da haben wir den Eindruck: Das ist machbar."

Das 3,50 Meter hohe Kantholz, das der Chinese Chen Fei erst dieses Jahr an zwei Tagen am Reichenbach zimmerte, ist eines der neuesten der aktuell 44 Werke. "Ich denke, es hält etwa zwei Jahre, dann muss das Holz weg", erläutert Kuratorin Rita Burster den 14 Schülern und fügt gleich noch an, dass es nicht nur deswegen regelmäßige Wechsel bei dem Kunstpfad gibt. So verschwand zum Beispiel eine Leihgabe von Rüdiger Seidt. Ihr Vorgänger als Kurator und Initiator des Kunstwegs vor 15 Jahren hatte sie an die Organisatoren der Landesgartenschau in Lahr verkauft, von wo sein Werk auch nach dem Ende nicht mehr ins Murgtal zurückkehrt.

Am letzten Tag vor den Herbstferien inspizierten die Eleven von Ulrike Schädle die abwechslungsreiche Kunstsammlung murgaufwärts, nachdem sich die 10a in den "letzten Wochen im Kunstunterricht mit dem Thema Landart befasste", erzählt die Lehrerin und berichtet, "diese neuere Kunstströmung hat inzwischen Einzug in unsere Lehrwerke gefunden und ist im aktuellen Schulcurriculum Kunst der Realschule verankert." Dabei erhielten ihre Schützlinge zunächst "Bildmaterial, um sich eine visuelle Vorstellung über das Thema Landart verschaffen zu können, bevor sie auf dem Schulhof zur Tat schreiten sollten. Der Arbeitsauftrag beinhaltete eine zweidimensionale Gestaltung eines Werks aus Naturmaterialien, welche sie auf dem Schulgelände suchen mussten. Dies geschah in Einzelarbeit und jeder Schüler durfte sein Werk fotografisch festhalten", berichtete Schädle der Kunstweg-Vereinsvorsitzenden Burster im Vorfeld.

Die Galeristin, die in Karlsruhe und Berlin ausstellt, erzählt den Realschülern, dass am Reichenbach "mehr Männer als Frauen vertreten sind - aber das liegt auch daran, dass mehr Männer als Bildhauer arbeiten". Dass das schwache Geschlecht aber durchaus Großes leisten könne, macht Burster am abgestürzten rosafarbenen Papierflieger fest, den Nina Laaf einfallsreich und passend zur Murgtäler Holzindustrie 2016 schuf. Dass Werke vergänglich sein können oder unscheinbarer werden, dokumentiert sie bei den Kreisen, die 2010 von Alf Setzer in den Fels gezogen wurden und die immer wieder von Moos überwuchert werden.

Um die Jugendlichen anzuspornen, steht die Kuratorin dem Wunsch offen gegenüber, dass sie sich bei einer Veranstaltung mit einer "Performance" beteiligen. Schädle träumt gar davon, sich an der "Umgestaltung einer Heuhütte" zu beteiligen, wie sie der Vereinsvorsitzenden zeitig mitgeteilt hatte.

Die Zehntklässler waren gut vorbereitet an den Reichenbach gekommen, hatten sie die Kunstweg-Broschüre doch schon im Unterricht in Augenschein genommen. Die jungen Kunstbeflissenen scheinen auch sonst engagiert zu sein. Laut Schädle gestalteten sie im Unterricht Sand und Muscheln, schufen aus Material vom Schulhof dreidimensionale Partnerarbeiten, eine "Steinbalance", und fotografierten diese aus unterschiedlichen Perspektiven mit Licht- und Schattenspielen. Zudem gestaltete die Gruppe gemeinsam ein dreidimensionales Werk innerhalb der Bäume und Büsche des Schulhofs mit Naturmaterialien. Der letzte Beitrag zur lokalen Kunst soll das nicht bleiben - die rührige 10a verarbeitet nun noch gesammeltes Naturmaterial vom jüngsten Ausflug an den Träufelbachsee. Der Rundgang am Reichenbach dürfte dabei genügend Inspirationen für das "Klassenkunstwerk" geliefert haben.

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